17.06.2020 - 11:00 Uhr
Neusath bei NabburgOberpfalz

Terra-X bringt Märchenwelt nach Nabburg

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Für zwei Wochen hat sich das Oberpfälzer Freilandmuseum in Neusath bei Nabburg in ein Filmset verwandelt. Im Oktober wird das Ergebnis der Produktion im Fernsehen zu sehen sein: Der Terra-X-Zweiteiler "Magie der Märchen".

Regisseur Volker Schmidt-Sondermann (Zweiter von rechts) justiert für die Detailaufnahmen nochmal nach.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Sonnenlicht spitzt durch die Baumwipfel und wirft magische Schatten auf den moosbedeckten Waldboden. Herumliegende Äste knacksen unter den Schuhen von Hänsel, Gretel, Stiefmutter und Vater. Sie haben sich zum Holzsammeln in den Wald aufgemacht. Die beiden Kinder sehen sich erstaunt um. Riesengroße Käfer und geisterhafte Gestalten schwirren um sie herum. Mystischer Nebel steigt auf. Das ist eindeutig kein normaler Wald. Das ist ein verzauberter Wald. Bedeutungsvoll sehen sich Hänsel und Gretel an. "Hatschi" - "Und cut!" Gretel, besser gesagt Frida, musste niesen. Die Crew nimmt es mit Humor. Nochmal alles auf Anfang.

Filmproduktion im Museum

Im Oberpfälzer Freilandmuseum Neusath geht es seit Pfingsten noch geschäftiger zu als sonst. Die IFAGE Filmproduktion GmbH aus Wiesbaden dreht hier innerhalb von zwei Wochen zwei Teile für die Terra-X-Reihe. Im Fokus steht dabei die "Magie der Märchen". Behandelt werden zwei sehr bekannte Geschichten: "Hänsel und Gretel" und "Frau Holle" und deren historische und gesellschaftlichen Hintergründe. Die historische Kulisse des Museums spielt der Filmcrew in die Karten. "Wir sind super glücklich, dass wir diesen Drehort gefunden haben und, dass wir in dieser Coronaphase hier auch drehen dürfen", sagt Regisseur Volker Schmidt-Sondermann. Das Freilandmuseum biete alles, was das Team für den szenischen Dreh braucht. "Wir finden hier die optimale Voraussetzung, um unseren Dreh so effizient wie möglich machen zu können", ist Schmidt-Sondermann begeistert.

Effizienz, Disziplin und Planung sind am Set und drumherum noch mehr gefragt als sonst. Die Covid-19-Pandemie ist für die Filmproduktion eine besondere Herausforderung. Das beginnt bei der Verschiebung des Drehtermins von Ende April auf Mitte Juni, der Berufung einer Hygienebeauftragten und der Umschreibung des Drehbuchs. Es wurden zum Beispiel mehr Außenszenen hinzugefügt. Alle tragen Masken. Auch die Schauspieler. Sie setzten sie erst dann ab, wenn wirklich gedreht wird. Während der Proben treffen sich historische Gewänder und Frisuren mit Nasen-Mund-Schutz. Eine interessante Kombination. Für Szenen mit engerem Körperkontakt, zum Beispiel wenn Hänsel und Gretel die Hexe in den Ofen schubsen, wurden die Schauspieler zuvor auf Corona getestet. Jeder macht hier ein bisschen mehr als gesetzlich vorgeschrieben, damit alles gut verläuft. Schließlich soll es bald schon zum nächsten Dreh gehen.

Maske große Einschränkung

Für Volker Schmidt-Sondermann ist die Maske eine Beschränkung in seiner Arbeit. "Die Ungezwungenheit, die man normalerweise mit dem Team hat, ist nicht möglich. Man wahrt immer eine Distanz und so ist auch das Zusammenspiel mehr auf Distanz. Das kann man nur durch zusätzliche Proben und Kameraeinstellungen wieder einfangen", erklärt der Regisseur. Alles dauert ein wenig länger als sonst, da die Hygieneregeln eingehalten werden müssen. Gerade für die Maskenbildner eine besondere Herausforderung, da sie nah am Schauspieler arbeiten. Sie behelfen sich mit Plastik-Visieren, die das gesamte Gesicht abschirmen, und benutzen je nach Nähe Einweg- oder FFP2-Masken. Das Konzept geht auf, die Dreharbeiten verlaufen nach Plan und - bis auf ein paar Regentage - ohne Zwischenfall.

Normalerweise dreht die IFAGE Filmproduktion GmbH an den verschiedensten Schauplätzen in der ganzen Welt. In Deutschland ist das Team eher selten. Für "Magie der Märchen" ging es in die Oberpfalz. "Es ist natürlich ein urdeutsches Thema, in dem Fall passt das wunderbar", sagt Andrea Haas-Blenske, Geschäftsführerin der IFAGE. Die ländliche Ruhe von Nabburg und Umgebung sei eine schöne Abwechslung für alle. Die Idee, das Freilandmuseum als Kulisse auszuwählen, kommt von Claudia Ulrich. Sie ist historische Fachberaterin und zuständig für das Szenenbild und die Ausstattung. Als promovierte Historikerin sorgt sie dafür, dass selbst die Märchen historisch korrekt dargestellt werden und die Geschichte authentisch erzählt werden kann. Das fängt bei der Umgebung an und endet in Details, wie der Kleidung, der Frisur oder dem Essen. Sie hat selbst schon an der Sanierung in Freilandmuseen mitgearbeitet, daher war ihr auch Neusath gut bekannt. "Sie kennt alle Locations, europaweit", so Hygienebeauftragte Anja Kylius-Kremper. Schnell war klar, die Märchen müssen in der Oberpfalz gedreht werden.

Trotz aller Unwägbarkeiten wegen der Coronapandemie kann das Filmteam nach zwei Wochen zufrieden abreisen. Die Aufnahmen gehen jetzt in die Postproduktion, wo zum Beispiel besondere Effekte - man könnte auch sagen Magie - hinzugefügt werden. Statt in in den Wald schauen Hänsel und Gretel dann zu riesengroße Käfern, geisterhaften Gestalten und mystischem Nebel. Das ist so ziemlich das Einzige, womit das Freilandmuseum nicht dienen konnte.

Ende Mai kündigt das Landratsamt die Dreharbeiten an

Nabburg
Termin:

Im Oktober im Fernsehen

Der Terra-X-Zweiteiler "Magie der Märchen" wird voraussichtlich am 4. und 11. Oktober im ZDF ausgestrahlt. Neben den Szenen aus dem Freilandmuseum wird auch der typische Dokumentationscharakter mit Experteninterviews und Forschungsergebnissen nicht fehlen. Besonders spannend wird sein, in welchen tatsächlich existierenden Ereignissen die Märchen ihren Ursprung haben. Auch wenn man sie mit den Gebrüdern Grimm verbindet, sind die Erzählungen viel älter und wurden über Generationen hinweg mündlich überliefert. Die Grimms haben diese Geschichten zusammengetragen und aufgeschrieben. Auch nach 200 Jahren sind die Kinder- und Hausmärchen noch Stoff vieler Gute-Nacht-Geschichten und weiterer Produktion, wie zum Beispiel von Disney und in Realverfilmungen.

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