15.01.2021 - 16:30 Uhr
NabburgOberpfalz

Erlös für "Skandal-Haus" fast verdoppelt

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Der Verkauf einer Immobilie an eine damalige SPD-Stadträtin schlägt 2018 in Nabburg hohe Wellen. Die Kaufinteressentin zieht ihr Angebot schließlich zurück. Nun gibt es ein Happy-End: Der neue Käufer zahlt fast das Doppelte für das Haus.

Zunächst sollte diese Altstadt-Immobilie für nur 30000 Euro den Eigentümer wechseln. Nach Vorliegen eines Wertgutachtens wurde sie nun für 55000 Euro verkauft.
von Wilhelm Amann Kontakt Profil

Das Thema geriet wochen- und monatelang in die Diskussion, es war auch mehrfach Thema von Stadtratssitzungen. Es ging im Kern darum, dass eine Mehrheit des Gremiums beschlossen hatte, das sanierungsbedürftige Altstadt-Anwesen am Obertor 9 an eine Stadträtin zu verkaufen. Angenommen wurde deren Kaufangebot zum Preis von 30 000 Euro.

Dieser Preis sorgte danach für Aufregung. Denn er war nicht durch ein Wertgutachten gedeckt, sondern orientierte sich am Einstandspreis, zu dem die Kommune selber in den Besitz der Immobilie gekommen war. Kritiker, vor allem aus den Reihen der CSU, hielten der Käuferin deshalb Insiderwissen vor. Bei der SPD verteidigte man das Vorgehen und meinte, dass man froh sein dürfe, für ein solches Gebäude überhaupt einen sanierungswilligen Käufer gefunden zu haben. Die öffentlich geführten Debatten führten schließlich zu zwei Konsequenzen: Die Stadträtin trat von sich aus vom Kauf zurück, so dass er nicht rechtskräftig wurde, und die Kommune entschied sich, in Zukunft in solchen Fällen vor dem Verkauf ein Wertgutachten erstellen zu lassen, was auch das Landratsamt als zuständige Aufsichtsbehörde dringend empfohlen hatte.

Nabburger kauft das Haus

Der eingeschlagene neue Weg führte aus der Sicht der Stadt zum Erfolg. Skeptiker, die damals gemeint hatten, dass es im Falle eines höheren Preises nicht gelingen werde, den Leerstand zu beseitigen. sehen sich nun eines Besseren belehrt. Denn: Ein von der Stadt eingeholtes Gutachten sagt aus, dass die Immobilie tatsächlich mit einem Wert von 52 000 Euro einzustufen ist. Und: Nach der Ausschreibung auf der Homepage der Stadt Nabburg fand sich dafür ein Käufer. Der Eigentumswechsel wurde in den letzten Tagen des Jahres 2020 verbrieft.

Der neue Eigentümer, der Nabburger Firmeninhaber Johannes Hösele, ist gewiss alles andere als erfreut darüber, dass er nun im Vergleich zur Erstkäuferin beinahe das Doppelte zahlen musste. Aber er bleibt Realist: "Wenn ein Gutachter den Wert so festsetzt, dann ist er eben so", sagt er in einem Gespräch mit der Oberpfalz-Medien-Redaktion, in dem er berichtet, das von ihm selbst so genannte "Skandal-Haus" für 55 000 Euro - inklusive Gutachter-Kosten - gekauft zu haben. Hösele hat Gefallen an dem Haus an einer exponierten Stelle in der Altstadt gefunden und auch ganz konkrete Pläne: Er möchte es schön herrichten und sanieren, ohne am Grundriss groß was zu ändern. Es soll ein Domizil für sein Elektroplanungsbüro entstehen, mit dem er derzeit in Regensburg eingemietet ist. Zusätzlich bleibe auch noch Platz für ein kleines Apartment. Zeitlich verfolgt Hösele mit einem strengen Ablaufplan ein ehrgeiziges Ziel: Mit dem Umbauvorhaben möchte er schon im Sommer fertig sein. Wobei er freilich weiß, dass das auch davon abhängt, möglichst keine Probleme mit dem behördlichen Denkmalschutz zu bekommen. Er zeigt sich jedenfalls zuversichtlich, eine gute Lösung für den langjährigen Leerstand herbeiführen zu können.

Noch auf Standortsuche

"Für ein Planungsbüro ist das eine prädestinierte Lage in der Altstadt", freut er sich schon auf die Verwirklichung seines Vorhabens. Doch damit hat er dann erst die Hälfte seines Zieles in Nabburg erreicht. Denn Johannes Hösele befindet sich auf der Suche nach einem Grundstück für seine Elektroinstallationsfirma, die seit geraumer Zeit in einer angemieteten Halle an der Oskar-von-Miller-Straße untergebracht ist, was dauerhaft keine optimale Lösung darstelle. Seine Hoffnungen setzt er bei der Standortfindung auch in den neuen Bürgermeister und dessen Mitarbeiter im Rathaus. Dort sei deutlich das Bemühen um ein gutes Klima für Ansiedlungswillige zu spüren.

Bürgermeister Frank Zeitler (CSU) freut sich grundsätzlich darüber, dass "Nabburger in Nabburg bleiben oder nach Nabburg zurückkommen und hier investieren." Das seien rein unternehmerische Entscheidungen, die er als Kommunalpolitiker nicht veranlassen könne. Jedoch habe er es sich im Interesse der Stadt zur Aufgabe gemacht, den Weg dafür zu bereiten und dafür zu sorgen, dass solche Entscheidungen dann leicht fallen und gerne getroffen werden.

Artikel zur Vorgeschichte im Jahr 2018

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Hintergrund:

Kaufentscheidung und Rückzug

  • Am 28. Mai 2018 bot eine damalige Stadträtin aus der SPD-Fraktion der Stadt Nabburg an, das Anwesen (Gebäude und zwei zugehörige Garagen) am Obertor 9 zum Preis von 30 000 Euro zu kaufen.
  • Am 10. Juli 2018 beschloss der Stadtrat in nichtöffentlicher Sitzung, das Anwesen an die sanierungswillige Bieterin zu verkaufen.
  • Am 6. August 2018 wollte die CSU-Fraktion das Thema in einer öffentlichen Stadtratssitzung zur Sprache bringen, was jedoch nicht zugelassen wurde. Es folgten aus Protest die Rücktritte von zwei CSU-Stadträten, darunter der heutige Bürgermeister Frank Zeitler. Eine öffentliche Diskussion über den Hausverkauf begann, auch die Rechtsaufsicht am Landratsamt wurde eingeschaltet.
  • Am 5. September 2018 machte die SPD-Stadträtin öffentlich, dass sie schriftlich vom Kauf zurückgetreten ist.
Obertor 9: Diese Adresse in der Nabburger Altstadt war 2018 nach einer umstrittenen Stadtratsentscheidung in den Fokus gerückt.
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