16.01.2020 - 20:59 Uhr
MitterteichOberpfalz

Schott Mitterteich nah an China und Indien

Das zweitgrößte Werk der Schott AG in Deutschland steht in Mitterteich. Vorstandsvorsitzender Frank Heinricht blickt im Gespräch mit Oberpfalz-Medien auf die künftige Entwicklung des Standorts.

Schott-Vorstandsvorsitzender Frank Heinricht (rechts) erläutert Redakteur Martin Maier die künftigen Herausforderungen für den Standort Mitterteich.
von Martin Maier Kontakt Profil

"Mitterteich hat einen sehr hohen Stellenwert. Das Werk liegt uns am Herzen", erklärt Vorstandsvorsitzender Frank Heinricht am Donnerstag nach der Bilanzpressekonferenz in Mainz. In den vergangenen sieben Jahren hat der Spezialglas-Hersteller in den Oberpfälzer Standort rund 200 Millionen Euro investiert. Momentan arbeiten dort 1250 Personen. Mitterteich ist das Headquarter für Schott Tubing (Rohrglas) mit Auslandsstandorten in Brasilien, Indien und China.

Insgesamt plant die Schott AG für das aktuelle Geschäftsjahr Investitionen von 320 Millionen Euro. Interessant für Mitterteich ist der Neubau eines Werks für Pharmarohr-Produktion in China. Kosten: rund 60 Millionen Euro. Der Spatenstich für das Werk mit zwei Schmelzwannen in Jinyun County (Provinz Zhejiang) erfolgte schon im September 2019. Zudem erweitert Schott das Werk im indischen Jambusar um eine weitere Wanne, um die Produktionskapazität für Pharmaglasrohre auszubauen. Die Kosten, für die dann vierte Wanne an diesem Standort, liegen bei etwa 30 Millionen Euro. "Beide Aktivitäten werden von Mitterteich aus getrieben und gesteuert", erläutert Heinricht. Dies bedeutet, dass unter anderem alle Maschinen im Stiftland gebaut werden.

Die Investitionen in den asiatischen Markt seien für einen Konzern wie Schott unabdingbar. "Wenn der chinesische Markt boomt, macht es letztendlich keinen Sinn, viel Tonnage von Deutschland dorthin zu verschiffen", nennt der Vorstandsvorsitzende ein Beispiel. In diesem Zusammenhang verweist er auch auf drohende Zollschranken.

Um die entsprechende Qualität der Produkte zu erreichen, müssten die Mitterteicher Mitarbeiter die chinesischen Kollegen anlernen. Allerdings betont Heinricht: "Wir werden nicht unser ganzen Know-how nach China transferieren. Es gibt einige Kernkomponenten, die wir weiterhin nur in Mitterteich fertigen und dann beistellen werden." Dies sei ein bisschen wie das Coca-Cola-Prinzip. "Da wird auch nur das Extrakt verkauft."

Artikel zur Bilanzpressekonferenz der Schott AG

Mitterteich

In Mitterteich sei mittlerweile ein Punkt erreicht, "an dem alles voll ist", spricht er den beschränkten Platz auf dem Werksgelände in der Stadt an. "Dort ist alles ausgebaut." Allerdings werde natürlich weiterhin viel Geld dorthin fließen. Unter anderem nennt der CEO die Modernisierungen der Schmelzwannen sowie die Erneuerung der Filteranlagen und des Gemengehauses. Zudem ist im interkommunalen Gewerbegebiet in Wiesau der Bau einer 40 000 Quadratmeter großen Logistikhalle geplant.

Pläne für die Logistikhalle in Wiesau

Wiesau

Das Werk in Mitterteich stehe auch für Innovation. Heinricht nennt beispielsweise "Perfexion", ein Rohr, das aufgrund der weiteren Digitalisierung sehr präzise hergestellt werden kann. "Das kommt bei den Kunden sehr gut an, weil es viel besser wiederkehrende Prozesse ermöglicht." Allerdings verhehlt der Konzernchef auch nicht, dass es immer schwieriger werde, für den Oberpfälzer Standort Mitarbeiter für Produktion und Forschung zu finden. "Da müssen sich die Kollegen einiges einfallen lassen. Das ist wirklich ein Thema." Das betreffe das Werk im Stiftland fast noch mehr als den Hauptstandort in Mainz.

Eine immer größere Rolle soll in der Rohrproduktion auch die Künstliche Intelligenz (KI) einnehmen. Momentan werde noch sehr viel vom Schmelzer und Meister manuell erledigt. "Da wollen wir perspektivisch noch viel stärker in unterstützende Systeme gehen", blickt der Konzernchef voraus.

Als weitere Herausforderung sieht Heinricht die Energieversorgung. Momentan setze der Konzern noch viel auf Gas. Zukünftig müsse man Möglichkeiten finden, um mehr auf Elektro umzustellen, um dann grünen Strom einzuspeisen. Zudem würden Wasserstoff oder andere Quellen in den Mittelpunkt rücken. "Es geht um die Frage: Wie kann ich das Erdgas perspektivisch ersetzen?" Dazu werde Schott sehr viel Forschungsarbeit leisten. "Das ist uns ein Anliegen. Wir wollen die Emissionen herunterbekommen."

Schott präsentiert auf der Bilanzpressekonferenz die weltweit erste silikonfreie Glasspritze für Biopharmaka. Das Glasrohr als Grundprodukt für die Spritze stammt aus Mitterteich.
Hintergrund:

Silikonfreie Glasspritze

In Zusammenarbeit mit "Gore" (Stichwort: Gore-Tex) hat Schott die weltweit erste silikonfreie Glasspritze entwickelt. Laut Vorstandsvorsitzenden Frank Heinricht ist dies eine "kleine Revolution in der Pharmaindustrie". Das Glasrohr als Grundprodukt für die Spritze stammt aus Mitterteich. "Silikon sorgt bei konventionellen Spritzen für ein leichteres Gleiten des Kolbens, reagiert aber möglicherweise mit dem Medikament", beschreibt der Konzern sein neues Produkt, dessen Markteinführung in drei bis vier Jahren erfolgen könnte. Die silikonfreie Spritze komme dank akkurater Geometrie und speziellen Stopfen von "Gore" ohne Gleitmittel aus. Sie eigne sich besonders für Biologika, die hochempfindlich auf Silikon reagieren. (rti)

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