07.04.2021 - 14:10 Uhr
Neustadt am KulmOberpfalz

Neues Wanderwegekonzept für den Rauhen Kulm geplant

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Erst seit wenigen Tagen darf der Rauhe Kulm wieder bestiegen werden, und schon das Osterwochenende zeigt: Die Wanderwege zum Gipfel des Millionen Jahre alten Basaltberges sind weiterhin beliebt. Die Routen sollen jedoch überarbeitet werden.

Kenner lieben den derzeit noch gesperrten östlichen Aufstieg auf den Rauhen Kulm, der durch die Basaltblockhalde führt. Er war über 500 Jahre lang der Zugang zur ehemaligen Burg auf dem Berg. Doch besonders dort kommen auch schützenswerte Biotopbäume vor.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Die Wanderfans hatten wohl schon sehnsüchtig darauf gewartet: Ende März gaben das Landratsamt Neustadt/WN und die Bayerischen Staatsforsten in einer gemeinsamen Pressemitteilung bekannt, dass der Rauhe Kulm nach rund acht Monaten, nachdem einiges an Totholz entnommen wurde, endlich wieder für Besucher zugänglich ist. Und schon machten sich am Osterwochenende einige Ausflügler auf den Weg zu dem markanten Oberpfälzer Berg, um dort zu wandern. Doch die gerne genutzten Wanderrouten könnten sich bald ändern. In dem Schreiben von Landratsamt und Staatsforst wird nämlich auch angedeutet, dass ein neues Wanderwegekonzept auf dem Basaltberg in Planung sei, denn "es gilt den besonderen Reiz und Naturgenuss für die Besucher des Rauhen Kulms zu bewahren, dazu gehört es, den Natur- und Artenschutz entsprechen zu berücksichtigen." Doch, was bedeutet das genau für die bestehenden Wanderwege? Oberpfalz-Medien hat nachgefragt.

Das Landratsamt rechnet damit, dass wegen der Coronapandemie und später auch wegen der neuen Kulmterrasse künftig noch mehr Besucher auf den historischen Basaltberg kommen werden. Doch mehr Wanderer und Ausflügler bedeuten auch mehr Belastung für das Flora-Fauna-Habitat-Gebiet am Rauhen Kulm mit seinen schützenswerten Pflanzen und Tieren. Deshalb hat es sich die Untere Naturschutzbehörde des Amtes zur Aufgabe gemacht, zusammen mit dem Naturpark Nördlicher Oberpfälzer Wald, den Bayerischen Staatsforsten – dem Eigentümer des Rauhen Kulms – und weiteren Beteiligten wie dem Förderverein Rauher Kulm das bisherige Wanderwegekonzept zu überarbeiten. Im Vorfeld dafür seien noch Kartierungen geschützter Arten erforderlich, teilt das Landratsamt mit. Es weist aber auch darauf hin, dass die Planungen noch in den Kinderschuhen stecken würden und noch völlig offen sei, ob alle Beteiligten ein solches Gesamtkonzept tatsächlich mit unterstützen würden. "Einzelheiten zu Änderungen der Wegeführung oder den Gesamtkosten sind daher derzeit nicht absehbar", betont Pressesprecherin Claudia Prößl. Mit einer Neuanlage von Wegen rechnet das Landratsamt allerdings nicht, eher damit, den Besucherstrom mittels übersichtlicher und einheitlicher Beschilderung zu ausgewählten Punkten am Basaltberg zu lenken.

Ob der beliebte Ost-Aufgang, der früher zur ehemaligen Burg am Rauhen Kulm führte, dann zu diesen Punkten gehören wird, ist noch unklar. Denn gerade dort kommen viele Biotopbäume vor. Deshalb ist laut der gemeinsamen Pressemitteilung des Landratsamtes und der Staatsforsten vom März auch "bis auf Weiteres" der Zugang über die Ostseite gesperrt, "da dort eine Wegesicherung mit dem Verlust wertgebender Biotopbäume und deren Lebensstätten geschützter Arten verbunden wäre".

"Es wird auf jeden Fall einen Zugang zum Turm geben", betont aber Käthe Pühl, die als Vorsitzende des Fördervereins Rauher Kulm in die Planungen involviert sein wird, denn der Verein kümmert sich seit 20 Jahren um die Pflege der Routen. Ob allerdings dann vielleicht nur der West-Aufgang als offizieller Wanderweg markiert wird, steht noch nicht fest. "Der Ost-Weg ist halt der schönere", seufzt Pühl, die aber auch klarmacht, dass Kompromisse zwischen Tourismus und Naturschutz gemacht werden müssten. Denn die Tiere und Pflanzen, die auf dem bis zu 682 Meter großen Berg vorkämen, seien etwas Besonderes. "Wir haben da auch Pflanzen, die normalerweise nicht in unseren Breiten wachsen würden, zum Beispiel der Nordische Streifenfarn", sagt Pühl. "Wir müssen überlegen, wo wir es (Anmerkung der Redaktion: das Wandern) verträglich machen können." Gänzlich verbieten könne man den Wanderern das Nutzen anderer Strecken letztendlich aus rechtlichen Gründen freilich nicht, sie aber gezielt lenken schon. Deshalb findet sie es gut, wenn zum Wohle des Kulms bald alle zuständigen Behörden und Vereine an einen Tisch kommen, um zu beraten.

Immer noch vereinzelt Sperrungen am Rauhen Kulm

Neustadt am Kulm

Aussichtsturm am Rauhen Kulm wieder erreichbar

Neustadt am Kulm
Hintergrund:

Der Rauhe Kulm

  • Circa 682 Meter hoch ragt der Rauhe Kulm, das Wahrzeichen der kleinsten Stadt in der Oberpfalz, neben Neustadt am Kulm empor.
  • Bei dem rund 21 Millionen Jahre alten Basaltberg handelt es sich um einen Vulkan, der nie ausgebrochen ist.
  • Ein Aussichtsturm auf dem Gipfel des Berges bietet jährlich etwa 10.000 Wanderern einen tollen Ausblick auf die Landschaft in der Region.
  • Seit 1949 ist der Rauhe Kulm sogar Naturdenkmal.

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