24.04.2019 - 09:41 Uhr
NabburgOberpfalz

Hellloderndes Licht in dunkler Nacht

Wenn Günter Graf über seine Leidenschaft für Whisky spricht, wird er sogar poetisch. Vor 30 Jahren hat er das „Wasser des Lebens“ entdeckt und schwärmt für Destillate aus Japan.

Gut 150 Flaschen im Regal: Günter Graf aus Altendorf bei Nabburg empfiehlt Anfängern einen „Talisker“.
von mvsProfil

Was ist an Whisky so großartig, dass er zum Kult-Getränk avancierte? Die OWZ hat Günter Graf, Wirt eines Gasthauses in Altendorf und seit 30 Jahren Whisky-Kenner, um Antworten gebeten.

ONETZ: Woher kommt Ihre Leidenschaft für Whisky?

Günter Graf: Das „Wasser des Lebens“ ist geschmackstechnisch ein äußerst variables Getränk, hat eine immens lange Geschichte von über tausend Jahren mit eigenen Mythen und teils widersprüchlichen Quellen zur Entstehung. Das ist spannend. Außerdem haben viele noch heute existierende Destillen als Schwarzbrennereien angefangen. Dazu gibt es die passenden Storys, bis die britische Krone 1815 ein Gesetz erließ, das den legalen Vertrieb ermöglichte.

ONETZ: Was ist Whisky, technisch?

Günter Graf: Ein Destillat aus Gerstenmalz, Hefe und Wasser. Ein klarer Schnaps, der durch die Lagerung bernsteinfarben wird, dunkler oder heller. Für mich persönlich ist Whisky der Gipfel der Geschmacksmöglichkeiten.

ONETZ: Was ist Whisky, poetisch?

Günter Graf: (überlegt): Er bringt ein hellloderndes Licht in die dunkelste Nacht. Mehr fällt mir dazu jetzt nicht ein.

ONETZ: Na das war ja schon recht poetisch. Woher kommt Ihre Leidenschaft?

Günter Graf: Whisky begeistert mich seit gut 30 Jahren und wird in unserem Gasthaus „Sorgenfrei“ im Rahmen von Whisky-Tastings zelebriert. Empfehlungen zu geben und Geschmack weiter zu entwickeln sind mir wichtig, deshalb lege ich bei meinen Tastings auch auf einen kleinen Rahmen – um die 25 Personen – wert. Das ist angenehm von der Lautstärke her und man hat auch Zeit, Fragen zu beantworten.

ONETZ: Haben Sie schon mal überlegt, selbst zu destillieren?

Günter Graf: Ich müsste erst das Brennrecht beantragen. Aber ich finde auch, man sollte das den Könnern überlassen. Wenn jeder umananda brennt, wird’s mit der Qualität nicht unbedingt besser.

ONETZ: Welche Whiskys haben Sie?

Günter Graf: In meinen Regalen stehen gut 150 verschiedene Sorten. Viele schottische Whiskys, natürlich. Dann die japanischen, die sind mit ihrer absolut perfekten Ausbalancierung des Bouquets und den eingelagerten Aromen ein Highlight für Kenner. Der Vergleich mit schottischen Whiskys adelt sie schon: Japanische Whiskys sind nicht gut, sondern perfekt, das ist dann auch das Geld wert. Es gibt wenige rauchige, sie haben eine perfekte Harmonie zwischen Alkoholvolumen und Geschmacksvariationen. Die Iren: Bei den jungen irischen Destillerien tut sich viel, die erwachen aus ihrer Whisky-Lethargie. Aber Schottland ist und – denke ich – bleibt die Whisky-Destination schlechthin.

ONETZ: Whisky gehört zu Schottland wie das Bier zu Bayern. Waren Sie schon dort?

Günter Graf: Schon oft! Mehr als 50 Mal bestimmt, und dann hörst ja auch irgendwann auf zu zählen. Allein in Schottland gibt es gut 120 operierende Destillerien. Im Juli bin ich wieder in London, da kann es leicht sein, dass ich in Wales vorbeischaue. Zu Schottland: Ich war noch nie bei den echten Highland Games, zu viel Trubel, sondern reise im trüben November oder im Frühjahr, wenn in den Destillerien Zeit ist und Muße für gute Gespräche, und auch bei mir im Gasthaus noch nicht so viel los ist.

ONETZ: Und Japan?

Günter Graf: Dorthin möchte ich, zum ersten Mal, im August oder September. Als der „Yamazaki vintage 2013“ im Jahr 2014 als der Weltbeste ausgezeichnet wurde, hat das viele bewegt, die japanische Szene zu probieren.

ONETZ: Gibt es Whisky-Fehler?

Günter Graf: Als Laie sollte man nicht gleich den teuersten aussuchen, weil man den noch nicht einschätzen kann. Cola rein schütten oder ihn in den Kühlschrank stellen würde mir jetzt auch nicht einfallen. Aber wem’s schmeckt, der soll auch das machen.

Begriffsklärung:

Was ist...

… Single Malt?

Ein Whisky, der nur aus einer einzigen Brennerei stammt und aus reinem Gerstenmalz hergestellt wurde.

… Grain?

Ein Whisky, der aus kontinuierlich gebranntem Getreideschnaps hergestellt wurde.

... Blended Whisky?

Eine Mischung von verschiedenen Whiskys, entweder Single Malts oder die mit Grain gesteckt wird und mit destilliertem Wasser aus Trinkbarkeit gesenkt wird.

… Angel’s Share?

Der Anteil an Destillat, der über Diffusion durch die Fasswand entweicht. Da kann klimatisch bedingt je nach Luftdruck und Temperatur, bis zu ein Prozent pro Jahr entweichen. Auf den schottischen Orkney-Inseln ist das Wetter beispielsweise gleichbleibend lausig, in den Low Lands mit heißen Sommern und kalten Wintern diffundiert schon mehr.

… der Unterschied zwischen Whisky und Whiskey?

Whiskys aus Großbritannien und Japan schreiben sich nur mit „y“, ein „e“ im Whiskey zeigt an, dass er aus Irland oder Amerika stammen dürfte. Ausnahmen bestätigen die Regel. (mvs)

"Whisky stammt aus Großbritannien und Japan, Whiskey mit e aus Irland und Amerika", erklärt Günter Graf. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Lieblingssorten? "Wenn ich da anfange, haben wir schnell zwei Zeitungsseiten voll", wendet der Kenner ein, greift mit links zum Stift...
... und bringt dann noch ein paar ausgewählte in markanter Handschrift zu Papier. Als da wären: Bennrimes, Ardberg, Laphroaig, Kilchoman, Macallan, Highland Park, Karmizanra, Yamazaki
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