27.06.2021 - 11:16 Uhr
NabburgOberpfalz

Süd-Ost-Link im Kreis Schwandorf: Bauarbeiten über Jahre

Die Leistung des Süd-Ost-Links wird verdoppelt, die Trasse im Kreis Schwandorf ist bekannt. Allerdings werden sich die Arbeiten durch das "Projekt 5a" mit Pausen über Jahre hinziehen.

Tennet-Teilprojektleiter Markus Wiesel erläutert im Video den Stand der Trassierung für den Süd-Ost-Link, hier für den Abschnitt von Pfreimd bis Nabburg.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Die "Tennet" hat nun auch für den Abschnitt zwischen Pfreimd und Nittenau (D1) die Planfeststellung für das "Projekt 5a" beantragt. Dahinter steckt die zweite Leitung des Süd-Ost-Links, die die Leistung auf 4 Gigawatt verdoppeln soll. Die Leerrohre dafür werden im ersten Schritt des Baus, der 2023 beginnen soll, gleich mit verlegt. Allerdings werden die Kabel für "5a" erst deutlich später eingezogen. Heißt: Die schweren Maschinen dafür werden nach ein paar Jahren erneut auf den betroffenen Grundstücken auffahren.

Startschuss 2023

"Die Baustelle für beide Vorhaben wird ab etwa 2023 eingerichtet," teilte der Bürgerreferent für diesen Abschnitt, Johannes Prechtl, auf Nachfrage der Oberpfalzmedien mit. "Bis zum Jahr 2025 sollen für das Vorhaben 5 die Kabel in die Schutzrohre eingezogen werden, damit die Inbetriebnahme bis Ende 2025 erfolgen kann. Anschließend soll die Baustelle komplett zurückgebaut, die Kabelgräben verfüllt und die Bautätigkeit eingestellt werden", so Prechtl. Dann ist erstmal Pause. Wie "komplett" der Baustellen-Rückbau sein wird, steht allerdings noch nicht fest. So sei Stand jetzt noch offen, "ob Zufahrten oder Kabelabtrommelplätze bis zur finalen Fertigstellung des Vorhabens 5a übergangsweise bestehen bleiben." Die Kabel werden mit Schwertransporten angeliefert. Die Spedition Kübler erarbeitet derzeit ein Logistikkonzept.

Ab dem Jahr 2028 wird dann laut Tennet-Referent Prechtl der zweite Kabelgraben "punktuell" an den Muffenstandorten geöffnet, um die Kabel für das Vorhaben 5a einzuziehen und zu verbinden. Diese Muffenstandorte liegen maximal 1,7 Kilometer auseinander, der Abstand könne "jedoch auch geringer ausfallen, wenn dies aus Sicht der Planung erforderlich ist." Die Inbetriebnahme für das Vorhaben 5a ist erst das Jahr 2030 vorgesehen, also fünf Jahre nach dem "ersten" Süd-Ost-Link.

Komplett neue Vergabe

Warum werden die Kabel nicht gleichzeitig eingezogen, damit nach ein paar Jahren nicht wieder gegraben werden muss? Prechtl nennt dafür mehrere Gründe. Zum einen werde die Genehmigung für das vollständige Vorhaben 5a erst in Jahren vorliegen. Der zusätzliche, nördliche Abschnitt von Klein-Rogahn (bei Schwerin, Mecklenburg-Vorpommern) bis Wollmirstedt (bei Magdeburg, Sachsen-Anhalt) müsse noch die komplette Bundesfachplanung durchlaufen. "Für die Gewährleistung zuverlässiger Qualität der Erdkabel ist es wichtig, dass diese nicht zu lange ungenutzt im Boden liegen. Damit die Hersteller der Kabel uns Qualität und Gewährleistung zusagen, ziehen wir die Kabel erst so kurz wie möglich und so lange wie nötig vor ihrer Inbetriebnahme in die Rohre ein", so der Bürgerreferent weiter. Schließlich müsse die Herstellung der zusätzlichen Kabel vergeben werden. "Bisher ist der Auftrag zur Kabelherstellung nur für Vorhaben 5 beauftragt. Für Vorhaben 5a wird ein neues vollständiges Vergabeverfahren durchlaufen." Diese "geteilte" Vergabe hat noch einen weiteren Grund: Es gehe schlicht um Produktions-Kapazitäten. "Wir möchten von vorn herein vermeiden, dass es zu Lieferengpässen bei gleichzeitiger Bestellung der Kabel kommen könnte und werden die Kabellieferung für das Vorhaben 5a erst in den kommenden Jahren ausschreiben", so Prechtl.

Wenn die Bundesnetzagentur die eingereichten Unterlagen für den Abschnitt D1 auf Vollständigkeit geprüft hat, werden sie im Internet unter www.netzausbau.de veröffentlicht. Dann sind Stellungnahmen dazu möglich. Wer bereits einen Einwand gegen den bisherigen Süd-Ost-Link eingereicht hat, brauche sie nicht erneut einzureichen, heißt es von Tennet. Sie sei in den Unterlagen enthalten. Erweiterte oder neue Stellungnahmen seien natürlich möglich.

Gespräch gesucht

Im vergangenen Jahr habe Tennet alle potenziell betroffenen Eigentümer zu Gesprächen eingeladen, um über den Trassenverlauf zu sprechen, berichtet Prechtl. "Die Teilnehmer haben uns dabei eine Vielzahl an planungsrelevanten Hinweisen gegeben, die wir nach Möglichkeit in unseren Planungen berücksichtigen." Dabei seien Hinweise auf bislang unbekannte, mögliche Bodendenkmalsflächen, aber auch auf Drainagen und Brunnen auf tangierten Grundstücken aufgetaucht. "Insgesamt haben wir im Abschnitt D1 mit etwa 150 Eigentümern gesprochen, die unser Gesprächsangebot angenommen haben", so Prechtl.

Widerstand im Nachbarlandkreis

Neustadt an der Waldnaab

Ärger über Probebohrungen

Leuchtenberg

Themenseite zum Süd-Ost-Link

Virtueller Infomarkt zum Süd-Ost-Link, Abschnitt Pfreimd-Nittenau

Die Süd-Ost-Link-Seite des Netzbetreibers Tennet

Info:

Zusätzliche Leitung

  • Der Bundestag hat im Februar das Bundesbedarfsplangesetz geändert und das "Vorhaben 5a" für ein Gleichstrom-Erdkabel aufgenommen.
  • Es sieht eine Verlängerung des Süd-Ost-Links nach Norden vor.
  • Für die Trasse zwischen Klein-Rogahn (bei Schwerin, Mecklenburg-Vorpommern) und dem Startpunkt des Süd-Ost-Links (Vorhaben 5) in Wolmirstedt (Sachsen-Anhalt) gibt es noch keinen Vorschlag.
  • Von Wolmirstedt bis zum Endpunkt an den Atomkraftwerken bei Landshut soll die Trasse dem bekannten Süd-Ost-Link folgen.
Für den Abschnitt des Süd-Ost-Links im Bereich Schwandorf sind neben der Vorzugstrasse (durchgehend blau) noch einige mögliche Varianten (grau oder blau gestrichelt) in der Prüfung.

"Bisher ist der Auftrag zur Kabelherstellung nur für Vorhaben 5 beauftragt."

Johannes Prechtl, Tennet-Referent für Bürgerbeteiligung.

Johannes Prechtl, Tennet-Referent für Bürgerbeteiligung.

 

 

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