21.11.2021 - 12:18 Uhr
NabburgOberpfalz

Corona-Welle bringt Stornierungsflut: Wirte im Kreis Schwandorf vor neuen Problemen

Für die Lockdown-gebeutelte Gastronomie ist die vierte Corona-Welle wie eine biblische Plage. Hoffnungen, mit Weihnachtsfeiern den Umsatz zu heben, zerplatzen gerade auch für die Wirte im Landkreis Schwandorf.

Gemeinsame Weihnachtsfeier im geschmückten Saal: Darauf verzichten viele Firmen und Vereine in diesem Jahr. Bei den Gastronomen im Landkreis hagelt es derzeit Stornierungen.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

"Gibt's eine Steigerung von ,katastrophal‘?" Aus der Stimme von Markus Neudert, der mit seiner Frau das Restaurant am Miesberg in Schwarzenfeld führt, klingt Resignation. Wie viele Gastronomen hat er darauf gehofft, dass die Vorweihnachtszeit etwas Umsatz in die Kasse spült. Firmenweihnachtsfeiern etwa sind normalerweise ein gut kalkulierbares Geschäft. Aber "normal" ist in Zeiten der Corona-Pandemie kaum noch etwas. Stornierungen prasseln geradezu auf die Wirte ein. "Heute Vormittag erst hat mir eine Firma eine Veranstaltung für abends abgesagt", berichtet Neudert am Donnerstag. Mit der Begründung, die Pandemie sei ja "höhere Gewalt". Ob die Begründung zieht, darüber mögen sich Juristen streiten. Fakt für Neudert ist: "Ich habe die Ware schon eingekauft. Das Personal ist eingeteilt." Und jetzt? "Ich bin mittlerweile sprachlos", so Neudert, "das macht keinen Spaß mehr."

"Beängstigende Zahlen"

"Größere Firmen sagen reihenweise ab", weiß auch Markus Greiner. Der Chef des Panoramahotels in Gütenland (Stadt Neunburg) ist auch stellvertretender Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands. Bei einer Sitzung vor einigen Tagen hätten die Kollegen den Trend bestätigt. Greiners Vermutung: Durch die 2-G-Regel würden Mitarbeiter von den Feiern ausgeschlossen, die nicht vollständig geimpft oder genesen sind. Auch bei Vereinen herrsche große Zurückhaltung.

"Viele Menschen haben Angst", so Greiner, da wollen die Vereine mit Einladungen ihre pflichtbewussten Mitglieder nicht in Gewissensnöte bringen. "Es sind ja auch beängstigende Zahlen, die die Kliniken melden", zeigt der Gastronom Verständnis. Auch an den Weihnachtstagen selbst erwartet er weniger "normales" Geschäft mit Familien. Für die Wirte ergebe sich eine Art "Shut Down", auch ohne staatlich angeordnete Schließung. Greiner befürchtet: "Es ist noch nicht das Ende vom Lied, was hier grade passiert."

"Manche Vereine haben ihre Feier in den Januar verschoben, einige sagen ab", erklärt der Chef vom "Kräuterbeck" in Nabburg, Stefan Bergmann. In den vergangenen Tagen hätten gerade auch Firmen ihre Weihnachtsfeier storniert. Auch er geht davon aus, dass das mit so manchem "Ungeimpften" in der Belegschaft zusammenhängen könnte. Mit Blick auch sein Reservierungsbuch sagt er: "Das Feld lichtet sich, er werden laufend mehr Absagen."

Egal ob Firmen, Vereine oder private Feiern: "Es trifft uns überall", bestätigt auch Josef Paulus in Pfreimd, der neben dem Gasthof "Weißes Rößl" – das von den Einheimischen nur "der Dofferl" genannt wird – die Familienmetzgerei samt Partyservice führt. "Die Absagen kommen da und da, ausnahmslos", auch was die Nachfrage nach Fremdenzimmern betrifft.

"Noch nie erlebt"

Herbert Reger, der Inhaber des Landgasthof "Zur Taverne" in Lind (Stadt Oberviechtach) hat zwar aktuell noch keine Absage erhalten. "Die werden vielleicht noch kommen", meint er. Manche Verbände und Vereine, die an Weihnachten zu seinen Stammgästen gehören, ließen den Wirt aber schon vorher wissen, dass sie keine Weihnachtsfeier planen. "Der VdK und die Tafel haben mir schon gesagt, dass sie ganz verzichten." In normalen Jahren, so Reger, habe er zehn bis zwölf Weihnachtsfeiern in der Gaststätte. Dieses Jahr sind es nur vier. "Die haben vor Wochen zugesagt, vor der "2-G-Regel". Manche Vereine, die bei ihm feiern, hätten auch viele junge Mitglieder. "Die sind vielleicht noch nicht so lange geimpft, dass es bei 2G gilt", sagt Reger.

"Betriebswirtschaftlich ist das eine Katastrophe", sagt Heidemarie Burkhard, Inhaberin des Hotel und Landgasthofs Burkhard in Wernberg-Köblitz. Selbst die bestmöglichst umgesetzten Hygiene-Regeln bewahren derzeit nicht vor Absagen. "95 Prozent der Firmen haben storniert", sagt Burkhard. "Ich bin seit 40 Jahren im Beruf, seit 30 Jahren hier", betont die Gastronomin, "so etwas habe ich noch nicht erlebt." Familienbetriebe wie der ihre könnten die Phase noch überstehen. "Aber wie viele stehen das durch?", fragt sie sich mit Blick auf die Branche. Das Wirtshaussterben habe schon vor Corona begonnen. "Jetzt wird es noch schlimmer."

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"Größere Firmen sagen reihenweise ab."

Markus Greiner, stellvertretender Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes.

Markus Greiner, stellvertretender Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes.

"Gibt es eine Steigerung von katastrophal?"

Markus Neudert, Wirt im Restaurant Miesberg Schwarzenfeld

Markus Neudert, Wirt im Restaurant Miesberg Schwarzenfeld

 

 

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