Die Beisetzung des im Alter von 89 Jahren verstorbenen Künstlers Paul Schinner hatte bereits eine Woche zuvor auf dem Friedhof in Perschen im engsten Familienkreis stattgefunden. Nun waren Freunde und auch viele Weggefährten aus der Kunstszene zum Requiem in die Nabburger Kirche gekommen, deren Altar und Ambo Paul Schinner gestaltet hat.
Stadtpfarrer Hannes Lorenz und Ruhestandspfarrer Thomas Senft (früher Premberg) zelebrierten den Gottesdienst, dem Schinners Töchter Camilla und Verena zusammen mit befreundeten Musikern eine besondere Note verliehen. Mit warmen Klängen und anrührenden Liedern gestaltete das Ensemble den Gottesdienst musikalisch.
"Soll die Nachwelt entscheiden"
Erinnerungen an die gemeinsamen Zeiten mit Paul Schinner wurden wach. Pfarrer Hannes Lorenz schilderte den Lebensweg des gebürtigen Windischeschenbachers. Als 16-Jähiger erlernte er den Beruf des Ziseleurs. Er begann auch zu zeichnen, entwickelte sein künstlerisches Talent. In Bamberg fasste er beruflich Fuß, 1962 heiratete er seine Frau Theresia. Schinner studierte in Berlin Bildhauerei. Vor 60 Jahren verliebte er sich dann in Nabburg und den Dechanthof, den er sanierte. Das Erdgeschoß wurde zum Atelier für den Bildhauer und Zeichner, der vorwiegend in Bronze und Stein arbeitete. Sein Können wurde vielfach mit Preisen und Stipendien gewürdigt. Schinner blieb bescheiden. "Ob ich ein großer Künstler bin, das soll einmal die Nachwelt entscheiden", meinte er rückblickend auf sein Schaffen. Doch Wertschätzung brachten ihm, dem herzlichen, offenen und geradlinigen Mann, seine Freunde und künstlerischen Weggefährten schon zu Lebzeiten entgegen.
Gastfreundschaft gelebt
Pfarrer Hannes Lorenz berichtete, dass Paul Schinner an einem disziplinierten Arbeitsablauf festhielt. Er sammelte mit Leidenschaft Kunst und Antiquitäten, "aber auch jeder handgeschmiedete Nagel war ihm wichtig". In den letzten Jahren nahm der Bildhauer dann keine öffentlichen Aufträge mehr an. Nach seinem 85. Geburtstag wurde Paul Schinner krank, konnte aber auf die Fürsorge und Pflege seiner Frau Theresia bauen, die für ihn da war. Paul Schinner habe gelernt, seine Situation zu akzeptieren, ohne zu jammern, fuhr Pfarrer Lorenz fort. Er habe Kraft aus dem Glauben geschöpft. "Zeichnen mochte er nicht mehr. Seine fleißigen Hände hatten genug geschaffen." Doch selbst in den letzten Tagen im Krankenhaus und Pflegeheim im Cham in Nähe seiner Frau und seiner Tochter Camilla "gab es trotzdem noch Momente, die er mit den ihm prägenden Kommentaren versah".
Dem Künstler war Gastfreundschaft stets wichtig, die Bewirtung seiner Gäste. So sollte es auch bei seinem Abschied sein. Alle Räume des Dechanthofes füllten sich zu einem Imbiss, einem Glas mit Freunden. Bildbände und Drucke hatte die Familie als Erinnerungsgaben an einen Mann aufgelegt, in dessen Gesellschaft sich die Menschen wohl fühlten. Auf in den Räumen verteilten Porträts grüßte Paul Schinner seine Gäste ein letztes Mal. Zum Abschied hatte er sich Spenden für die Renovierung der Stadtpfarrkirche gewünscht.
















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