25.03.2021 - 10:07 Uhr
Neudorf/Luhe-WildenauOberpfalz

"Auge Gottes" am Luher Teufelsrangen

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Das Auge Gottes ist im Markt Luhe an einigen Stellen zu finden. Eines davon erinnert an einen Diebstahl.

Das Flurdenkmal „Auge Gottes“ beim Teufelsrangen. Johann Kiener hat 1984 anstelle der verrosteten ehemaligen Blechtafel diese Holztafel angebracht.
von Autor SEFProfil

Nördlich von Neudorf mündet der Ödweg in die Hohe Straße. Früher hieß sie Alte Heerstraße. Heute ist sie Teilstrecke des Wallenstein-Tilly-Wanderweges. Wer in westlicher Richtung weiter durch den Mischwald geht, stößt auf 550 Metern Höhe an einer Buche auf eine ungewöhnliche Holztafel.

Aus einem mit Strahlen umgebenen Dreieck schaut ein gemaltes Auge auf den Passanten. Darunter stehen die Initialen J. und K. sowie die Jahreszahl 1984. Die Stelle befindet sich gegenüber der Flur Teufelsrangen. Dieses sogenannte Auge Gottes soll der Überlieferung nach an einen versuchten Holzdiebstahl um 1900 erinnern. Der Eigentümer des Waldes, Herrmann I. von Hirschberg (1847 bis 1919), beobachtete die Missetat und drohte dem Frevler: „Auch wenn ich nicht hier bin, sieht das Auge Gottes doch alles.“

Rostiges Mahnmal

Gesagt – getan: Als Lektion ließ der Freiherr aus dem Schloss Unterwildenau eine Blechtafel mit einem symbolischen Auge Gottes anbringen. Im Lauf der Jahrzehnte verrostete das Mahnmal. Deshalb wurde es an Fronleichnam 1984 durch eine bemalte Holztafel ersetzt. Der langjährige Pfarrgemeinderatsvorsitzende von St. Michael in Oberwildenau, Johann Kiener hatte sie bemalt. Weitere Werke mit dem Auge Gottes finden sich an der Decke der Marienkapelle in Neudorf und auf einer Votivtafel in der Forsthofkapelle Oberwildenau.

Spuren der Geschichte: Hermesstab in Luhe

Luhe/Luhe-Wildenau

Marterl am Ödhof

Ganz in der Nähe steht ein gusseisernes Marterl aus dem Jahr von 1912. Es ist Apollonia und Michael Fleischmann gewidmet, die den Ödhof bewirtschafteten, der 1732 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Er gehörte den Freiherrn von Hirschberg in Unterwildenau, die ihn von Beständern, das sind Pächter, die Anwesen ohne Eigentumsrecht bewirtschafteten, betreiben ließen. Das Anwesen lag in völliger Abgeschiedenheit nördlich von Neudorf und westlich von Gelpertsricht.

Im 1979 abgebrannten Wohnstallhaus waren nach 1945 Heimatvertriebene untergebracht. Sie lebten von Naturalien für Gelegenheitsarbeiten, milden Gaben von Bauern und Früchten im nahen Wald. Von der einst ansehnlichen Einöde blieben nur Scheune und Obstbaumallee erhalten.

Hintergrund:

Religiöse und weltliche Verbreitung des Auges Gottes

  • Auge der Vorsehung, auch als allsehendes Auge, Auge Gottes oder Gottesauge bekannt, in einem Dreieck und von einem Strahlenkranz umgeben, gilt als Sinnbild der Trinität in ihrer Allgegenwart und Allwissenheit.
  • Starke Verbreitung dieser Allegorie der Dreifaltigkeit in der religiösen Kunst im 18. und 19. Jahrhundert. Als Zeichen der Vigilantia, der Wachsamkeit und unermüdlichen Fürsorge im religiösen Bereich häufig an ornamental-figuralen Randzonen, vor allem als Altar- Kanzel- und Orgelbekrönung.
  • Auge Gottes auch in der Volkskunst beliebt an Flurdenkmälern und Grabsteinen.

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