02.02.2020 - 13:27 Uhr
MoosbachOberpfalz

Babyboom und Pflasterzoll

Nach dem 1. Weltkrieg ging es wieder aufwärts

Hier begann in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts der Moosbacher Bauboom mit dem früheren Baugeschäft Hierold in der „Ziegeltrath“ an der Saubersriether Straße. Auf dem Bild, daas zirka 1955 entstand, )ist auch noch der frühere Ziegelweiher zu sehen.
von Peter GarreissProfil

Die Geburtenzahlen sprangen in die Höhe. In Moosbach wurden 43, in Tröbes 25, in Heumaden 11 und in Etzgersrieth 14, also insgesamt 94 Neugeborene registriert. Zum Vergleich: 2019 waren es nur 19.

Die Standesbeamten hatten 1920 nur 23 Eheschließungen (2019 waren es 15) und auch 57 Sterbefälle zu beurkunden. 2019 waren es 12 Verstorbene. Nicht mitgezählt sind die Toten in Krankenhäusern.

Die Gemeinden wurden 1920 durch diese schwere Zeit von den Bürgermeistern Karl Roßmann (Moosbach), Wolfgang Mayer (Burgtreswitz), Ach (Etzgersrieth), Franz-Josef Lehner, (Gröbenstädt), Adam Zielbauer (Heumaden) und Hofmeister (Tröbes) geführt. Gemeinderäte in Moosbach waren in diesem Jahr Karl Roßmann, Franz Schweigl, Schön, Busch, Klug, Prem, Lorenz, Johann Hanauer, Sauer, Wiedl, Bernhard, Johann Schweigl, Franz Steinberger und Ambros Ziegler. In der ersten Sitzung des Jahrs 1920 legte der Gemeinderat die Gehälter der Bediensteten fest. Das jährliche Gehalt des Moosbacher Bürgermeisters betrug danach gerade mal 500 Mark.

Magere Gehälter

Der Polizeidiener bekam 300 Mark/Jahr und der Flurwächter Michael Hochreiter ebenfalls 300 Mark. Pfarrer in Moosbach war Josef Staab und in Etzgersrieth Lorenz Lippert. Die Lehrerschaft in der Schule Moosbach setzte sich 1920 zusammen aus Michael Friedrich (Schulleiter), Eduard Forster, Johanna Mayer und Philipp Zölch. Letzterer wurde in Moosbach sogar zum Ehrenbürger ernannt, aber später wegen ungebührlichen Verhaltens versetzt.

Der vor dem 1. Weltkrieg blühende Ort mit dem größten Viehmarkt weit und breit und einem Viehauftrieb von oftmals 1500 Stück verlor immer mehr an Anziehungskraft. Trotzdem musste der Gemeinderat die Gebühren für die Benützung der Gemeindewaage ab 1. Januar je Stück Vieh auf drei Mark für Einheimische und auf fünf Mark für Auswärtige erhöhen.

Der Wiegemeister erhielt als Lohn die Hälfte der Gebühren. Am 18. Januar 1920 wurde der Betrieb des Brotladens im Rathaus öffentlich versteigert. Auswärtige durften daran nicht teilnehmen. Im März 1920 lehnte der Gemeinderat von Moosbach den Beitritt zur Prüfungsstelle für die öffentlichen Kassen ab. Später musste der Gemeinderat diesen Beschluss wieder aufheben und Pflichtmitglied werden.

Steuer auf "Tanzunsitten"

Moosbach galt damals schon als Faschingshochburg. Der Gemeinderat war deshalb gezwungen, zur Verbesserung der Finanzen am 25. März 1920 eine Lustbarkeitssteuer für die Veranstaltung öffentlicher "Tanzunsitten" einzuführen. Pro Vergnügung wurden 10 Mark zugunsten der Armenkasse erhoben.

Probleme bekamen die Gemeindeväter bei der Erhebung des Pflasterzolls im Jahr 1920. Die Genehmigung der Obrigkeit für diese seit 1587 erhobene Steuer lief am 1. Juli 1919 aus, und niemand bemerkte dies. Erst die Beschwerde eines "Pflasterbenutzers", der durch Moosbach fuhr, machte die Aufsichtsbehörden stutzig.

Moosbach konnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf den Pflasterzoll verzichten, denn es stand noch mit 700 Mark bei der Raiffeisenbank in der Kreide. Schnell wurde die Genehmigung beantragt und gleichzeitig der Pflasterzoll an die Inflation angepasst. Nun verlangte man für ein Pferd 5 Mark, ein Rind 3 Mark, ein Kalb oder Schwein 2 Mark und für ein Auto 20 Mark.

1934 wurde der Pflasterzoll abgeschafft, denn die Hauptstraße in Moosbach wurde vom Staat übernommen. Am 1. August wurde einem Antrag der Bewohner von Burgschleif auf Umpfarrung der Einöde nach Moosbach stattgegeben. Bis dahin gehörte die Burgschleif zur Pfarrei Böhmischbruck. Nach Moosbach in die Kirche zu kommen war für die Dörfler kürzer und leichter.

Marodes Schulhaus

Arg sah es in diesem Jahr in der Volksschule Moosbach aus. Das Dach war undicht und die Aborte für die Schulkinder untragbar geworden. Der Gemeinderat musste wohl oder übel die notwendigen Gelder bereitstellen. In der Sitzung am 21. September 1920 wurde ein Bauausschuss gebildet, der die gemeindlichen Einrichtungen besser kontrolliert. Es waren der Schlosser Franz Steinberger, der Maler Michael Busch und der Ökonom Johann Schweigl.

Wohnhäuser auf Ziegelei-Grund

Die Einwohnerwehr Moosbachs wurde in der Sitzung mit einem Zuschuss von 100 Mark bedacht. 1920 war auch der Startschuss für den Beginn mehrerer Wohnhausbauten im Gebiet "Ziegeltrath". Wo sich früher eine große Ziegelei mit Ziegelweiher befand, wurden jetzt und immer noch Wohnhäuser gebaut.

Auch heute herrscht in diesem südlichen Gemeindeteil von Moosbach rege Bautätigkeit. Dem Maurer Michael Hierold wurde als Startschuss in der Sitzung am 26. November 1920 ein 330 Quadratmeter großer Bauplatz für 300 Mark zugesprochen. Das entsprach einem Quadratmeterpreis von einer damaligen Mark.

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