13.02.2020 - 16:39 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Ruckzuck zum Arbeitsvisum

Wenn es über ein Jahr dauert, bis dringend benötigte Fachkräfte ein Visum bekommen, werden Arbeitgeber ungeduldig. Beim Fachkräfte-Forum in Neunburg hat Innenminister Joachim Herrmann Abhilfe schon im Gepäck.

Beim Fachkräfte-Forum setzen Politiker und die Vertreter der Arbeitgeber auf ein neues Gesetz, das zum 1. März in Kraft tritt. Von links: Udo Stark (Firma FEE), Landrat Thomas Ebeling, Michaela Dettmann (Steininger GmbH), Innenminister Joachim Herrmann, Cornelia Horsch (Horsch Maschinen GmbH) und Bürgermeister Martin Birner.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Strategien zur Gewinnung von Auszubildenden und Fachkräften mit Migrationshintergrund: Darum kreiste am Donnerstag das Bayerische Fachkräfte-Forum in der Neunburger Schwarzachtalhalle. Veranstalter waren neben Stadt und Landkreis das "MigraNet - IQ Netzwerk Bayern" und die Initiative "Integration SAD". Als prominenter Gast wartete Innenminister Joachim Herrmann mit Infos zu einem neuen Gesetz auf, das den Zuzug von Fachkräften aus dem Ausland wesentlich beschleunigen soll und zum 1. März in Kraft tritt. Für Herrmann ist es "ein wichtiger Baustein für das Wirtschaftswachstum und den Wohlstand in Bayern". "Das neue Gesetz wahrt die Balance, indem es die legale Zuwanderung zu Erwerbszwecken erleichtert und gleichzeitig an einer klaren Trennung von Asyl und Erwerbsmigration festhält", betonte der Innenminister und verwies auf die drei wesentlichen Steuerungsinstrumente: Sprachkenntnisse, Nachweis eines Arbeits- oder Ausbildungsplatzes und eine anerkannte Berufsqualifikation. Mindestens zwei dieser Voraussetzungen müssen laut Herrmann erfüllt sein. "Es hat keinen Sinn, massenhaft Leute ins Land zu holen, die keiner braucht", stellte er klar.

Zentrale Mittlerin

Der "etwas gelockerte Prüfungsmaßstab" sieht bei den Kandidaten unter 25 Jahren eine Einreise für einen vorgelagerten Deutschkurs ebenso vor wie sechs Monate für die Suche nach Job oder Ausbildungsplatz. Größte Hürde dürfte seiner Einschätzung nach das aufwendige Anerkennungsverfahren der Qualifikation sein. Große Vorteile verspricht sich der Politiker aber von einer Abwicklung über die Ausländerbehörde als "zentrale Verfahrensmittlerin" mit dem Ziel, dass mit Hilfe der dort gesammelten Unterlagen ein Visumsantrag bei der Deutschen Botschaft im Ausland innerhalb von drei Wochen erledigt wird. Bei der anschließenden Podiumsdiskussion mit Landrat Thomas Ebeling, Bürgermeister Martin Birner und Vertretern von Firmen im Landkreis wurde deutlich, dass hier tatsächlich Handlungsbedarf besteht. Wartezeiten auf einen Termin in den Botschaften von über einem Jahr waren laut Udo Stark, Personalleiter der FEE-Unternehmensgruppe, tatsächlich an der Tagesordnung. FEE beschäftigt Mitarbeiter aus 28 Nationen.

"Die Arbeitgeber drückt in der Tat der Fachkräftemangel", bestätigte Landrat Thomas Ebeling der Moderatorin Anne-Marie von Hassel von der Bayerischen Gemeindezeitung. "Ein guter Anfang", lautete der Kommentar von Michaela Dettmann, Geschäftsführerin beim Bauunternehmen Steininger, wo der Ausländeranteil bei 40 Prozent liegt. Ebenso wie Cornelia Horsch, Geschäftsführerin bei der gleichnamigen Maschinenbau GmbH hatte sie aber Bedenken, was das geforderte Level bei den Sprachkenntnissen betrifft, die Hürde sei zu hoch.

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Noch mit "Feinjustierung"

"Wir werden da differenzieren müssen", lenkte Innenminister Herrmann ein und verwies auf unterschiedliche Anforderungen bei Pflege und Handwerk. Dass hier noch eine Feinjustierung nötig ist, bekräftigte bei der anschließenden Diskussion auch der Präsident der Handwerkskammer, Georg Haber, der eher mit langfristigen Verbesserungen bei der Suche nach Fachkräften rechnet.

Dass Bayern in Deutschland jetzt schon die niedrigste Arbeitslosenquote bei Ausländern hat, wollte der Innenminister bei dieser Gelegenheit auch nicht unerwähnt lassen. "Wir sind auf dem Weg, noch besser zu werden", zog er Bilanz, prophezeite ein spannendes Jahr und machte deutlich: "Es liegt an uns allen, die Chancen anzupacken, die das Gesetz bietet."

Es hat keinen Sinn, massenhaft Leute ins Land zu holen, die keiner braucht.

Innenminister Joachim Herrmann

Innenminister Joachim Herrmann

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