16.06.2020 - 12:13 Uhr
MitterteichOberpfalz

Mitterteicher Freibad bleibt heuer zu

Soll das Freibad unter Auflagen geöffnet werden oder nicht? Mit dieser Frage befasste sich am Montag der Stadtrat. Nach einer längeren Beratung stimmte eine deutliche Mehrheit mit Nein.

Die Tore des Mitterteicher Freibads bleiben in diesem Jahr geschlossen.
von Udo Lanz Kontakt Profil

Das Egrensisbad in Waldsassen ist unter Auflagen geöffnet, das Freibad in Tirschenreuth bleibt in dieser Saison geschlossen. Um auch in Mitterteich eine Entscheidungsfindung zu ermöglichen, hatte die Stadt ein Hygiene- und Schutzkonzept von einem Fachbüro erstellen lassen.

Die Stadt Waldsassen hat das Egrensisbads unter strengen Hygiene- und Schutzauflagen geöffnet.

Waldsassen

Bürgermeister Stefan Grillmeier erläuterte, dass zahlreiche Auflagen erfüllt werden müssten - angefangen vom Einlass über die Umkleide- und Sanitärbereiche bis hin zu den Schwimmbecken und den Attraktionen. So wäre pro 10 Quadratmeter Wasserfläche nur eine Person zugelassen. Im 800 Quadratmeter großen Schwimmerbecken etwa dürften sich zur gleichen Zeit also nur 80 Leute aufhalten. Auf den Liegewiesen könnten sich aufgrund der Abstandsvorgaben nur insgesamt 450 Personen niederlassen, was damit auch die maximal zugelassene Besucherzahl im Freibad wäre. Würde die gesamte Anlage unter Auflagen geöffnet, wären 14 Mitarbeiter erforderlich. Entstehen würden unter Berücksichtigung deutlich geringerer Besucherzahlen als in den Vorjahren Mehrkosten von 180 000 bis 200 000 Euro.

Frühestens in vier Wochen

Mit Einschränkungen, also der Sperrung bestimmter Bereiche, wie es Wolfgang Karbstein (Wählergemeinschaft Zukunft Stadt Mitterteich) vorgeschlagen hatte, könnte man wohl auf ein Drittel dieser Mehrkosten runterkommen, so Grillmeier. "Das Wirtschaftliche ist das eine, aber ausschlaggebend ist der Schutz der Menschen. Die Gesundheit steht über allem." Mitterteich sei ein Hotspot der Coronakrise gewesen, "und so etwas will ich nicht mehr haben". Grillmeier ergänzte, dass er viele Gespräche geführt habe, auch mit den Bademeistern. Nicht zuletzt weil die Saison schon weit fortgeschritten sei und man frühestens in vier Wochen öffnen könnte, empfahl er, das Bad geschlossen zu halten.

"Jeder muss wissen, dass es nicht der Badespaß wäre wie in den letzten Jahren", meinte CSU-Sprecher Josef Schwägerl zu einer Öffnung unter Auflagen. "Das Wichtigste sollte für uns der Schutz der Bürger sein." Und er wolle auch nicht, dass Mitterteich wieder für Negativschlagzeilen sorge. Die Mehrheit der CSU sei gegen eine Öffnung.

Heribert Hegen (Wählergemeinschaft Zukunft) informierte über zahlreiche Reaktionen auf den Aufruf zur Teilnahme an einer Umfrage und zum Einschicken von E-Mails. Das Echo sei durchaus geteilt ausgefallen. Er selbst habe aber nach anfänglicher Skepsis seine Meinung geändert und plädiere nun für eine Öffnung. "Wir dürfen nicht nur an uns Alte denken, sondern auch an die Kinder." Hegen ergänzte, dass wegen Kurzarbeit der Urlaub für viele Familien heuer ausfallen müsse. Weiter warnte er davor, dass die Leute einfach an Badeweiher ausweichen würden. "Und dort habe ich keine Aufsicht, kein Rotes Kreuz und keine Wasserwacht." An dieser Stelle richtete er auch ein Lob an die Wasserwacht für deren Arbeit.

Vor dem Freibad-Beschluss hat die Wählergemeinschaft Zukunft Stadt Mitterteich Meinungen gesammelt.

Mitterteich

Gerhard Greim (SPD) berichtete von Gesprächen mit Frühschwimmern und anderen treuen Badbesuchern. Sie hätten erklärt, dass sie unter diesen Umständen keine Besuche planten, egal ob in Waldsassen oder Mitterteich. Auch die Freien Wählern hätten bei Gesprächen mit jüngeren und älteren Bürgern derartige Reaktionen bekommen, wie Sprecher Bernhard Thoma erklärte: "Der einhellige Tenor war: ,Sperrt ja dieses Bad nicht auf!'" In den Becken ließe sich laut Thoma nur schwer kontrollieren, dass sich die Leute nicht zu nahe kommen.

Appell an Stadträte

Zweiter Bürgermeister Johann Brandl (SPD) appellierte an das "Gewissen und den gesunden Menschenverstand" der Stadträte: "Wir hatten sehr viel Leid in Mitterteich, so viele Tote. Es wäre beschämend, angesichts dieser Trauer das Freibad zu öffnen und unsere Leute nochmals einer Gefahr auszusetzen."

Wolfgang Karbstein zeigte Verständnis für alle Seiten: "Jeder hat Recht." Wirtschaftlich wäre die Öffnung sicher nicht, aber mit einem ordentlichen Konzept machbar. Dabei verwies er auf seine beruflichen Erfahrungen mit dem Thema Hygiene. Die Bürger in Mitterteich und der Region seien in Sachen Corona sensibilisiert, so Karbstein. "Ich habe das Vertrauen zu den Bürgern, wir können es riskieren."

Am Ende stimmte die Mehrheit gegen eine Öffnung. Mit Ja votierten Heribert Hegen, Wolfgang Karbstein und Reiner Artmann (alle WG Zukunft) sowie Holger Paschedag (CSU). Entschuldigt hatten sich für die Sitzung Achim Nemsow (CSU), Matthias Gradl (WG Zukunft), Karl-Heinz Gleißner, Manfred Sommer (beide SPD) und Ernst Bayer (FW).

Im Mitterteicher Freibad, wo es sonst zu dieser Jahreszeit meist rund geht, herrscht Stille - und das wird sich in diesem Jahr auch nicht mehr ändern.
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