04.06.2020 - 11:16 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Alle Wege führen nach Luhe

Ein Knotenpunkt alter Handelswege ist Luhe, einer davon ist die bekannte Magdeburger- oder Bernsteinstraße. Wanderer können ihre Spuren in der Region entdecken.

Der Bildstock „Weiße Marter“ ist eine spätgotische Arbeit mit vierseitigem Bildgehäuse, Nischen und Spitzgiebeln (etwa um 1470) mit Hinweis auf die Magdeburger Straße.
von Rainer ChristophProfil

Bedeutende Handelsstraßen zogen sich im Mittelalter durch ganz Europa und tangierten auch unsere Gegend. Durchzogen ist die Region von Altstraßen. Der Regensburger Universitätsprofessor Dietrich Manske spricht von einem "Altstraßensystem", das durchaus auch schiffbare Flüsse wie Naab, Regen oder die Vils nutzte. Eines ist auch durch Funde gesichert: All diese Straßen hatten Vorgänger-Wege, die teilweise zurück bis in die La-Tène-Zeit (von etwa 450 vor Christus bis zum Jahr Null) gingen. Am bekanntesten ist die "Goldene Straße" von Nürnberg nach Prag. Doch es gibt noch weitere Handelswege, die nicht außer Acht gelassen werden sollten.

Eisenstraße aus Amberg

Die Kreisstadt Neustadt/WN, aber auch Weiden dürfen sich rühmen, neben der Ost-West-Handelsstraße Kaiser Karl IV. Anteil an einer weiteren bedeutenden Altstraße zu haben. Von Amberg her kam die "Eisenstraße". "Eine Stadt der Zukunft", so wirbt Weiden als Oberzentrum der nördlichen Oberpfalz und verweist darauf, dass die Stadt "bereits seit dem Mittelalter als attraktiver Wirtschaftsstandort aufgrund ihrer Nähe zu zwei wichtigen Fernhandelsstraßen, der Goldenen Straße und der Magdeburger Straße bekannt war". Da auch Salz befördert wurde, dürfte der Name "Salzbrücke" beim Eisstadion nicht aus der Luft gegriffen sein.

Die "Magdeburger" oder auch "Bernsteinstraße" verlief von Rom aus über Florenz, Verona, Innsbruck, München, Regensburg (mit Abzweigung nach Augsburg und Nürnberg) durch das Naabtal nach Weiden, Neustadt/WN, Hof, Leipzig zu ihrem Bestimmungsort Magdeburg. Von dort aus führte der Weg nach Lübeck und die Ostsee.

Römische Berichte

Bereits bei den Römern gab es Berichte über den Verlauf der späteren Magdeburger Straße. Ihr Alter geht in das Jahr 1300 zurück. Magdeburg gehörte damals, wie Nürnberg, zu den wichtigsten Handelsmetropolen der mittelalterlichen Welt. Bis 1774 wurde dieser Fernhandelsweg aktiv genutzt, heißt es auf einer OWV-Tafel am Wegrand in den Auen der Waldnaab.

Wieder war es der Altenstädter Michael Hardt, der sich erstmals Mitte der 1950er Jahre intensiv mit diesem Handelsweg auseinandersetzte. War die Goldene Straße weitgehend mit der heutigen B14 identisch, so gilt ähnliches für die B15 und die Magdeburger Straße. Für die Oberpfalz, den alten Nordgau, legte Hardt den Weg von Regensburg aus fest: Kareth, Kallmünz, Burglengenfeld, Schwandorf, Kronfeld, Schwarzenfeld, Nabburg, Perschen, Pfreimd, Wernberg und Luhe. Letzterer Ort gilt für Hardt in der Rolle der Altstraßen als "der Knotenpunkt" schlechthin. Die Straße Luhe, Rothenstadt, Pirk, Schirmitz, Weiden, Neustadt wurde um 1774 neu gebaut und führte über die gesamte Strecke den Namen "Magdeburger Straße". Bei einer Suche in Adressbüchern der Orte ist festzustellen, dass nahezu jede Gemeinde eine "Magdeburger Straße" vorweist.

Die Chronik von Schirmitz verweist stolz darauf, dass es "historisch bewiesen ist, dass der Ort Jahrhunderte lang an einer der bedeutendsten Handelsrouten der Region, der Magdeburger Straße, lag". Obwohl vom Verlauf dieser Straße kaum mehr Spuren vorhanden seien, so dürfe "sicher festgestellt werden, dass in Schirmitz die alte Trasse noch heute so wie vor vielen hundert Jahren durch den Ort führt". Weiter heißt es: "Die heutige Hauptstraße ist in weiten Bereichen mit der mittelalterlichen Route identisch. Ein Hinweis auf die Vergangenheit ist der langgezogene Ortskern mit dem Charakter eines Straßendorfes."

Straßendörfer

In Weiden erinnert die sogenannte "Weiße Marter", ein klobiger Bildstock an der Ecke Leuchtenberger Straße und Hetzenrichter Weg an die Handelsstraße. Der ältere Weg führte nicht nach Weiden, sondern über den Hopfenweg, südlich an Almesbach vorbei Richtung Edeldorf. Auch hier bestätigt sich der Eindruck, dass die meisten der Orte richtige Straßendörfer sind, deren Charakter bis heute noch erkennbar ist. Weiter geht die Straße von Edeldorf an Hammer-Harlesberg vorbei, um unterhalb der Felixkirche, entlang der Naab nach Neustadt/WN zu gelangen.

Genau hier findet der Radler oder Wanderer Hinweise auf diese Handelsstraße. Der OWV Neustadt/WN hat sich des Weges angenommen. Hier verläuft der OWV-Waldnaabtal-Radweg. Durch die Neustädter Vorstadt ging es weiter in die Tirschenreuther Straße, von dort nach Reiserdorf und Mitteldorf. Letzter Ort im Landkreis ist Eppenreuth.

In Neustadt/WN kreuzte sich der Weg mit der Goldenen Straße, hier mündete auch die Eisenstraße ein. Über Mitterteich, Waldsassen und Eger führte ihr Weg weiter nach Osten bis zum Zielort. Von Magdeburg verlief die Route bis an die Ostsee identisch mit der Bernsteinstraße.

Bernstein ist das Stichwort. Schon damals waren Stoffe und Waren begehrt, die aus fremden Ländern kamen. Dazu gehörte der Austausch von Bernstein, Kupfer, Bronze, Edelmetallen, Salz oder Seide. Ein wesentliches Merkmal der Altstraßen, die ja nicht ungefährlich waren, sind Kapellen oder Kirchen am Rande mit den 14 Nothelfern und dem Marien-Patrozinium. Hinweise geben auch Kirchen-Namen mit Schutzpatronen der Reisenden wie St. Jakob, St. Nikolaus, St. Martin oder St. Michael. Bemerkenswert ist die sogenannte "alte" Kirche St. Jakobus am südlichen Ortsrand von Schirmitz. Sie geht in ihren Anfängen auf die Zeit zwischen 1200 und 1300 zurück und wurde 1985 renoviert.

Die Kirche St. Jakobus in Schirmitz (Landkreis Neustadt/WN) ist eine alte Wehrkirche an der Magdeburger Straße. Bis 1958 war sie Pfarrkirche. Ihre Ursprünge liegen vermutlich im 11./12. Jahrhundert.
Prellsteine aus Granit sind stumme Zeugen und begrenzen den Weg zur Hammermühle. Sie wurden vom OWV aufgerichtet.

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