12.04.2021 - 12:20 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Schleuse für Fischwanderungen am Eixendorfer See geplant

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Am Eixendorfer Stausee soll eine "Umgehung" für Fischwanderungen entstehen. An der Vorsperre bei Hillstett plant das Wasserwirtschaftsamt eine Schleuse, die Wasserbewohner über eine Druckkammer flussaufwärts passieren können.

Die Fischschleuse an der Vorsperre des Stausees soll direkt an das Kraftwerk "Eixendorf II" (helles Bauwerk) angebaut werden. Manuel Schlegel, der zuständige Abteilungsleiter beim Wasserwirtschaftsamt Weiden, erläuterte die Planungen.
von Philipp Mardanow Kontakt Profil

Der Bau der Fischschleuse am Eixendorfer Stausee soll direkt an der Vorsperre bei Hillstett entstehen, "als Anbau beim Kraftwerk Eixendorf II", wie Manuel Schlegel, der zuständige Abteilungsleiter beim Wasserwirtschaftsamt Weiden, erklärt. Das Betonbauwerk der Vorsperre ist für Fische, die sich im Stausee befinden, ein unüberwindbares Hindernis. In Zukunft sollen schuppige Seebewohner, die wandern wollen, um Lebensräume und Laichplätze in der Schwarzach zu erreichen, eine Hilfestellung bekommen.

Für Bauarbeiten am Hauptdamm des Sees werden die Muschelbestände erfasst

Neunburg vorm Wald

Bauherr für das Projekt ist das Wasserwirtschaftsamt. Bei der Verwirklichung wird mit der Bayerischen Landeskraftwerke GmbH zusammengearbeitet, die Betreiber des Kraftwerks ist. Die Schleuse soll Fischen vielfältiger Arten und Größen den Aufstieg aus dem Stausee in die Vorsperre ermöglichen. Vorbild ist eine Anlage am Höllenstein-Stausee im Landkreis Regen, die mit einer Wanderhilfe in Form einer Druckkammerschleuse aufwartet. Diese Technik soll es auch am Eixendorfer See ermöglichen, dass die Fische einen Höhenunterschied von etwa fünf Metern zwischen dem aufgestauten See und der Vorsperre überwinden können.

Das "Herzstück der Anlage" nennt Manuel Schlegel die etwa elf Meter lange und fünf Meter hohe Schleusenkammer samt Technikschacht. Das Ganze funktioniere "ähnlich wie eine Schleuse für Schiffe an der Donau". Fische auf Wanderung erreichen zunächst eine sogenannte "Wartekammer", von dort führt sie eine Leit- oder Lockströmung über Metallrohre in die Schleuse. Das Konzept sei "gerade für nicht so schwimmstarke Fischarten von Vorteil".

Zu bestimmten zeitlichen Intervallen, sollen sich beiderseits der Schleuse zwei Schütztafeln schließen. Die genauen Zeiten werden im tatsächlichen Betrieb per Monitoring festgelegt. Über Ventile wird in der Kammer der Druck erhöht, um die Fische an die Verhältnisse im Bereich des Oberwassers zu gewöhnen – "diese Druckänderung geschieht so behutsam, dass das für sie ungefährlich ist", gibt Schlegel zu verstehen. Dann wird die Schleuse in Richtung Vorsperre geöffnet und gibt den Wasserbewohnern den Weg in Richtung Schwarzach frei. Wenn der Fischausstieg wieder geschlossen ist, und erneut Druckverhältnisse wie im See herrschen, beginnt über das Schott an der Unterseite die nächste "Einschwimmphase".

Vorgesehen ist auch, den Schuppentieren den Aufstieg zu erhellen: "Tagsüber wandernde Fische schwimmen nicht gern in dunklen Bereichen", schildert Manuel Schlegel. Deswegen sollen an verschiedenen Stellen der Schleuse LED-Lampen eingebaut werden. Die ökologische Funktion der Schleuse lässt sich auch mit Wirtschaftlichkeit verbinden: Durch die Installation einer Turbine soll auch mit dem Wasser aus der Lockströmung Strom erzeugt werden können.

Weil der Stausee nicht nur für den Hochwasserschutz gedacht ist, sondern sein Vorrat in trockenen Zeiten auch für ausreichend Wasser in der Schwarzach sorgen soll, ist der Seepegel immer wieder einmal Schwankungen unterworfen. Damit die Fischschleuse auch erreichbar bleibt, wenn der See einmal unter das eigentliche Stauziel von 430 Metern über Normalnull fällt, entsteht im Bereich der Hauptsperre ein sogenannter Beckenpass, "das funktioniert wie eine klassische Fischaufstiegsanlage", verdeutlicht Schlegel. Über insgesamt sieben Becken werde der bei üblichen Niedrigwasserphasen auftretende Höhenunterschied von zirka einem Meter abgebaut. Die einzelnen Becken werden aus Steinen gesetzt und haben jeweils eine Öffnung zum darunterliegenden Bereich, durch die das Wasser strömt. "An dieser Strömung können sich die aufwandernden Fische orientieren und gelangen auch dann zur Schleuse, wenn im See weniger Wasser ist, als üblich."

Als Kosten für das Vorhaben nennt der Vertreter der Wasserwirtschaft eine Summe von knapp einer Million Euro. "Wir hoffen, dass wir im Rahmen bleiben", sagt Schlegel, der auf "passende Ergebnisse" in der Ausschreibung hofft. Aktuell läuft für das Projekt das Planfeststellungsverfahren. Dabei wurden die Anliegergemeinden Neunburg und Rötz sowie die Fischereiberechtigten gehört. Die Planung sieht vor, dass mit dem Bau der Fischschleuse heuer im Herbst begonnen werden soll. Zu dieser Zeit soll der Seepegel wegen weiterer Baumaßnahmen am Hauptdamm – am anderen Ende des Sees – ohnehin abgesenkt sein. Im Bereich der Vorsperre soll der Wasserspiegel für die Bauarbeiten nicht fallen – "das ist unser Ziel", so Schlegel.

In der Landschaft groß auffallen wird das fertige Bauwerk der Fischschleuse einmal nicht. Die verschiedenen Bauteile sind zum Großteil – bis auf Montageöffnungen und vorgesehene Einstiegsluken – unterirdisch angeordnet. Vorgesehen ist, das Gelände nach dem Bau der umliegenden Böschung aufzufüllen und anzupassen.

Diese Planzeichnung verdeutlicht, wie die Bestandteile der geplanten Fischschleuse an Vorsperre bei Hillstett an das Kraftwerk Eixendorf II (hellgrau dargestellt) angebaut werden.

"Das funktioniert ähnlich wie eine Schleuse für Schiffe an der Donau."

Manuel Schlegel, Abteilungsleiter für den Landkreis Schwandorf beim Wasserwirtschaftsamt Weiden

Manuel Schlegel, Abteilungsleiter für den Landkreis Schwandorf beim Wasserwirtschaftsamt Weiden

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