31.10.2018 - 10:50 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Erinnerungen an ein Traditionswirtshaus

19 Gaststätten wurden in den letzten Jahrzehnten in Neustadt/WN geschlossen. Der „Scherm“ gehört auch dazu.

Wo früher Pferde beschlagen wurden, beim Scherm-Schmied, entstand die Gastwirtschaft "Zum Scherm".
von Hans PremProfil

Das langsame Sterben in der Gastronomie, machte auch vor der Kreisstadt nicht Halt. Von ehemals über 30 Gastwirtschaften existieren gerade noch zwölf. Viele der geschlossenen Wirtshäuser sind aber noch gut im Gedächtnis der Neustädter vorhanden. Um einige ranken sich humorvolle Begebenheiten.

Wer von den älteren Einwohner erinnert sich nicht mehr an den "Scherm", eine gastronomische Institution am oberen Ende des Stadtplatzes gelegen? Hier kehrten sowohl die Honoratioren, als auch die einfachen Bürger ein und ließen sich das Bier und die Speisen beim "Scherm-Hans" schmecken.

Alte Schmiede

Eigentlich hieß dieser ja Arnold mit Familiennamen. Der Name Scherm geht auf den "Scherm-Schmied" zurück, wie er im Volksmund genannt wurde. Dieser betrieb an gleicher Stelle vor Eröffnung der Gaststätte eine Schmiede. Sie ist in alten Registern wie folgt beschrieben: "Schmiede beim oberen Torturm, außerhalb der festen, gemauerten Stadt." Von ihr hat der steile Abhang zur Waldnaab hin auch den Namen "Schmiedrangen" erhalten.

Dem Hans Arnold stand seine Ehefrau Margarete, die gute Seele der Gaststätte, zur Seite. Die "Scherm-Gretl" kochte hervorragend, was bestimmt noch viele damalige Abo-Esser des Landratsamts bestätigen können. Besonders begehrt waren die hausgemachte Sülze und die knusprig gebratenen "Gockerl".

Herzliche Wirtsleute

Beim Scherm war immer etwas los. Es gab verschiedene Stammtische, an denen Karten gespielt wurde. Die Herzlichkeit der Wirtsleute war damals schon legendär. So hatten die beiden nicht nur ein Herz für ihre menschlichen, sondern auch ihre tierischen Kunden. Der verstorbene Stadtrat Franz Gleixner feierte zum Beispiel mit seinem Labrador "Jeudi" (französisch Donnerstag) dessen Geburtstag beim "Scherm". Der "Fuchsen-Paul" zog die Quetsche und von den Wirtsleuten oder den Gästen bekam "Jeudi" eine "Geburtstagstorte" in Form einer dicken Wurst spendiert.

Hans "Stuutz" Völkl erinnert sich noch daran, dass Bürgerwehr, Marketenderinnen und der Faschingsverein nach dem Faschingszug beim "Scherm" einkehrten. "Dort trafen wir uns im sogenannten ,Spiegelsaal', weil in dem Raum halt ein Spiegel aufgehängt war." Es sei immer eine große Gaudi gewesen. Die Wirtsleute hätten sich immer gefreut über den närrischen Besuch. Nach dem Tod seiner Frau führte Hans Arnold das Wirtshaus noch bis 2008 alleine weiter.

2011 wurde das Anwesen abgerissen und wich dem Bau der Tiefgarage. Heute erinnern nur noch alte Fotos und die Erzählungen einiger Gäste an die Traditionsgaststätte.

Der Gasthof "Zum Scherm" war in Neustadt eine Institution. Die Mitarbeiter des Landratsamt schätzten das Abo-Mittagessen. Selbst am Heiligen Abend hatten die Scherm-Wirtsleute Hans und Margarete Arnold ein Herz für die Alleinstehenden. Sie hatten ihren Gasthof geöffnet.
Selbst ein Herz für Hunde hatten die Wirtsleute vom "Scherm". Alljährlich wurde der Geburtstag von Franz Gleixners Labrador "Jeudi" gefeiert. Der "Fuchsn-Paul" zog dabei die Quetschn auf.
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