12.02.2021 - 11:10 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Neustädter Faschingszug in den Startlöchern – für 2022

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Traditionell am Faschingssonntag schlängelt sich der Gaudiwurm durch Neustadt. Normalerweise. Erstmals seit 30 Jahren fällt der Faschingszug nun aus. Doch die Veranstalter sind optimistisch – und planen schon für 2022.

Weniger Corona als eine Sturmwarnung brachte den Faschingszug 2020 an den Rand einer Absage. Heute sind die Verantwortlichen froh, dass sie den Gaudiwurm trotzdem starten ließen.
von Susanne Forster Kontakt Profil

Bereits im 19. Jahrhundert war Premiere: Der erste Neustädter Faschingszug ging am 14. Februar 1878 auf Tour, wie Faschingsvereins-Vorsitzender Jürgen Trescher erzählt. So richtig regelmäßig drehte der Gaudiwurm nach dem Zweiten Weltkrieg seine Runden. Ein Besuchermagnet ist er schon lange. "Wir rechnen immer mit einer Besucherzahl von rund 25.000", sagt Trescher. Im Jahr 2020 kamen etwa 15.000 bis 20.000 Zuschauer – trotz einer Sturmwarnung. Beinahe wäre der Faschingszug deswegen abgesagt worden. Der Vorsitzende ist froh, die Großveranstaltung durchgezogen zu haben, als eine der letzten vor der Coronakrise. Sonst wäre nun schon im zweiten Jahr in Folge tote Hose.

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"Es ist für uns eine Riesen-Organisation. Wir sind, was den Fasching betrifft, auf uns alleine gestellt", erklärt Trescher. Der Faschingszug kostet den Verein rund 9000 Euro, die er selbst erwirtschaften muss. Geld in die Kasse komme durch Veranstaltungen wie Faschingsbälle, im Sommer durch "Naab brennt" oder den Essens- und Getränkeverkauf beim Bauernmarkt in Neustadt.

Rund 100 Gruppen mit dabei

Ausgaben werden zum Beispiel für die Rettungssanitäter und Einsatzkräfte am Faschingszug, die Genehmigungen und das Wurfmaterial, aber auch für die Kleidung für die rund 90 Gardemädels oder den Spielmannszug fällig. Ein Förderverein unterstützt das Vorhaben. Doch 2020 seien die Einnahmequellen von März bis Dezember weggefallen. Trotzdem hätten die Kosten heuer laut Trescher gestemmt werden können, wenn es die Pandemie erlaubt und es einen richtigen Fasching gegeben hätte.

1991 bundesweit kein Fasching

Der Zug bewegt sich schon immer am Faschingssonntag durch Neustadt. Seit der Wiedergründung des Faschingsvereins 1982 ist der Zug noch nie wegen Regens Schnees oder Sturms abgesagt worden. Einzig 1991 fiel er aus: Bundesweit wurden damals alle Faschingsaktivitäten aufgrund des Golfkrieges abgeblasen. Rund 100 Startnummern gebe es pro Jahr am Faschingszug, erzählt der Vorsitzende, für alle Gruppen, die mitgehen. Etwa 10 Palletten Popcorn, 15 Paletten Chipstüten und 5 Zentner Bonbons werden ausgeworfen. Diese Snacks und Süßigkeiten stellt der Faschingsverein, andere Wurfwaren werden von den Gruppen mitgebracht.

Traditionsgemäß habe der Faschingsverein am Faschingssonntag das Schankrecht. Geschäfte und Wirtshäuser, die an der Strecke liegen, seien ausgenommen. Wenn also am Zugsonntag jemand einen Bierausschank oder einen Pizzastand aufstellt, verlange der Faschingsverein einen "kleinen Obolus" zur Refinanzierung des Faschingsumzuges. Das werde mit Sicherheit schon länger als 50 Jahre schon so gemacht, schätzt Trescher. Lobend erwähnt er den Einsatz von Polizei, Rettungsdienst, Feuerwehr und Bauhof.

Mobilmachung am Faschingssamstag

Zur Tradition des Faschingszuges gehört auch die "Mobilmachung" am Faschingssamstag: ein kleinerer Faschingszug mit Blaskapelle. Um 14 Uhr gibt es ein Treffen am Neustädter Raiffeisenplatz. Ehrenhofmarschall Karl-Heinz Bock mimt den Gendarm Haslbeck – so hieß einst der erste Polizist von Neustadt. Auf einer Leiter stehend, verkündet er am Stadtplatz, dass die Menschen tags darauf zum größten Faschingszug Nordbayerns eingeladen sind.

auch im sonst faschingsfreien Jahr 2021 erhalten: Die Faschingszeitung erscheint. Sie ist an den bekannten Verkaufsstellen erhältlich. Namen, sagt Trescher, werden in der Faschingszeitung „anonymisiert“ – zum Beispiel ist dann von einem „Wirt aus Neustadt“ die Rede.

Zu den Plänen für die nächste Saison sagt Trescher: "Wir wollen den Zug weiterhin stellen und organisieren. Wir sind in Startlöchern für 2022." Termine seien bereits gebucht, erste Bands verpflichtet worden. "Unsere Mädels warten schon darauf, wieder zu trainieren. Mir san g'richt' für nächstes Jahr."

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Hintergrund:

Die Leibgarde des Neustädter Faschingsprinzenpaares

  • 1951 wurde der Weidener Faschingsprinz Walter I. mit diversen alkoholischen Getränken versorgt und danach als Gefangener im Käfig durch die Stadt gefahren. Damals war es ein Eklat, dass die Tollität entführt wurde. Seither hat das Neustädter Faschingsprinzenpaar immer eine Leibgarde an der Seite. Angst vor Rache habe man heute aber nicht mehr.
  • Die Leibgarde besteht aus drei Personen: dem Präsidenten des Landesverbandes Ostbayern, Arthur Troidl, vormals Vorsitzender des Neustädter Faschingsvereins, dem früheren zweiten Vorsitzenden Markus Bayer sowie Karl-Heinz Bock, der traditionsgemäß am Faschingssamstag als "Gendarm Haslbeck" die Mobilmachung vollzieht.

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