09.04.2021 - 09:47 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Neustädter Weltenbummler findet neue Heimat in Ecuador

20 Jahre lang reist Christian Greiner durch die Welt. 2019 lässt sich der gebürtige Neustädter in Ecuador nieder. Der Liebe wegen. Und startet ein neues Abenteuer: Den Aufbau einer Reiseagentur. Kurz vor Beginn des Corona-Lockdowns.

Christian Greiner und seine Lebensgefährtin Angelica Torres auf dem Pfad zum Rucu Pichincha, Quitos Hausberg. Das Paar hat in Ecuador eine neue Heimat gefunden.
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Sein Leben klingt nicht nur abenteuerlich, sondern ist es tatsächlich. In den vergangenen 20 Jahren hat Christan Greiner rund 75 Länder bereist. Amerika von Feuerland bis in den Norden der USA, Taiwan, Korea und zahlreiche weitere Länder in Asien, auch in Europa war er fast überall unterwegs. "Fast jedes Jahr war ich drei Monate auf Tour", erzählt der gebürtige Neustädter (42) im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. "Oft alleine, als Rucksacktourist." Doch gerade das hat ihm ein großes Netzwerk an Freunden und Bekannten in aller Welt eingebracht.

Sein letztes Ziel war Ecuador. Dort hat er 2018 seine Lebensgefährtin kennengelernt. Angelica Torres – sie stammt aus Venezuela – hat Anthropologie und Archäologie studiert. Doch die Stellen sind in diesen Bereichen dünn gesät. Also entschied sie sich für einen Job in der Tourismusbranche. Die Idee für ein gemeinsames berufliches Standbein war schnell geboren: Der Weltenbummler und die Tourismusexpertin beschlossen, gemeinsam eine Reiseagentur aufzuziehen. Für fünf Monate kehrte Christian Greiner noch einmal für die nötigen Vorbereitungen nach Neustadt/WN zurück. Ende 2019 flog er nach Ecuador, um ein neues Leben zu beginnen.

"Das war zwölf Wochen vor dem Lockdown", erinnert er sich. "Am 10. März 2020 wurde hier alles komplett heruntergefahren. Die Landesgrenzen sind bis heute dicht. Es gibt nur wenige Flüge nach Europa und in die USA." Für den Start einer eigenen Firma die denkbar ungünstigste Zeit, sollte man meinen. Doch der Abenteurer sieht's gelassen. "Rund 100 Tage lang hatten wir einen harten Lockdown. Von 14 Uhr bis 5 Uhr nachts durfte keiner sein Haus verlassen, wir waren quasi eingesperrt." Eine Zeitlang war Christian Greiner praktisch illegal im Land, weil sämtliche Ämter geschlossen waren. Erst im Juli konnte er ein neues Visum beantragen. Probleme bekam er deswegen nicht. Die Notfallgesetze galten fast bis Ende 2020.

Doch statt zu jammern, lobt der 42-Jährige die Covid-19-Strategie von Ecuador. "Etwa 100 Tage lang durften wir vormittags nur zum Einkaufen und nicht einmal spazieren gehen. Deshalb haben wir immer einen Obst- und Gemüseladen ausgesucht, der möglichst weit weg ist, damit wir wenigstens etwas raus kommen." Die Disziplin der Bevölkerung sei ausgezeichnet. "Hier gibt es zum Beispiel Dengue-Fieber und Zikka-Fieber. Das Gesundheitssystem gelangt da schnell an seine Grenzen. Deshalb wird schon immer stark auf Hygiene geachtet. Die Menschen sind darauf anders geeicht als in Europa."

99,5 Prozent der Menschen tragen Masken und halten Abstand, schätzt der 42-Jährige. Der Rest nehme die Masken höchstens kurz mal ab, um zu rauchen oder etwas zu essen. Selbst im Auto gelte Maskenpflicht. "In den Supermärkten werden die Rollbänder nach jedem Kunden desinfiziert. Es wird Fieber gemessen." Wenn ein Auto in ein Dorf einfährt, wird es an einem Schalter mit Desinfektionsmittel eingesprüht, die Reifen rollen durch eine Desinfektionswanne.

Im Landkreis Neustadt/WN ist die 7-Tage-Inzidenz wieder leicht gestiegen

Weiden in der Oberpfalz

Aber, so Greiner: "Die Impfdosen kleckern nur ein, weil Ecuador ein armes Land ist." Die Covax-Initiative, das heißt die Unterstützung durch westliche Länder, sei noch nicht so recht in Fahrt gekommen. Das deutsche Auswärtige Amt zählt Ecuador weiterhin zu den Hochinzidenzgebieten und spricht eine Covid-19 bedingte Reisewarnung aus. Zudem gelte in acht Provinzen des Landes bis 30. April nun erneut der Ausnahmezustand, heißt es auf der Website. Die Zahl der Toten im Zusammenhang mit Covid-19 liegt im Vergleich mit der Einwohnerzahl relativ hoch.

Christian Greiner dagegen schätzt die Situation mittlerweile als relativ konstant ein. Er hat den Lockdown genutzt, um den Internetauftritt für die gemeinsame Reiseagentur "Terra Sur Travels" zu gestalten. "Außerdem gibt es viel Bürokratisches zu erledigen. Die notarielle Beglaubigung, viele Behördengänge, mein Visum, das alles zieht sich." Inzwischen finden sich auf der Homepage rund 45 Touren. Von Kreuzfahrten über Kanutouren bis zu Wandern und Bergsteigen in Ecuador, Peru und Kolumbien. "Seit vergangenen Juli reisen wir schon wieder, zumindest in Ecuador." In erster Linie allerdings er und seine Lebensgefährtin Angelica Torres, um Quartiere klar zu machen und Verbindungen mit örtlichen Guides zu knüpfen. In den wenigen Fällen, in denen das Paar mit Gästen unterwegs war, handelte es sich um Ecuadorianer. "Die Deutschen fangen jetzt an zu buchen." Sobald die Pandemie bezwungen ist, will das Paar durchstarten. Dabei schätzt der 42-Jährige die Chancen gar nicht so schlecht ein. Denn durch die Pandemie ist die Tourismusbranche stark eingebrochen, die Konkurrenz geringer geworden.

Mitten in der Allee der Vulkane

Ein lohnenswertes Ziel ist Ecuador allemal, versichert Greiner, der für sein neues Heimatland Feuer gefangen hat. Er lebt mit seiner Partnerin in Quito, der Hauptstadt. "In der Mitte der Allee der Vulkane", erzählt er begeistert. "Innerhalb von drei Stunden Fahrt finden sich hier zehn Vulkane, einer schöner als der andere." Darunter auch der Chimborazo, mit 6263 Meter der höchste Berg Ecuadors. Was viele zu seinem Bedauern nicht wissen. "Quito ist die höchstgelegene Hauptstadt der Welt auf 2850 Meter. Denn nicht La Paz ist die Hauptstadt von Bolivien, sondern Sucre, und das liegt niedriger."

Der gebürtige Weidener Herbert Stilp ist nach Australien ausgewandert

Weiden in der Oberpfalz

Der 42-Jährige liebt die Anden ebenso wie den Regenwald am Amazonas oder die Pazifikküste. Abenteuer sind überall zu finden: Piranhas angeln im Amazonas oder womöglich ein Anakonda entdecken. Die vielfältige Tierwelt auf den Galapagosinseln bestaunen oder die Bergwelt der Anden erwandern. Davon bekommt Christian Greiner selbst nie genug.

Trotzdem will er den Kontakt zur alten Heimat keinesfalls abreißen lassen. "Einmal im Jahr möchte ich gerne meine Familie in Neustadt besuchen. Das muss einfach sein." 2020, im August, ist ihm das auch gelungen. Er hofft, dass das auch in diesem Sommer wieder möglich ist. Denn außer Verwandten und Freunden vermisst er in Quito eigentlich kaum etwas, gesteht Greiner. "Außer so etwas Banales wie richtig guten scharfen Senf."

Hintergrund:

Zur Person

  • Christian Greiner, geboren 1978 in Weiden, aufgewachsen in Neustadt/WN
  • Besuch des Gymnasiums Neustadt/WN, Fachabitur an der Fachoberschule Weiden
  • Verschiedene Studiengänge, unter anderem Architektur in Würzburg und Brauereiwesen in Freising
  • Als Weltenbummler bisher in rund 75 Ländern unterwegs
  • Seit Ende 2019 sesshaft in Quito
  • 2020 Gründung der Reiseagentur "Terra Sur Travel" zusammen mit Lebensgefährtin Angelica Torres

 

 

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