24.06.2020 - 19:59 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Ein Blick in die Vergangenheit

Teil 2 der Wanderung zum Rastenhof: In der Nähe des Bauernhofs, dessen Ursprünge bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen, gibt es eine Turmhügelburg aus der Salierzeit zu entdecken.

Über 110 Jahre ist der Rastenhof mit der Familie Scheidler verbunden.
von Rainer ChristophProfil

Wir sind fast am Ziel der Wanderung angelangt. Nach dem kleinen Wäldchen taucht der Rastenhof auf. Besitzer Johann Scheidler ist gut mit der Geschichte und den Vorbesitzern des Hofes vertraut. Bis zum Jahre 1514 geht der Stammbaum der Rastenhof-Bauern zurück. Im Eigentum der Familie Scheidler ist er seit 1909.

Vielfältig ist die Geschichte des Rastenhofs. Der Name des Wirtschaftshofes änderte sich im Laufe der Jahrhunderte: Rossenhof (1514), Rastenhoff (1602), Rastenhof (1653), Rostenhof (eventuell auch ein Schreibfehler im Untertanenverzeichnis 1741), ab 1742 Rastenhof, laut Angaben des Historischen Atlasses Bayern (München, 1978).

Ersatz für Kapelle

Der große Bildstock vor der Zufahrt war nach Erkenntnissen von Pfarrer Konrad Schießl (gestorben 2007) eine Art Ersatz für die fehlende Kapelle oder Kirche. In den Wintermonaten früherer Zeiten war der Kirchgang der Rastenhof-Bewohner durch Schneewehen oft nicht möglich. Der Hof gehörte zur Pfarrei Püchersreuth. Am Bildstock konnten sich der Bauer, seine Familie und das Gesinde zu einer Andacht als Ersatz für einen Gottesdienst versammeln.

Bis 1971 gehörte die Einöde Rastenhof zur Gemeinde Lanz. Schon der Altenstädter Altstraßenforscher Michael Hardt schrieb in seiner Broschüre "Flurdenkmäler im Landkreis Neustadt /WN" (1956): "An Flurdenkmälern ist diese Gemeinde reich, kaum eine im ganzen Landkreis hat so viele Denkmäler wie Lanz." Mit der Gebietsreform 1972 kam der Rastenhof zur Gemeinde Störnstein.

Am 30. Dezember 1977 fiel der Rastenhof einer Brandstiftung zum Opfer. Eine Tragödie mit Folgen: Eine aus dem Nervenkrankenhaus entwichene Frau steckte ihn und einen zweiten, etwa zwei Kilometer entfernten, Hof in Brand. Maria Scheidler, die Tante des Besitzers, eine pensionierte Lehrerin, die an der Hammerwegschule in Weiden unterrichtete, kam bei dem Brand ums Leben. Ihr Verdienst war es, dass nicht mehr Menschen starben. Sie entdeckte den nächtlichen Brand und konnte ihren Neffen rechtzeitig warnen. Maria Scheidler starb an einer Rauchvergiftung.

Tragischer Brand

Der Brand vernichtete bis auf das Wohnhaus, das aber auch Schäden erlitt, alle Stallungen und Nebengebäude. Die Brandstifterin, die am Tag zuvor noch den Hof besucht hatte, wurde bald gefasst. Doch die Geschichte des Rastenhofes sollte weitergehen, beschloss die Familie Scheidler. Im Frühjahr darauf beseitigte der damals 23-jährige Hofinhaber Johann Scheidler alle Schäden. Ein neuer Viehstall mit Bergehalle wurde gebaut, hinzu kamen Maschinenhallen und Garagen. Auch das Wohnhaus wurde grundlegend verändert und modernisiert.

Heute wird der Hof mit einer Eigentumsfläche von 57,78 Hektar erfolgreich bewirtschaftet. Geblieben und renoviert wurde auch das alte Eingangstor zum Wirtschaftshof - Zeichen für das Traditionsbewusstsein des jetzigen Besitzers Johann Scheidler.

Hinter dem Bauernhof ist ein spannender Turmhügel zu entdecken. Wie vor 900 Jahren steht er in der Landschaft, umgeben von einem Graben, je nach Wetter im Norden voll mit Wasser gefüllt, die Südseite trocken. Vom Rand aus betrachtet, sieht der Turmhügel gar nicht so steil aus. Von oben gesehen, geht es zum Wassergraben jedoch steil hinab. Dort kann der Besucher richtig nachvollziehen, dass sich die Menschen hier sicher fühlen konnten.

Johann Scheidler berichtet, dass sein Großvater und die Vorfahren den Hügel immer geschützt und den umliegenden Wassergraben nie als Abfallgrube verwendet hätten. Die am "Schlossgraben" liegende Befestigungsanlage weist mit 15 Quadratmetern eine streng quadratische Grundfläche auf. Der Kern erhebt sich 4,86 Meter über die Grabensohle und ist ein reines Quadrat von 14,20 Metern Seitenlänge. Im östlichen Eck des Grabens führt eine Rinne nach einer etwas entfernten Quelle hin, die wahrscheinlich früher den Graben speiste. Dies stellte bereits der Weidener Forscher Dr. Hermann Vierling im Jahr 1941 fest.

Der Burgenforscher Dr. Joachim Zeune aus München sagt dazu: "Hier handelt es sich eindeutig um eine Motte." Der Name kommt aus dem mittellateinischen "mota" beziehungsweise dem altfranzösischen "motte" (Klumpen", "Erdsode") und umschreibt den aus dem Grabenaushub errichteten Burghügel. Dieser Begriff war in unserer Region nicht geläufig. Mit Hilfe einiger Experten aus Regensburg wurde der Name "Turmhügel" beibehalten.

Hölzerner Wehrturm

Motten waren Befestigungsanlagen, die in der Salierzeit vor den großen Ritterburgen gebaut wurden. Die Salier herrschten im 10. und 11. Jahrhundert, beginnend mit König Konrad II. Eine Motte besteht aus einem aufgeschütteten Erdhügel. Oben stand ein hölzerner Wohn- und Wehrturm. Das obere Gelände war mit einem starken Palisadenzaun umgeben. Außen herum lief ein Wassergraben.

Wichtig war die Schutzfunktion. In (Mittel-)Europa gab es kaum Häuser aus Stein. Der Adel lebte in Burgen aus Holz, den sogenannten "Motten". Die meisten Motten hatten daneben einen weiteren, von Palisaden geschützten Bereich. Hier waren die Ställe und Wirtschaftsgebäude untergebracht. Das Paradebeispiel einer nach archäologischen Vorgaben erbauten Motte finden Interessierte im Geschichtspark Bärnau.

Seit rund 900 Jahren steht dieser Turmhügel nahezu unverändert neben dem Rastenhof und an der Goldenen Straße.
Der Bildstock steht am Rastenhof. Im Winter, wenn der Weg zur Kirche verwehrt war, konnten die Bewohner des Bauernhofes hier Andacht halten.

Zum ersten Teil der Wanderung:

Neustadt an der Waldnaab
Sagenhaft:

Das Grab eines böhmischen Ritters am Rastenhof

Schüler der Grundschule Altenstadt/WN erkundeten vor zirka 18 Jahren den Turmhügel an einem kalten, schneelosen Wintertag. Ein Mädchen schrieb dazu eine Sage über ein verschwundenes Grab am Rastenhof.

„Eine alte Sage erzählt, dass es am Rastenhof in der Gemeinde Störnstein ein altes Grab gibt. Nur ganz wenige Menschen wissen davon, entdeckt wurde es noch nie. Vor ungefähr 600 Jahren soll es gewesen sein, als ein Ritter auf dem Weg in seine Heimat nach Böhmen am Rastenhof vorbei kam und hier haltmachen wollte. Er kam von einem Kreuzzug aus dem Heiligen Land zurück, viele Jahre war er fern der Heimat. In den vielen Kämpfen und Schlachten war er oft verwundet worden. Trotzdem hatte er nie aufgegeben, er wollte zurück in seine Heimat.

Doch eine der Wunden war nicht ausgeheilt, kraftlos stöhnte er: ,Wie gern möchte ich zurück in meine Burg in Böhmen. Die Menschen dort warten auf mich. Sollte ich aber hier sterben, bringt wenigstens meinen Leichnam in die Heimat.‘ Oben am Turmhügel verließen ihn jedoch die Kräfte. Obwohl er wusste, ganz nah bei seiner Heimat zu sein, verstarb er am Morgen nach seiner Ankunft.

Ein junger Ritter, der ihn begleitet hatte und ihn aus der Zeit der Kreuzzüge kannte, war gar nicht so böse über den Tod. Leise triumphierend flüsterte er: ,Ich werde nun der Burgherr auf der böhmischen Burg!‘ Mächtig wollte er werden und das Volk beherrschen. Und in der Tat, er schaffte sein Ziel. Schnell wurde ein Grab ausgehoben und der Verstorbene gegen seinen Wunsch darin bestattet.

Auf der Burg seines Vorgängers verkündete der junge Ritter, dass ihn der Burgherr als Erben eingesetzt habe. Seine Witwe wollte wissen, wo denn das Grab sei. ,Oh wie gern würde ich es besuchen‘, jammerte die arme Frau. Doch sie erfuhr nie, dass das Grab des Burgherren gar nicht so weit weg war.

Und am Rastenhof? In klaren Mondnächten kann man manchmal vom Hügel aus ein Jammern hören. ,Es ist der böhmische Ritter‘, flüsterten in früheren Jahren die alten Bewohner, ,er will bestimmt nach Hause‘. Das Grab selbst aber blieb bis zum heutigen Tage unentdeckt.“ (cr)

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