03.11.2020 - 14:50 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Landratsamt kontrollierte eingestürztes Haus zuletzt vor einem Jahr – Lockere Ziegel befestigt

Zuletzt 2019 war die Baukontrolle des Landratsamtes zur Überprüfung des am Sonntag eingestürzten Hauses in der Freyung in Neustadt. Jetzt stehen von dem Gebäude nur noch die Außenmauern.

Rund um das marode Haus in der Freyung liegen die abgetragenen Balken. Durch eine dendrologische Analyse des Gebälks wäre eine Eingrenzung der Bauzeit möglich.
von Uwe Ibl Kontakt Profil

"Lockere Ziegel und Mauerteile wurden befestigt." Mit diesen Worten bestätigt das Landratsamt, dass nach der Baukontrolle des am Sonntag eingestürzten kleinen Häuschens in der Freyung 23 im vorigen Jahr zumindest ein paar Ausbesserungsarbeiten vorgenommen worden seien. Damals habe man den Bauherrn aufgefordert, "Ertüchtigungen vorzunehmen".

Notabriss in Neustadt

Außerdem hat die Behörde das Landesamt für Denkmalpflege informiert, um gegebenenfalls eine finanzielle Unterstützung für die Sanierung zu erreichen. Konkrete Pläne des Eigentümers zu einer mögliche Sanierung liegen dem Landratsamt aber nicht vor. Von Unstimmigkeiten mit dem Eigentümer wegen möglicher Auflagen des Denkmalschutzes ist im Lobkowitzschloss ebenfalls nichts bekannt, heißt es in der Mitteilung weiter.

Nur noch die Außenmauern ohne Giebel und Dachstuhl sind von dem denkmalgeschützten Haus in der Freyung nach dem Einsturz des Daches übrig.

Wegen des teilweise offen stehenden Daches auf der Nordseite des seit Jahren leerstehenden Gebäudes drang Wasser ein und schädigte das Gebälk des Dachstuhles, schrieb das Landratsamt zu den Ursachen des Einsturzes. "Der Dachstuhl brach daraufhin teilweise ein und das Mauerwerk zeigte Schäden." Weil das ganze Haus instabil war, sei eine Sicherung des Dachstuhls von innen nicht möglich gewesen. "Um die im Südbereich anschließende Nachbarbebauung zu schützen, wurde der Dachstuhl mittels Greifbagger abgetragen, die instabilen Giebel nach innen gedrückt und das Gebäude so weitestgehend stabilisiert."

Nun wird die Baukontrolle den aktuellen Zustand aufnehmen. "Im Anschluss daran werden die weiteren erforderlichen Maßnahmen geprüft", heißt es zum weiteren Vorgehen. Was dann genau möglicherweise auf den Eigentümer zukommt, könne man momentan noch nicht sagen.

Die Vorgeschichte: Notabriss durch Feuerwehr und THW

Neustadt an der Waldnaab
Kommentar:

Bruchbude oder Kleinod

Es ist wie so oft. "Endlich ist die Bruchbude weg" sagen die einen, "schade um das schöne Häusl" die anderen. "Für das Geld, das es kostet, so etwas herzurichten, kannst Du etwas neues hinstellen" , argumentieren die mit der Bruchbude. "Mehr als ein Neubau kostet die Sanierung auch nicht", kontern die Liebhaber historischer Häuser. Für die einen ist der Denkmalschutz ein Segen, für die anderen ein Fluch. In Neustadt finden sich für beide Lager Beispiele: Die ehemalige Bärenbräu mit ihrem markanten Sudhaus an der Abzweigung nach Störnstein oder das uralte Haus mit der mittelalterlichen Rußkuchl neben der neueren, aber jüngst ebenfalls abgerissenen "Deutschen Eiche". Beide historische Gebäude mussten Parkplätzen weichen. In Schmuckstücke verwandelt sind am Stadtplatz die ehemaligen Sparkassenhäuser und in der Freyung das Fachwerkhaus in der Lindenstraße hinter dem ehemalige Eisen Grader. Klar eine Stadt ist im Wandel, passt sich Geschmäckern und Notwendigkeiten an. Bei besonderen oder städtebaulich interessanten Gegebenheiten muss sich die öffentliche Hand mit einschalten, um gemeinsam mit den Eigentümern für beide Seiten trag- und finanzierbare Lösungen zu finden. Die erfordert von Seiten der Besitzer eine gewisse Offenheit. Sie hilft ihnen aber auch, im Gestrüpp der Vorschriften einen Weg für die baulichen Kleinode zu finden. Denn einmal weggerissen, bedeutet verloren für immer.

Uwe Ibl

Anekdoten:

Brot in der Schublade und Bierglas im Fenster

Der Vater des heutigen Besitzers des Anwesens Freyung 23 war bekannt unter dem Namen "Reichl-Gank". Nach den Worten von Ludwig Fritsch war er in den 50er und 60er Jahren sehr aktiv im Fasching in der Vorstadt. Fritsch erinnert sich an einige Anekdoten

  • Der "Reich-Gank" erzählte das sein Vater das Brot im Schub eines Tisches eingeschlossen habe. Als der hungrige Bub den Schub aufbrach und das Brot gegessen hatte, bekam er mächtig Ärger.
  • In den 50er Jahren im Fasching feierten einige Freunde beim "Reichl-Gank" mit einem Kasten Bier im kleinen Häusel. Als ein unter dem Namen "Häutl-Jud" bekannter Nachbar kam, war der Kasten leer. Der Tierhäute-Händler schmiss aus lauter Ärger ein Glas durch die kleinen Fensterscheiben. Der "Prößl-Glaser" setzte ein neues Glas angeblich unentgeltlich wieder ein.

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