19.08.2021 - 10:51 Uhr
Muschenried bei WinklarnOberpfalz

Marion Eibl aus Muschenried setzt auf Wandern mit Pepp

Wo Moos und Nadelbäum vergebens locken, hilft Schneewittchen. Manchmal reicht auch schon die Aussicht auf eine Überraschung. Marion Eibl aus Muschenried hat die Zutaten für Fußmärsche mit besonderem Spaßfaktor.

Marion Eibl hat einen großen Vorrat an Ideen, wie man Wanderungen so spannend gestalten kann, dass auch die Kleinsten auf den Buggy verzichten.
von Monika Bugl Kontakt Profil

800 Kilometer Fußmarsch liegen heuer schon hinter Marion Eibl, als sie für Oberpfalz-Medien ihre Schatzkiste auspackt. Der Inhalt: Gummibärchen, Schokolade, Lebkuchenherzen, Medaillen und eine Menge bunter Bilder. Das sieht nach Vorbereitungen für einen Kindergeburtstag aus, doch was die 32-Jährige damit anstellt, begeistert auch Erwachsene. "Wandern mit Event", also mit "Ereignis", hat sie im Visier. Das Feedback nach den ersten Touren ist gut.

Angefangen hat alles ganz unverhofft mit einer kleinen Zusatzaufgabe von Marion Eibls Arbeitgeber. Für den Discounter in Oberviechtach sollte sie sich um gesunde Aktivitäten für die Mitarbeiter kümmern. Für die sportbegeisterte junge Frau lag da nichts näher als das Wandern. Doch wie steckt man damit andere an? Mit einem Motto, Deko oder einem Brotzeit-Service? Die gelernte Kinderpflegerin musste nicht lang in ihrer Ideenkiste kramen, um all das zu finden, was Spaß macht.

Eine Oktoberfest-Wanderung lässt sich schließlich auch ohne Biertisch und Zelt organisieren, da zaubert fernab von der Theresienwiese schon eine blau-weiße Girlande ein Lächeln auf die Gesichter der Teilnehmer. Eine Faschingswanderung bietet sich an, wenn Umzüge in der Corona-Pandemie ausfallen müssen, und beim Kindergeburtstag sorgt die Schnitzeljagd für ein Programm. Auch für den Junggesellen-Abschied sei so ein Fußmarsch durch die Natur mit dem gewissen Extra ideal, meint die gelernte Kinderpflegerin.

Die Idee zu diesen peppigeren Formen des Wanderns hatte Marion Eibl schon, bevor die Infektionsgefahr Feste und Feiern auf Eis legte. "Anfangs war ich mir allerdings noch unsicher, was den Grad an Sportlichkeit bei den ´Teilnehmern betrifft", gesteht die junge Frau. Doch die erste Runde im Mai 2020, die mit Schnitzeljagd von Oberviechtach aus zum weltgrößten Bierkrug nach Lukahammer führte, kam gut an. Das lag auch an der Planung: "Ich gehe jeden Weg vorher genau ab", schildert die Veranstalterin ihre Vorarbeit in der Natur. Winklarn, Muschenried und das Kulzer Moos hat sie schon ausgekundschaftet.

Märchenfiguren übernehmen dann später die Rolle von Informanten, und so nähern sich die großen und kleinen Teilnehmer von Zwerg zu Zwerg oder mit Hilfe von Schneewittchen dem Höhepunkt der Tour, einer gut versteckten Schatztruhe. "Das klappt auch mit Erwachsenen", sagt die Führerin. "Die raten auch gerne mit oder spornen an, genau hinzuschauen." Alternativ gibt es speziell für die "Großen" Angebote, bei denen mitten im Wald ein Bierchen, ein Schnapserl oder eine ganze Weinlaube auf die Teilnehmer wartet. Oder es tut sich plötzlich die Chance zum Dosenwerfen auf, und Schaumstoff-Pfeile fliegen durch die Luft.

Ohne diese Aktionen würde es oft nicht so gut funktionieren mit dem Wandern, so die Erfahrung der 32-Jährigen. "Meine vierjährige Nichte hätte sonst nach zwei Kilometern schon keinen Bock mehr aufs Marschieren", sagt die Tante. Erstaunt hat sie, dass sogar Zweijährige bei so viel Action keine fünf Minuten im Buggy verbringen wollen. Auch die älteren Teilnehmer sind hinterher immer froh, wenn sie den inneren Schweinehund überwunden und der Bewegung den Vorrang eingeräumt haben.

Unbekannte Heimat

"Es macht wirklich Spaß, wenn man andere motivieren kann", freut sich Eibl. Selbst das Denken funktioniert besser an der frischen Luft: "Das Wandern bringt mich auf Ideen, so etwas kommt nicht auf der Couch." "Viele Erwachsene sind auch überrascht, wenn sie feststellen, dass sie die Wege in ihrer direkten Umgebung gar nicht kennen", berichtet die Sportlerin, die sich selbst im Kreis der Kollegen den Titel "Motivator" verpasst hat.

Für "Wiederholungstäter" denkt sie sich einfach etwas Neues aus, und ihr selbst wird es ohnehin nie langweilig: "Ich bin ja immer wieder mit anderen Leuten unterwegs." Was die Strecken betrifft, so baut sie auf ganze normale Wege, "aber eben mit mehr Pepp". Sechs bis zehn Kilometer lang waren die Etappen, die sie bislang einem Publikum zugemutet hat.

Kleine Verluste

Frühmorgens werden vor der Wanderung die Utensilien am Weg verteilt. Per Foto wird dokumentiert, wo die Hinweise, Schlüssel oder Schätze versteckt sind, damit so manches Rätsel auch 100-prozentig aufgeht. Bei der Tour wird alles wieder aufgesammelt, ganz zuletzt die schwere Schatztruhe, die schon aus rein praktischen Gründen in der Nähe des Ziels liegt. Größere Verluste gab es abgesehen von einem Luftballon bei den Wanderungen mit Spaßfaktor bislang nicht, und am Ende sind auch alle Schnitzeljäger erfolgreich zurückgekehrt. "Mir fehlt eigentlich nur ein Gockel", sagt Marion Eibl und deutet auf die Sammlung bunter Bilder von Märchenfiguren unter schützender Plastikfolie. Vielleicht taucht das Mitglied der "Bremer Stadtmusikanten" ja irgendwann bei einer zukünftigen Schnitzeljagd wieder auf - wenn es nicht im Kulzer Moos versunken ist.

Noch mehr Wanderungen mit Überraschungs-Faktor

Schönsee
Hintergrund:

Wanderungen mit Event-Charakter

  • Schnitzeljagd: für Kinder und Erwachsene, beispielsweise mit Märchen-Motto.
  • "Festl-Wanderung": für Erwachsene mit diversen Schmankerl.
  • Junggesellen-Abschied: Wandern mit individuell geplanten Stationen.
  • Kontakt: über E-Mail marioneibl[at]gmx[dot]de oder Telefon 0160/5651339.

"Das Wandern bringt mich auf Ideen, so etwas kommt nicht auf der Couch."

Marion Eibl

Marion Eibl

 

 

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