04.09.2020 - 10:05 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

"Ich bin der Neue": 100 Tage Bürgermeister Dippold in Neustadt

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Er trägt auch als Bürgermeister nur rote Socken und sein Lieblingsplatz ist die Kaffeemaschine: Sebastian Dippold hat sich nach rund 100 Tagen im Neustädter Rathaus eingelebt. Nur eine Sache stört ihn dort.

Für den größten Medienrummel seit Beginn von Sebastian Dippolds Amtszeit als Neustädter Bürgermeister sorgte Schnuffel, der kleine Kuschelhase (vorne, grün), den der Bürgermeister auf einer Radtour gefunden hat. Da sein Besitzer nicht aufgetaucht ist, hat der Hase einen festen Platz an Dippolds Schreibtisch.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Mit einem Schlüssel in der Hand marschierte Sebastian Dippold vor rund 100 Tagen an seinem ersten Tag als Bürgermeister zum Neustädter Rathaus. Aufgeregt war er. Wusste nicht, ob er beim Vorzimmer anklopfen soll. "Ich hab mich dann vorgestellt mit: 'Guten Morgen, ich bin der Neue'." Viel zu tun gab es erst einmal nicht, denn die Coronapandemie war bei seinem Amtsantritt am 1. Mai in vollem Gange. "Der erste Tag war ruhig und voller Emails und Telefonate."

Zu wenig Speicherplatz

Trotzdem war "das erste Mal Platz nehmen auf dem großen Stuhl" ein prägender Moment seiner ersten Amtstage, sagt Dippold. Genau wie die erste Trauung. "Ich hab einen Crash-Kurs vom Standesbeamten bekommen und war ganz schön aufgeregt." Größere Überraschungen im Amt habe er bislang nicht erlebt: "Ich wusste, worauf ich mich einlasse und was meine Aufgaben sind: Sitzungen, Personalverantwortung, Repräsentation." Nur eine Sache stört den studierten Informatiker: "Ich habe nur 300 MB Email-Speicherplatz." Viel zu wenig für den medienaffinen Bürgermeister.

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Mit seinen 34 Jahren ist Dippold der zweitjüngste Mitarbeiter im Rathaus. Das soll sich bald auch in der Verwaltung bemerkbar machen. Zu seinen Hauptanliegen zählt die Digitalisierung des Rathaus. "Wir müssen in allen Bereichen digitaler werden." Informationen sollen so schneller nach außen kommuniziert werden. "Das analoge Rathaus am Stadtplatz ist deshalb nicht weg. Aber wir müssen zu den Leuten in die Hosentaschen und auf die Smartphones."

Medienrummel um Schnuffel

Auch beim größten Medienrummel in seiner bisherigen Amtszeit spielte das Internet eine große Rolle. Kuschelhase "Schnuffel" sorgte für überregionales Interesse an Neustadt. Das geschah: Der Bürgermeister findet auf einer Radtour einen Kuschelhasen und startet im Internet eine Suchaktion nach seinem Besitzer.

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Kurz darauf klopfen große Radio- und Fernsehsender an die Rathaustür: Schnuffel wird zum Internethit. Trotzdem gibt es auch negative Stimmen. "Manche Menschen verstehen einfach nicht, dass es eine schöne Sache ist, Neustadt mit einer netten Geschichte überregional zu präsentieren. Andere Kommunen geben dafür viel Geld aus."

Gartenschau und betreutes Wohnen

Geld wird in Dippolds Amtszeit an anderer Stelle eine Rolle spielen. "Durch die Kurzarbeit haben wir einen massiven Einbruch der Einkommenssteuer und auch Einbußen bei der Gewerbesteuer. Wie wir im kommenden Jahr finanziell aufgestellt sind, ist fraglich." Deshalb bleibt vor allem das "Prestigeprojekt Gartenschau" bis dato in der Warteschleife.

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"Der Weg dahin muss aber unbedingt angefangen werden." Denn der junge Bürgermeister kann auch analog: Auch das betreute Wohnen soll endlich einen Weg nach Neustadt finden. "Das ist ein Zwischenstück, das uns aktuell fehlt. Ich finde das ein tolles Modell."

Einkaufen als Glücksspiel

Insgesamt seien die ersten 100 Tage "anstrengend, vielfältig und schön" gewesen. "Das Schwerste ist, dass man nichts vergisst", findet der Bürgermeister für den sich eigentlich gar nicht so viel verändert hat. "Ich war auch davor schon ein öffentlicherer Mensch." Nur kommt er jetzt regelmäßig zu spät – weil die Leute ihn erkennen und aufhalten. "Dabei bin ich doch gar nicht so wichtig", bleibt er bescheiden. "Einkaufen gehen ist nun aber ein Glücksspiel."

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Bechtsrieth
Zur Person:

Sebastian Dippold

  • Name: Sebastian Dippold
  • Alter: 34
  • Familienstand: ledig
  • Partei: SPD
  • Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat: Neben dem SPD-Bürgermeister hat die CSU 8 Sitze, die SPD 7 und die Freien Wähler 5.
  • Hauptberuflich tätig
Info:

Wünsche, Vorstellungen, Sonstiges

Fünf Antworten auf fünf Fragen

  • Das habe ich mir anders vorgestellt: Eigentlich fast nichts, da ich aus der Gremienarbeit komme. Aber ich habe gedacht, dass das mit der EDV ein wenig leichter läuft. Auch wenn die EDV-Jungs vom Landratsamt nichts dafür können, das liegt an den Rahmenbedingungen des Netzes.
  • Mein größtes Projekt, werden die Altlasten sein. Und da ist es auch nicht mit einer Amtszeit abgetan.
  • Viel Zeit investiere ich in telefonieren, reden und zuhören.
  • Im Stadtrat würde ich mir wünschen, dass es manchmal weniger "Es ist alles gesagt, aber noch nicht von jedem"-Diskussionen gibt.
  • Meine Familie schimpft manchmal weil, ich so schwer erreichbar bin. Aber das war vorher auch schon so.

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Kommentare

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Harald Gerber

Wenn ein Bürgermeister eine ganze Gruppe als #Rechte# betitelt, und alle über einen Kamm schert, muss ich mich fragen ob er der Richtige ist als Bürgervertreter!! Ich bin in der Gruppe schon einige Zeit, aber lasse mich nicht als ein Rechter betiteln, denn ich bin ein Bürger wie jeder andere und ein Demokrat!! Diese Aussage ist eines Bürgermeisters nicht würdig, und unterste #SCHUBLADE#

05.09.2020