14.07.2021 - 17:18 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Sauberer Eixendorfer See als Zielvorgabe: Schulterschluss für den Kampf gegen Blaualgen

Ein Eixendorfer See ohne sommerliche "Algenpracht", das ist das Ziel der knapp 50 Teilnehmer in der Neunburger Schwarzachtalhalle. Referenten verdeutlichen, wie sehr es dabei auf die Reduzierung von Nährstoffen ankommt.

Blick auf den Bereich der Vorsperre am Eixendorfer Stausee aus Richtung Hillstett. Am Runden Tisch sind weitere Maßnahmen besprochen worden, um die Nährstoffe zu reduzieren und die Blaualgenblüte einzudämmen.
von Externer BeitragProfil

Nach längerer Corona-Pause fand der Runde Tisch „Eixendorfer See“ wieder als Präsenztreffen statt, Veranstaltungsort war die Schwarzachtalhalle in Neunburg. Fast 50 Teilnehmer nahmen sich dafür vier Stunden Zeit. „Die große Runde an Akteuren, die sich alle für unser gemeinsames Ziel – ein intakter und sauberer Eixendorfer See – einsetzen, beeindruckt und unterstreicht einmal mehr, wie sehr das Thema die Menschen bewegt“, betonte Regierungspräsident Axel Bartel, auf dessen Initiative der regelmäßige Austausch im Jahr 2017 wiederbelebt wurde. Der Einladung zum aktuellen Treffen folgten Kommunalpolitiker, Ministeriums- und Behördenvertreter sowie Repräsentanten aus Tourismus, Wasserwirtschaft, Fischerei und Landwirtschaft.

Laut einer Pressemitteilung über das Treffen, informierte dabei Manuel Schlegel vom Wasserwirtschaftsamt Weiden über aktuelle Maßnahmen rund um den See. So soll mit dem Bau eines Entnahmeturms eine stabile Schichtung im See erreicht und damit die Nährstoffzufuhr stark reduziert werden. Die Blaualgen hätten dann in den Sommermonaten nur noch jene Nährstoffe zu Verfügung, die unmittelbar in den See eingetragen werden. In dieser Zeit sollte die Nährstoffzufuhr im Zulauf der Schwarzach und somit aus dem Einzugsgebiet möglichst stark verringert werden, um den Algenaufwuchs zu bremsen.

Die Muscheln im Eixendorfer Stausee sollen evakuiert werden

Neunburg vorm Wald

Mit dem Bau des Entnahmeturms soll voraussichtlich im Spätherbst/Winter 2021/22 begonnen werden, sobald eine Baufirma gefunden ist. Im Hinblick auf eine nötige Absenkung wird bereits eine Bergungsaktion für die im See lebenden Muschelarten koordiniert. Regierungspräsident Axel Bartelt regte an, als Signal des Zusammenhalts und des Zusammenwirkens der beteiligten Akteure, die Muscheln – begleitend zur professionell geführten Bergung – bei einer gemeinsamen Aktion zu sammeln, insbesondere auch durch Schüler der benachbarten Gemeinden.

Ein weiteres Thema bildete die aktuell laufende Überarbeitung des Pflege- und Entwicklungsplanes. Die aktuelle Fassung stammt aus dem Jahr 1971. Die neue Version soll an die neuen Anforderungen bei Tourismus und Naturschutz, aber auch im Hinblick auf den Entzug von Nährstoffen im Uferbereich des Sees angepasst werden.

Dr. Karsten Rinke vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung im Magdeburg, Abteilung Seenforschung, präsentierte eine Studie zur Struktur des Gewässers, das sich durch den Betrieb des Entnahmeturms zukünftig wie ein natürlicher See schichten soll. Dadurch werden die tieferen Seebereiche im Sommer „abgekoppelt“, dies reduziert die Nährstoffzufuhr. Einen Einblick in das gemeinsame Monitoring der Wasserwirtschaftsämter in Weiden und Regensburg zum externen Eintrag von Nährstoffen in den Eixendorfer See vermittelte Dr. Jörg Brandner. Auch hier wurde die Bedeutung eines möglichst geringen Eintrags im Sommer betont.

Carlo Schillinger vom LGA Institut für Umweltgeologie und Altlasten GmbH erläuterte den Sachstand zur Entnahme von Sedimenten aus der Vorsperre. Laut Presse-Info wird dazu aktuell ein Konzept entwickelt. Lösungsansätze, wie Einträge von Nährstoffen aus dem unmittelbaren Umfeld des Sees reduziert werden können, zeigte Stefan Haupt vom Amt für Ländliche Entwicklung Oberpfalz. Dr. Stefan Kremb, Sachgebiet Agrarstruktur und Umweltbelange in der Landwirtschaft bei der Bezirksregierung, informierte über erfolgte sowie geplante Maßnahmen seitens der Landwirtschaft, darunter Veränderungen der Agrarstruktur rund um den See.

Die Teilnehmer nutzten dieses Forum zum regen Dialog, insbesondere bei den Themen Fischerei und Landwirtschaft. Für Regierungspräsident Axel Bartelt sei in den vergangenen vier Jahren durch ein konsequentes Aufeinanderzugehen schon viel erreicht worden. "Doch vor uns liegt noch ein langer Lösungsprozess, an dem wir im Rahmen der vielen einzelnen Bausteine und Maßnahmen weiterhin gemeinsam arbeiten und Erfahrungen sammeln müssen", wird er in der Pressemitteilung zitiert. Wichtig sei jedoch, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen und den eingeschlagenen Weg konsequent weiterverfolgen.

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"Vor uns liegt noch ein langer Lösungsprozess, an dem wir im Rahmen der vielen einzelnen Bausteine und Maßnahmen weiterhin gemeinsam arbeiten und Erfahrungen sammeln müssen."

Regierungspräsident Axel Bartelt

Regierungspräsident Axel Bartelt

Der Pflege- und Entwicklungsplan für den See-Bereich wird derzeit überarbeitet. Diplom-Ingenieurin Uta Röder und Diplom-Biologe Rainer Woschée (von links) erläuterten bei einem Termin den Planungsstand.

 

 

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