30.10.2019 - 10:09 Uhr
NabburgOberpfalz

Wiedersehen mit der Ausbildungsstätte nach 70 Jahren

Vor 70 Jahren hat Engelbert Köhler als 16-Jähriger seine Lehre zum Kfz-Mechaniker bei Erich Bähnk in Nabburg begonnen. Einen Erich gibt es dort nicht mehr, aber einen Eric Bähnk, 19 Jahre und Kfz-Mechatroniker-Azubi.

von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Er wolle noch einmal seine Ausbildungsstätte besuchen, begründet Engelbert Köhler sein spontanes Erscheinen im Autohaus Bähnk in Nabburg. Der 86-Jährige wohnt seit vielen Jahrzehnten in Traßlberg (Landkreis Amberg-Sulzbach), ist im Herzen aber auch ein Nabburger. „Ich habe schließlich eine Nabburgerin geheiratet und viele Jahre hier gewohnt. Es ist immernoch Heimat“, erklärt er. Für ihn war das ein wichtiger Lebensabschnitt, den er in Nabburg verbracht hat.

Glückliche Jahre nach der Flucht

Nach der Flucht aus Schlesien in Folge des Zweiten Weltkriegs, hat er in Nabburg viele glückliche Jahre verbracht. Die Ausbildung bei der Werkstatt Bähnk habe ihn nachhaltig geprägt, immerhin war er noch bis zu seinem Rentenantritt 1994 als Kfz-Mechaniker tätig, zunächst bei Deml in Schwandorf, dann 40 Jahre bei Zinkl in Traßlberg und später in Amberg. Für die Ausbildung hat er die Schule geschmissen: „Das Autofahren war mir wichtiger.“

Wolfgang Bähnk, vom Autohaus in Nabburg, freut sich über den spontanen Besuch von Köhler, der bei Bähnks Großvater Erich 1949 die Ausbildung zum Kfz-Mechaniker als einer der ersten Azubis begonnen hat. Da war Köhler 16, die Werkstatt eine simple Scheune in der Perschener Straße. Mittlerweile wächst die vierte Generation im Autohaus heran. Eric Bähnk, Sohn von Wolfgang Bähnk, ist nächstes Jahr mit seiner Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker fertig. „Es ist für mich etwas besonderes, im Familienunternehmen zu arbeiten“, sagt der 19-Jährige. Auch seine Schwester arbeitet im Betrieb und kümmert sich um die Buchhaltung und weitere wirtschaftliche Aufgaben.

„Das ist dein Uropa“, sagt Köhler und zeigt auf das etwa 70 Jahre alte Gruppenfoto, das er mitgebracht hat. Darauf ist der Gründer Erich Bähnk zu sehen, Engelbert Köhler selbst als junger Bursche, ein paar weitere Mitarbeiter sowie ein Hund. Heute gehören 30 Mitarbeiter zum Team und – genauso wie damals– ist der Familienhund immer mit dabei. Eric ist erstaunt, er sieht das Bild seine Ur-opas zum ersten Mal. Eine kleine Reise zurück zu den Wurzeln und zum Ursprung des Familienunternehmens.

Ein Beruf im Wandel

Unter Quasi-Kollegen fachsimpeln der 86-Jährige und der 19-Jährige darüber, was sich in ihrem Beruf verändert hat. Eric weiß genau Bescheid: „In der ersten Stunde in der Berufsschule war die Geschichte des Autos und des Mechanikerberufs das Thema“, erinnert er sich. Eine wesentliche Sache habe sich geändert: Damals wurde alles repariert, heute werden die Teile gleich ausgetauscht. „Die Materialkosten sind nicht so sehr gestiegen, ganz im Gegensatz zu den Kosten für die Arbeitszeit“, erklärt Wolfgang Bähnk. Das Auswechseln gehe eben schneller. „Es war eine andere Zeit“, ergänzt Köhler. Die Menschen hätten kurz nach Kriegsende – die Werkstatt wurde etwa 1946 gegründet – gar nicht die Möglichkeit gehabt, defekte Teile einfach wegzuschmeißen. „Außerdem geht es viel mehr in’s Technische“, sagt der Junior. Engelbert Köhler lag noch auf einer Matte auf dem blanken Boden unter dem Auto. Mittlerweile wird ein Diagnosegerät angeschlossen, dass dann anzeigt, wo es im Auto hakt. „Das Schrauben lernen wir aber schon noch“, betont Eric, der schon seit Kindesbeinen Kfz-Mechatroniker werden wollte.

Das Weiterführen des Familienbetriebs, der keine reine Werkstatt, sondern auch Autohandel ist, ist also gesichert. Das lässt auch Engelbert Köhler nach seinem Besuch beruhigt wieder nach Hause fahren.

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