In mittleren Höhenlagen des Steinwalds sind Siedlungen mit weit auseinander liegenden Bauernhöfen und Weilern ohne eigentlichen Ortskern noch heute weit verbreitet. Solche Streusiedlungen auf der Bärnhöhe bei Friedenfels oder in Hohenhard, auf dem Gebiet der Stadt Waldershof, belegen diese Gegebenheit.
Dem Verein Kulturlandschaft südlicher Steinwald (KusS) bekannte Historiker verweisen darauf, dass im Mittelalter die Besiedelung sogar noch weiter in den Steinwald reichte. Nicht nur die Zerstörung durch kriegerische Auseinandersetzungen, auch Hungersnöte und schließlich wirtschaftliche Zwänge führten aber dazu, dass höher gelegene Höfe im Steinwald im Laufe der Zeit aufgegeben wurden. Einer von ihnen ist der Glosenhof am „Waldhistorischen Lehrpfad“ zwischen Pfaben und dem Waldhaus im Steinwald gelegen.
Nicht viel bekannt
„Viel ist nicht mehr über den Glosenhof bekannt“, weiß Robert Mertl, stellvertretender Vorsitzender des Vereins KusS, der den jüngsten Arbeitseinsatz zur Freistellung des Geländes auf den Glosenhof leitete. Dichtes Gestrüpp und Bäume hatten die ehemalige Hofstelle fast nicht mehr erkennen lassen. Bereits 1996 hat das damalige Forstamt Kemnath das Areal einmal freigelegt. Mittlerweile war das Gelände des ehemaligen Bauernhofs jedoch wieder so zugewachsen, dass die Grundmauern kaum mehr zu sehen waren, wissen die freiwilligen Helfer der Aktion.
Wie Mertl auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien berichtet, bestand der Hof seit mindestens 1757. Hierzu fand der versierte Stellvertreter des Vereins KusS in Kirchenbüchern und Briefprotokollen von Erbendorf erste Eintragungen. Ein Vermerk von 1757 lautete, dass Johann Schuster aus Trettmanns, heute ein Ortsteil von Friedenfels, und Katharina Lang von Glossen ihre Hochzeit vereinbarten. Mit der Aufgabe der Hofstelle und der Ansiedlung Glosen im Steinwald rechnen Historiker um das Jahr 1900, wie Robert Mertl weiter hervorhebt.
Harte Arbeit
Das damalige Leben der Bewohner war besonders durch harte Arbeit im Steinwald, auf steinigen Feldern sowie in Steinbrüchen und Kohlenweilern geprägt. Zudem bestand in damaliger Zeit kein Wegenetz wie man es heute kennt. Den Steinwald durchzog ein lokales Netz aus Trampelpfaden, aus Saum-, Karren- und Fußwegen, weiß Mertl. Damit wurden die Siedlungen miteinander verbunden, auf denen man Rohstoffe und Produkte wie Holz, Holzkohle, Pech, Schindeln oder Granitsteine aus dem Steinwald transportierte.
Auffallend auch, dass bereits in früheren Jahrhunderten bedeutende Fernverbindungen den Steinwald mieten. Dazu gehörte die „Goldene Straße“ von Nürnberg nach Prag oder die „Bernsteinstraße“ von Magdeburg zur Donau. Die Entfernung zu den einst bekannten Altstraßen schätzen heutzutage aber vor allem Besucher und Wanderer. Sie schätzen die Ruhe und Erholung in den ausgedehnten Wäldern, unterstreicht der stellvertretende Vorsitzende des Vereins KusS.
Trotz umfangreicher und intensiver Recherche hat Mertl bislang keine Nachkommen und Hinweise auf einstige Besitzer des Glosenhofs im Steinwald ausfindig machen können. „Deshalb wird das Gelände den Verein weiterhin beschäftigen“, meint er. In Absprache mit Carsten Klöble, zuständiger Revierförster der Bayerischen Staatsforsten, auf deren Grund sich der Glosenhof heute befindet, wurden die jüngsten Arbeiten zuvor besprochen und erledigt.
Gestrüpp aus Sträuchern
Mertl unterstützten dabei die Mitglieder Erwin Nonas und Dr. Siegfried Steinkohl. Sie kämpften sich mit Schaufel, Spaten, Sägen, Baumschere und Rechen durch ein Gestrüpp von Brombeeren, Birken, Faulbaum und Holunderbüschen, um die fast völlig zugewachsenen Mauerreste des alten Glosenhof wieder freizulegen. Die vorhandenen Grundmauern des alten Stall-Wohnhauses waren dabei so mit Moos überzogen, dass sie kaum mehr zu erkennen waren, berichtet Steinkohl gegenüber Oberpfalz-Medien und fährt fort, dass so manches Holunderbäumchen stehen gelassen wurde. „Holunder erfuhr in früheren Zeiten eine hohe Wertschätzung“, weiß er. Ebenfalls wurde manche Moosablagerung an Ort und Stelle belassen, da es über den Winter als Rückzugsort für Kleintiere und Insekten dient.
Um den alten Glosenhof künftig auch vom Waldlehrpfad aus zu sehen, wurden aber die Äste von großen angrenzenden Buchenstämmen entfernt. Gut erhalten sei, wie Steinkohl weiter berichtet, eine alte gefundene Holztafel. Diese hat das Forstamt Kemnath 1996 aufgestellt, sie erinnert an die erste Freilegung des Geländes. Nach einer Restaurierung wird die Tafel wieder an Ort und Stelle aufgestellt, erzählt der freiwillige Helfer. Dass das Gelände des einstigen Glosenhofes in der Waldabteilung Bärnhöhe auch künftig erkennbar bleibt, unterstützen auch die Bayerischen Staatsforsten, wie Klöble berichtet. Das Gebiet des Glosenhofes zählt zur Kategorie „Geschützte Wälder“, wo große forstliche Maßnahmen unterbleiben, unterstreicht Klöble.
Wer oder was ist "KusS"?
- KusS Abkürzung für Kulturlandschaft südlicher Steinwald
- Gegründet 2012, um die Bemühungen zur Entwicklung des Naturschutzprojektes Grenzmühle bei Napfberg und den Aufbau einer Info-Station für den Naturpark Steinwald zu unterstützen
- Pflege, Erhalt und Schutz der Landschaft des südlichen Steinwalds mit seiner Tier- und Pflanzenwelt, der landschaftlichen Schönheiten, der Bauten und Kulturstätten
- angetrieben von Heimatliebe und der Freude an der Heimatkunde
- Mitglieder aktuell 46
- Vorsitz Matthias Schlicht und Robert Mertl als Erster und Zweiter Vorsitzender
- Weitere Auskünfte gibt es unter www.kulturlandschaft-steinwald.de






















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