07.09.2018 - 14:31 Uhr
Neumarkt i. d. Opf.Oberpfalz

Ausstellung der Bildhauerin Leunora Salihu

Am Anfang war der Urknall. Mit ihm begannen Raum und Zeit. Vorher war das Nichts. Mit einem „Urknall“ startet auch die Ausstellung im Lothar-Fischer-Museum in Neumarkt.

In dem Werk „Urknall“ (2017, Multiplexplatte,Keramik, Glasur 220 x 220 x 480 cm), einem fast fünf Meter langen und über zwei Meter hohen Raumkörper, vereint die Bildhauerin Gegensätze wie Leichtigkeit und Schwere, Stillstand und Bewegung oder Innen- und Außenraum.
von Marielouise ScharfProfil

Leunora Salihu, Lothar-Fischer-Preisträgerin. zeigt bis 7. Oktober 15 Arbeiten, Skulpturen und Tuschezeichnungen. Die 1977 im Kosovo geborene Leunora Salihu hat sich als Bildhauerin eine unverwechselbare künstlerische Sprache erarbeitet. Ihre abstrakten Skulpturen entstehen oft aus mitteldichten Holzfaserplatten (MDF-Platten) kombiniert mit Ton. Sie verwendet aber auch Baukantstahl für ihre kleinen wie auch die riesigen Objekte, die vor Kraft und Energie strotzen und doch irgendwie in sich ruhen. "Schwester" ist so eine Arbeit, inspiriert von Kafka und demonstriert aus Kantstahl, Holz und Ton.

Bei ihren plastische Formen reizt sie gerne die Gegensätze aus: offen, geschlossen, stabil und labil. Auch beim Riesenraumkörper "Urknall" geht sie Fragen nach: Wie verhalten sich Anziehung und Ausdehnung, Leere und Fülle, wo entsteht Bewegung, wo Kommunikation, erläutert Museumsleiterin Pia Dornacher.

Ihre Werke (hier: Schwester, 2012/13, Keramik, Eisen, MDF 94 x 150 x 80 cm) verraten eine enorme Materialkenntnis und eine ganz eigene Formensprache, die einen wesentlichen Teil ihrer künstlerischen Schaffensprozesse ausmachen.

Spannender Transport

Der helle, offene Ausstellungsraum in Neumarkt ist Landeplatz der mächtigen Urknall-Konstruktion. Hier kann Korrespondenz mit der Natur draußen zur Kunst drinnen stattfinden, wo zwei über zwei Meter hohe plastische Formen sich gegenüber stehen, die in der Mitte von einem tönernen Kern zusammengehalten werden. Schon der Transport der Riesenskulptur war spannend. Mehr als 1000 Schrauben plus Muttern mussten festgedreht werden, um die zugeschnittenen Einzelteile aus MDF-Platten wieder zusammenzufügen.

Im informativen Flyer zur Ausstellung lässt sich nachlesen, dass bei der Arbeit "Propeller" Salihu den MDF-Platten eine "fragile, durchbrochene Form aus Keramik" entgegen setzt. Diese nimmt die Rotationsbewegung auf. Übrigens stellt die Künstlerin den Ton, ein Material, das sie besonders schätzt und immer wieder neu ausreizt, selbst her und lässt ihre Kunstwerke in Holland brennen.

"Ganz zur Geltung kommt das so schwer zu bändigende Material in der Skulptur 'Welle'. Vielfach vertikal geschlitzte Keramikplatten sind V-förmig gebogen. Sie tragen Böden aus MDF, auf denen sich die Elemente Etage für Etage nach oben stapeln", so Dr. Thomas Heyden, stellvertretender Direktor Neues Museum Nürnberg, bei seiner profunden Einführung zur Ausstellungseröffnung. Weitere Arbeiten wie 'Chip' oder 'Turm' zeigen die Vorliebe und die Leidenschaft der Künstlerin für das Material Ton.

Die Arbeiten (hier: Ohne Titel, 2014, Tusche auf Papier, 29,7 x 42 cm) Leunora Salihus verorten sich in einem Spannungsfeld zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit.

Klare Linie

Beachtenswert in ihrer räumlichen Virtuosität sind auch Salihus Tuschezeichnungen, die parallel zu den Plastiken entstehen. Die klaren schwarzen Linien scheinen sich vom Blatt zu wölben. Als Kontrastkörper heben sie sich vom Untergrund ab. Lineare Strukturen, Ausfransungen, feste Körper bilden Trichteröffnungen, Flügel, Flugkörper, alle ohne Titel, sie wirken wie architektonische Skizzen, wie fragile Gebilde einer unbekannten Bauart.

Leunora Salihu, (ehemalige Meisterschülerin des international agierenden Bildhauers Tony Cragg - lebt und arbeitet heute in Düsseldorf) wurde 2017 der zum 7. Mal ausgelobte Förderpreis mit dem Schwerpunkt auf der zeitgenössischen Bildhauerei zugesprochen. Er wird alle zwei Jahre von der Lothar-und-Christel-Fischer- Stiftung in Zusammenarbeit mit der Stadt Neumarkt vergeben und ist im Folgejahr mit einer Sonderausstellung verknüpft.  

Für das zweistufige Wettbewerbsverfahren werden die Künstler für den Preis von einem externen Vorschlagsgremium nominiert und anschließend von Mitgliedern der Stiftungsgremien ermittelt. Die für den Preis vorgeschlagen Künstler sollen in lose Verbindung zum Werk des Museumsstifters gebracht werden können und dem Profil des Hauses entsprechen. Lothar Fischer, selbst ab 1975 Professor für Bildhauerei an der Hochschule der Künste in Berlin (heute Universität der Künste), war sehr an der Förderung jüngerer Bildhauer gelegen, so dass ihm die Vergabe eines Preises bei Gründung der Stiftung sehr am Herzen lag.

Service:

Ausstellung: Leunora Salihu. Bis Sonntag, 7. Oktober.

Ort: Museum Lothar Fischer, Weiherstraße 7a, 92318 Neumarkt.

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 14 bis 17 Uhr, Samstag/Sonntag 11 Uhr bis 18 Uhr, ab Oktober bis 17 Uhr.

Infotelefon 09181/510 348

Bei „Welle“ (2017, Keramik, Glasur, MDF, 205 x 45 x 45 cm) beeindruckt das Wechselspiel zwischen quadratischen Holzplatten und organisch anmutenden grünen Keramikelementen.

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