29.07.2021 - 16:30 Uhr
NabburgOberpfalz

Büffeln in den Ferien: Sommerschule im Landkreis Schwandorf sehr variabel

Schulbank statt Freibad, Mathe statt Mallorca: Eine Sommerschule soll aufholen helfen, was in der Corona-Pandemie versäumt wurde. Herausgekommen sind bei den Schulen im Landkreis Schwandorf recht verschiedene Modelle.

Freiwillige Nachhilfe in den Sommerferien? An den Schulen im Landkreis gibt es dazu recht unterschiedliche Modelle.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Das bayerische Kultusministerium hat alle Schulen aufgefordert, Ferienkurse anzubieten. Sie sollen Kindern und Jugendlichen dabei helfen, Lernrückstände aufzuholen und ihre Sozialkompetenz zu fördern. Herausgekommen sind sehr verschiedene Angebote, die sich kaum vergleichen lassen.

Am Andreas-Schmeller-Gymnasium in Nabburg geht es gleich nach den Ferien los mit Intensivkursen für die neunte und zehnte Jahrgangsstufe. Deutsch, Englisch und Mathe werden dann von Lehramtsstudierenden unterrichtet, für den Job konnte man fast ausnahmslose ehemalige Schüler des Gymnasiums gewinnen. Die Begeisterung für das Angebot hält sich aber in Grenzen, etwa 20 Schüler nutzen die Termine zum freiwilligen Büffeln in den normalerweise stillgelegten Klassenzimmern. "Wir haben hier keinen Riesen-Run", sagt Schulleiter Christian Schwab. Er stellt sich außerdem die Frage, ob das Interesse auch ohne Corona dagewesen wäre. Bevor es im September mit dem regulären Pauken wieder los geht, gibt es noch den Ferienunterricht: Hier können gute Schüler dafür sorgen, dass die Klassen fünf bis acht noch ein wenig Lehrstoff nachholen. Und zum zweiten Mal dürfen daran auch die Viertklässler teilnehmen, die sich auf diesem Weg gleich einen guten Start am Gymnasium sichern wollen. Die Nachfrage nach diesem Angebot von 6. bis 10. September ist aber laut Schwab nicht unbedingt stärker als in den Vorjahren.

Nachhilfe von Abiturienten

Erst "Bei uns kommen jetzt erst einmal die Handwerker", berichtet Ludwig Pfeiffer, Direktor des Ortenburg-Gymnasiums mit Blick auf aktuelle Umbaupläne. In Oberviechtach konzentriert sich die Sommerschule deshalb auf die letzte Ferienwoche. Und ganz neu ist dieses Fördermodell heuer auch nicht. "Wir haben grundsätzlich auch früher schon für die zehnte Klasse Mathe anboten, weil das ja auch Abi-Fach ist", erklärt Pfeiffer, im Vorjahr hätten das 80 Prozent der Schüler genutzt, heuer nur 50 Prozent. Bei den fünften bis neunten Klassen hat die Schule gezielt diejenigen angeschrieben, bei denen die Klassenkonferenz eine zusätzliche Förderung für sinnvoll hielt. Insgesamt "weit über 100" Gymnasiasten wollten laut Pfeiffer für bessere Noten heuer schon eine Woche früher die Schulbank drücken. "Heißt das nun, dass wir eine gute oder eine schlechte Schule sind?", fragt Pfeiffer, der von einer Regensburger Schule gehört hat, dass es bei 150 angeschriebenen Schülern nur 7 Rückmeldungen gab. Den Unterricht in der Sommerschule in Oberviechtach übernehmen Abiturienten, Fachbetreuer liefern das Programm. "Es wird sich rausstellen ob das klappt", so der Schulleiter.

Bei der Naabtal-Realschule sind alle Weichen gestellt. "Aber sowas von", sagt Schulleiterin Hannelore Reil-Heining am Donnerstag zum Thema Sommerschule. "Morgen geht es los." Allein 100 Arbeitsstunden des Schulleitungs-Teams stecken hinter dem Programm mit zwei Säulen: Wissen auf der einen Seite, Freude und Sozialkompetenz auf der anderen. Schüler geben Nachhilfe, Studierende unterrichten in Gruppen, und zwar in Englisch, Französisch, Mathe und Betriebswirtschaftslehre/Rechnungswesen. Vor allem in der ersten Ferienwoche gibt es Angebote wie Kräuterkunde, Fahrrad-Reparatur, Wachs-Workshop, Tennis oder Finger-Food. "Die Kinder brauchen jetzt erst einmal Ferien", meint Reil-Heining, die das Lernen deshalb eher aufs Ferienende verlagert hat und aus Gründen des Datenschutzes keine Teilnehmerzahl nennen will. Überhaupt hätten sich alle aussuchen können, welches Element sie im angebotenen Stundenplan buchen wollten, jeder habe ausreichend Feedback bekommen, um eine Entscheidung zu treffen.

"Wenn man bedenkt, dass in den Ferien keine Busse fahren, dann kann vielleicht auch nicht jeder Alleinerziehende seinem Kind die Teilnahme ermöglichen", gibt die Schulleiterin zu bedenken und fügt hinzu: "Ganz ehrlich: Ich wehre mich entschieden dagegen, dass in diesem Corona-Jahr so viel verloren gegangen ist."

"Wenn wir wirklich etwas erreichen wollen, dann brauchen wir langfristige Angebote", sagt ihre Neunburger Kollegin Diana Schmidberger, und das erfordere eine entsprechende finanzielle Ausstattung. Die Rektorin der Gregor-von-Scherr-Realschule berichtet von 50 Schülern, die ab dem ersten Ferientag von 8 bis 12.15 Uhr noch dreimal Deutsch, Englisch und Mathe üben wollen. Pünktlich zum Ferienende wartet dann noch die Chance, "Technik für Kinder" oder ein Spezialtraining in EDV zu absolvieren. Den Unterricht bestreiten externe Kräfte, "von der Fremdsprachen-Assistentin bis hin zur promovierten Schüler-Mutter". Nach diesem harten Jahr hätten alle ein Recht darauf, sich zu erholen, räumt sie ein.

Im Endspurt aufgeholt

Siegfried Seeliger, Schulleiter an der Grund und Mittelschule Schwarzenfeld, war deshalb klar, dass man zum Ende des Schuljahres richtig Gas geben wollte, um die Ferien möglichst frei zu halten. "Wir haben mit Masse das aufgeholt, was ich den Kindern in den Ferien nicht antun wollte", erklärt er und verweist auf Brücken- und Teamkräfte, den durchaus anstrengenden Distanzunterricht und der Übernahme von Fördereinheiten schon in der Vorschule der Kindergärten. Trotzdem gibt es für die erste bis vierte Klasse eine Sommerschule, und zwar in Gruppen mit jeweils zwei Jahrgängen. Zwei Lehrkräfte und eine Schulsozialpädagogin übernehmen den Unterricht in der ersten und letzten Ferienwoche, 15 Schüler sind dabei.

Die Basis für die Sommerschule an Grund- und Mittelschulen lieferte laut Johann Hilburger, Leiter des Schulamtes, eine genaue Lernstands-Analyse. "Wenn ich gezielt fördern will, muss ich genauer hinschauen", begründet er den Schritt, bei dem man sich nicht nur auf Noten verlassen wollte. Einen "erheblich niedrigeren Leistungsstand" als in den Vorjahren habe man nicht ausgemacht. Wo im Einzelnen Förderbedarf war, habe man Eltern und Schüler gezielt informiert. Diese hätten das Angebot auch überwiegend angenommen. Ob es für die Sommerschule 2022 eine Neuauflage gibt, hängt für den Schulamtsleiter davon ab, wie effektiv sie war.

Schließlich ist Ferienzeit auch Erholungszeit. "Irgendwann muss es auch mal gut sein", ist sich Schulleiter Seeliger mit vielen Kollegen im Landkreis einig. "Die Schüler brauchen Freiraum und Luft fürs nächste Jahr", fordert Pfeiffer vom Oberviechtacher Gymnasium. Ein Präsenzunterricht sei dann wichtiger als die Sommerschule.

Lerndefizite durch Corona auch Thema im Jugendhilfeausschuss

Schwandorf
Hintergrund:

Sommerschule: Ein Baustein zum Aufholen

  • Zeitraum: in der Regel in der ersten und letzten Sommerferienwoche.
  • Angebot: Die Sommerschule ist ein Baustein im Förderprogramm "gemeinsam.Brücken.bauen" des Kultusministeriums. Durch die Pandemie musste viel Präsenzunterricht entfallen; individuelle Förderung und soziales Lernen sollen ausgleichen und Bildungschancen sichern.
  • Inhalt: Laut Kultusministerium geht es um "nachhaltige Akzente in den schulischen Kernbereichen". Je nach Schulart auch Projekte und Angebote zur beruflichen Orientierung, zur Stärkung des Lernverhaltens, der Persönlichkeitsbildung und des sozialen Lernens. Es gibt bewusst viel Spielraum, den die Schulen kreativ, pädagogisch attraktiv und bedarfsgerecht ausgestalten können.
  • Form: unterschiedlich; Stundenplan, Intensivtage oder Blickveranstaltungen; Personal soll extern gewonnen werden; Teilnahme freiwillig und mit besonderem Blick auf den Förderbedarf.
  • Ziel: Vorbereitung auf einen erfolgreichen Start ins neue Schuljahr.

 

 

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