04.11.2020 - 16:58 Uhr
NabburgOberpfalz

Kuh und Kalb in Sicherheit: Neuer Stall für Vroni und Amalie

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Glückliches Ende kurz vor dem Winter: Die Kuh und ihr Kalb, die monatelang in der Nähe von Nabburg (Kreis Schwandorf) in Freiheit unterwegs waren, haben ein neues Zuhause. Am Montag hatte die Zeit in "freier Wildbahn" ein Ende.

Kuh Vroni und ihr Kalb Amalie haben ein neues Zuhause: Sie leben jetzt auf Gut Aiderbichl in Eslarn.

Vroni und Amalie haben ein neues Dach über dem Kopf: Die Kuh, die Ende April von einem Hof in der Nähe von Nabburg ausgerissen ist und in Freiheit gekalbt hat, steht wieder in einem Stall. "Uns wurde mitgeteilt, dass Kuh und Kalb eingefangen sind", bestätigte Reinhard Schlosser vom Ordnungsamt der Verwaltungsgemeinschaft Nabburg. Die zunächst drohende "Ersatzvornahme" war nicht mehr nötig: Das Ordnungsamt hatte dem Eigentümer per Bescheid klar gemacht, dass die Behörde die Tiere auf seine Kosten fangen lässt, wenn er das nicht erledigt. Schließlich könnten die Tiere Verkehrsteilnehmer gefährden. Das ist nun vom Tisch.

Kuh und Kalb ausgebüxt

Nabburg

In einem normalen Nutztierstall sind die beiden Tiere aber nicht gelandet. Denn eine Verwandte des Landwirts hatte Gut Aiderbichl um Hilfe gebeten, und die Tierretter mit Sitz in Österreich wussten Rat. In Eslarn (Kreis Neustath/Waldnaab) gibt es einen Ableger des Tierretter-Guts, das Michael Meckl mit seinem gleichnamigen Vater führt. Die beiden kamen dann am Montag auch, um mit einem Tierarzt Kuh Vroni und Kalb Amalie zu fangen. Das tierische Paar war wie schon seit Monaten nahe des Standortübungsplatzes zwischen den Nabburger Stadtteilen Perschen und Neusath unterwegs.

Mit Schrot angefüttert

"Wir haben sie ein paar Tage angefüttert", erzählt Meckl, dabei hat die Verwandte des Landwirts geholfen. Der regelmäßige Kübel Getreideschrot sollte Kuh und Kalb auf einen festen Platz locken. Mit einer Wildkamera überprüften die "Aiderbichler", ob das auch klappt. Schließlich wurde noch eine Jagdkanzel aufgebaut, damit sich das Team zur Fangaktion verstecken konnte. Denn: Wenn Menschen Kuh und Kalb zu nahe kamen, verzogen sie sich in den angrenzenden Wald. Zwei vorherige Fangversuche waren bereits gescheitert.

Mit Hilfe von Dr. Hubert Reindl klappte es dann am Montag. Der Tierarzt aus Moosbach konnte die Tiere betäuben. "Zuerst ist die Kuh uns nochmal kurz ausgerissen," erzählt Meckl, dann wirkte die "Narkose". Mit Unterstützung einiger Helfer wurden Vroni und Amalie in einen Viehanhänger bugsiert und nach Eslarn gebracht. Beide Rinder sind wohlauf. "Das Kalb ist gut genährt" sagt Meckl, "es hat ja die ganze Zeit Vollmilch von der Mutter bekommen." Auf die muss so manches Kalb im Stall verzichten. Auf den Weiden rund um den Übungsplatz war im Sommer auch genügend Futter zu finden. Spätestens im Winter aber, erst recht wenn Schnee liegt, hätte es für die Tiere knapp werden können.

Noch etwas scheu

"Sie sind noch etwas scheu", erzählt Meckl,"aber jetzt sind sie unter Artgenossen. Das wird schon." Auf dem Gut Aiderbichl in Eslarn leben rund 180 Tiere, neben Rindern auch Pferde, Schafe und Ziegen. Sie werden bis zu ihrem natürlichen Tod versorgt. "Wir suchen Paten für die beiden", appelliert Meckl, schließlich müssen die Kosten für die Haltung auch getragen werden. Meckl und sein Vater werden auf dem Stiftungshof in Eslarn von zwei Mitarbeitern unterstützt, sorgen auch selbst für das Futter. Mit dem Eigentümer der beiden Tiere, der monatelang eher wenig Interesse am Einfangen der Rinder gezeigt hatte, haben sich die Aiderbichler schon geeinigt.

Die Verwandte, die den Kontakt zu Gut Aiderbichl geknüpft hat, ist froh, dass die Kuh vom Eis, respektive mit ihrem Kalb von der Wiese ist. Und sie hat die Zusage, dass sie die beiden besuchen kann. "Das werde ich auch tun", sagt sie.

Die ausgebüxte Kuh und ihr Kalb grasten monatelang auf einer Wiese nahe des Standortübungsplatzes Pfreimd.

Gut Aiderbichl hilft

Nabburg
Gut Aiderbichl:

Gut Aiderbichl mit Stammsitz in Henndorf am Wallersee (Österreich) betreibt Tier-Gnadenhöfe. Die Höfe sind Zufluchtsort für verwahrloste oder verwaiste Tiere, die aus Notsituationen befreit oder gerettet wurden. Gründer sind Michael Aufhauser und seine mittlerweile verstorbene Frau Irene Florence, die gemeinsam eine erste Stiftung gründeten. Die Versorgung der Tiere wird über Spenden und Patenschaften finanziert. Für Besucher sind die Höfe in Henndorf, Deggendorf (Niederbayern) und Iffeldorf (Oberbayern) zugänglich. Wer eine Patenschaft übernehmen will: Weitere Informationen gibt's im Netz unter www.gut-aiderbichl.com

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