25.06.2020 - 19:12 Uhr
MitterteichOberpfalz

Gegen die Natur arbeiten um uralte Kulturflächen zu halten

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Lässt man der Natur freien Lauf, entsteht Wald. Das will man auf den Flächen des Bundesnaturschutzgroßprojektes Waldnaabaue nicht. Deshalb ergreifen die Bayerischen Staatsforsten (BaySF) auf ihrem Grund und Boden entsprechende Maßnahmen.

Revierleiter Wolfgang Pröls (links) stellt dem Leiter der Bayerischen Staatsforsten Waldsassen, Norbert Zintl sein Konzept an Ort und Stelle vor. Der unterstützt die geplanten Maßnahmen und sagt, wer Naturschutzflächen schaffe, müsse diese auch pflegen. Tue man das nicht, werde auf den wertvollen Arealen ziemlich schnell Wald entstehen und sie für den naturschützerischen Aspekt wertlos machen.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Der Leiter des Reviers Mitterteich I, Wolfgang Pröls, hat festgestellt, dass sich auf den Flächen, welche die Bayerischen Staatsforsten (BaySF) Waldsassen für das Bundesnaturschutz-Großprojekt Waldnaabaue betreuen, die Vegetation nicht so entwickelt, wie man sich das vorgestellt hat. Deshalb hat der Förster einen Pflegeplan ausgearbeitet. Die Maßnahmen erstrecken sich über fünf Jahre und kosten etwa 120 000 Euro.

https://www.onetz.de/tirschenreuth/vermischtes/adler-besiedeln-waldnaabaue-d1682472.html

Jährlich fördert der Bayerische Staat die sogenannten Gemeinwohlleistungen der BaySF mit insgesamt 12 Millionen Euro. Aus diesem Topf erwartet der Forstbetrieb Waldsassen eine Bruttoförderung von zirka 70 Prozent. Bei der Schaffung des Gebietes zwischen 1998 und 2011 wurden das Areal vernässt, alte Teiche aus der Zeit der Zisterziensermönche freigelegt und teilweise moderat angestaut.

"Die Flächen wurden anfangs größtenteils kahl geschlagen, um wieder Offenlandcharakter zu erreichen und die einstige Klosterteichlandschaft wieder herzustellen", erklärt Pröls. Noch erhaltene Dämme seien von der Bestockung befreit worden. Man hoffte, dass dies alles ausreichen würde, um eine neuerliche Waldentwicklung zurückzuhalten. "Nur auf wenigen Flächen ist diese Rechnung aufgegangen", sagt Pröls.

Auf den meisten erobere sich der Wald Stück für Stück diese wertvollen Areale zurück. Es sei einfach nicht ständig genug Wasser vorhanden, um die Waldentwicklung zu verhindern. Das sei hier schon immer ein Problem gewesen, auch vor Tausend Jahren, als die Waldsassener Zisterzienser-Mönche hier mit der Fischzucht im großen Stil begannen.

Geförderte Gemeinwohlleistungen

Ein ausgeklügeltes Wasserleitsystem und ihrer immensen Arbeit an den Anlagen sei es zu verdanken, dass diese wertvolle Kulturlandschaft entstand und erhalten werden konnte. Nicht nur die Fischzucht florierte damals aus diesem Grund in der Region, sondern es entstand auch eine immense Artenvielfalt. Ein Grund, dieses alte Kulturland wenigstens in seinen Ansätzen zu erhalten. Ließe man der Natur ihren Lauf, wären die geschaffenen wertvollen Gebiete schnell erneut verloren.

Ausgeklügeltes System

Als vor neun Jahren die Arbeiten am Großprojekt beendet waren, sei das Leben auf den 100 Hektar, die die Staatsforsten dafür bereitgestellt hatten, geradezu explodiert. Kranich, Schwarzstorch, Teichralle, Baumfalke, Waldwasserläufer, Fisch- und Seeadler entdeckten das Gebiet als idealen Platz, um hier ihren Nachwuchs großzuziehen. Das Kreuzottervorkommen, eines der bedeutendsten in Bayern, entwickelte sich positiv, seltene Libellenarten, wie die Große, die Kleine und die Nordische Moosjungfer, bildeten schnell große Populationen aus. "Und hier gibt es sage und schreibe 16 Fledermausarten", weiß Pröls.

Seit etwa drei Jahren stagniere diese tolle Entwicklung und verkehre sich teilweise sogar ins Gegenteil. Für den Revierleiter das Signal zum Handeln. "Weil sich viele Flächen, bis auf einige wenige Auenlandschaften entlang der Bäche und der Waldnaab, wieder zu Wald entwickeln, müssen wir im Prinzip dort gegen die Natur arbeiten." Denn, dass sich selbst überlassene Areale wieder zu Wald würden, sei natürlich. "Wir wollen hier die ursprüngliche Teichkultur-Landschaft haben, um die große Biodiversität zu erhalten. Seine Vermutungen sicherte der Förster durch ein professionelles Monitoring durch die Bayreuther Firma "Opus" ab, was seine Befürchtungen bestätigte.

Leben explodiert

Auf vier Jahre verteilt

Mit rund 120 000 Euro in vier Jahren sind die geplanten Maßnahmen veranschlagt, inklusive der Antragstellung, die bereits im Vorjahr vonstatten ging. Pröls schlägt vor, die Lebensräume der Leitarten durch geeignete Biotopgestaltungen zu verbessern.

Unter anderem solle im direkten Umfeld von dauerhaften Wasserflächen die Bestockung zurückgenommen werden. Durch Erzeugung lichter Wälder, die aus Birke oder Kiefer oder auch Aspe und Roterle bestehen, sollen sich artenreiche Waldgesellschaften entwickeln. Kulturen, die viel Licht durchlassen, stellt er sich dabei vor.

Moorbagger im Einsatz

Davon profitierten zum Beispiel Pflanzen, wie die Schneeheide, das Isländische Moos und die Rentierflechte, die wiederum das Insektenleben beflügelten. Es seien weitere Anstauprojekte zur Hebung des Wasserspiegels angedacht. Manche verlandeten Teichstandorte müssten mit Hilfe eines Moorbaggers sogar ausgebaggert werden. Die Arbeiten am sogenannten Otterteich beginnen noch in diesem Jahr.

https://www.onetz.de/tirschenreuth/politik/managementplan-fuer-natura-2000-momentaufnahme-der-natur-d1765444.html

In der Waldnaabaue ist eine der letzten einigermaßen stabilen Kreuzotternpopulation vorhanden.
Waldwasserläufer suchen im Schlick der nur wenige Zentimeter tiefen alten Teiche nach Nahrung.
Waldwasserläufer suchen im Schlick der nur wenige Zentimeter tiefen alten Teiche nach Nahrung.
BU
Männchen der Kleinen Moosjungfer.
Kraniche brüten heute erfolgreich in der Waldnaabaue.

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