16.04.2019 - 18:04 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Nach Notre-Dame: So handeln Einsatzkräfte im Notfall "Brand Kirche"

Das Inferno in Paris löst weltweit Entsetzen und Betroffenheit aus. Dass sich so ein verheerender Brand wie in Notre-Dame in jedem Gotteshaus ereignen kann, zeigte sich vor fast zwei Jahren in Moosbach.

Bereits vier Mal brannte die Kirche St. Michael. Zuletzt 1540. So sieht der Dachstuhl aktuell aus. Es scheint so, als wäre er im Brandfall ein gefundenes Fressen.
von Martin Staffe Kontakt Profil

Als Kreisbrandrat Marco Saller am Montagabend im Fernsehen die brennende Kathedrale in Paris sieht, kommen in ihm sofort die Bilder vom Schwelbrand im Kirchturm von St. Peter und Paul am 17. Mai 2017 in Moosbach hoch. Er war damals als Kreisbrandmeister bei den Löscharbeiten dabei. Nur durch das schnelle Eingreifen der Feuerwehren konnte eine Katastrophe verhindert werden (Infokasten).

Für alle öffentlichen Objekte mit Versammlungsräumen liegen nach Angaben von Jürgen Meyer, stellvertretender Leiter der Integrierten Leitstelle (ILS) in Weiden, konkrete Einsatzpläne vor. Nicht aber für die vielen Kirchen in Weiden sowie in den Landkreisen Neustadt und Tirschenreuth. Allerdings würden bei der Meldung "Brand Kirche" Einsatzmittel alarmiert, die ein Großfeuer bekämpfen könnten.

Auch wenn die Einsatzpläne nicht im Detail auf das spezielle Objekt abgestimmt seien, passten die Vorgaben zu 95 Prozent, weiß Meyer aus Erfahrung. So sei etwa festgelegt, ob und wie viele Drehleitern, wie viel Wasser, wie viele Tragkraftspritzen oder wie viel Pressluft benötigt würden.

Auch Stadtbrandrat Richard Schieder bestätigt, dass es im Falle der Weidener Kirchen noch keine Einsatzübungen gegeben hat. Dafür hätten aber wegen der engen Bebauung in der Altstadt Begehungen in St. Michael und St. Josef stattgefunden. Die Zuwege seien gut, ebenso die Aufstellflächen und die Wasserkapazität.

Die Lehren aus Notre Dame

Amberg

Ein Problem sieht Schieder allerdings: Sollten die 63 und 64 Meter hohen Kirchtürme von St. Josef - die höchsten in Weiden - in Flammen stehen, reiche die Drehleiter mit einer Arbeitshöhe von 40 Metern nicht mehr aus. Nur noch das Kirchenschiff werde dann erreicht. Das habe die Feuerwehr bei Reparaturen am Kirchendach schon praktiziert, berichtet Schieder.

Seinem Kollegen im Landkreis Neustadt, Kreisbrandrat Saller, sind ebenfalls keine speziellen Notfallpläne für Gotteshäuser bekannt. Allerdings kenne er auch kein Gebäude, das für die drei in Neustadt, Vohenstrauß und Eschenbach stationierten Drehleitern zu hoch wäre. Und für Industriegebäude würden bereits im Zuge des vorbeugenden Brandschutzes wirksame Schutzvorkehrungen wie selbstständige Löschvorrichtungen oder Sprinkleranlagen installiert. Für Einsätze etwa in Kirchen seien die örtlichen Feuerwehren gerüstet.

So bedauerlich der Brand in Paris sei, Angst macht er Stefanie Endruweit nicht. Auch wenn es keine 100prozentige Sicherheit gebe, die geschäftsführende Pfarrerin von St. Michael ist guter Dinge, "dass da in nächster Zeit nichts passieren wird". Architekten würden sich St. Michael - die Kirche hat in der Vergangenheit schon viermal gebrannt, zuletzt 1540 - immer wieder anschauen. Sollte im schlimmsten Fall bei einem Gottesdienst ein Feuer ausbrechen, bringe man die Leute über die drei Haupt- und die zwei Seiteneingänge raus. "Wir beten und hoffen, dass so etwas wie in Paris nicht passieren wird."

Relativ gelassen ist man auch in St. Josef. Kirchenpfleger Karl Süß kann sich nicht erinnern, dass es das Gotteshaus schon einmal gebrannt hat. Für die schnelle Hilfe seien Feuerlöscher vorhanden, ansonsten verlasse man sich auf die Feuerwehr. Für den Ernstfall sei eine Feuerwehrzufahrt zwischen Kirche und Pfarrhaus eingerichtet worden. "Wir haben bisher keine Angst", sagt der gebürtige Weidener.

Hintergrund:

2017 Brand in Moosbacher Pfarrkirche

Auch in der katholischen Pfarrkirche St. Peter und Paul in Moosbach liefen Sanierungsmaßnahmen, als am 17. Mai 2017 ein Schwelbrand ausbrach. Ein Arbeiter war damit beschäftigt, das Kupferblech an der Traufe zum Kirchturm zu verlängern und hartzulöten. Dabei entzündeten sich die darunterliegenden Holzbretter. Obwohl der Mann sofort versuchte, die Flammen mit einem bereitstehenden Eimer Wasser zu löschen, war es offenbar aussichtslos, dem Schwelbrand Herr zu werden. Der Handwerker erlitt Brandverletzungen an der Hand.

Mit dem Stichwort "Brand Kirche" wurden um 11.18 Uhr neben der Ortsfeuerwehr Moosbach die Feuerwehr Vohenstrauß mit der Drehleiter sowie weitere neun Wehren und mehrere Fahrzeuge des Rettungsdienstes alarmiert. Wertvolle Dienste leistete die Drehleiter der Vohenstraußer Stützpunktwehr: Die Brandstelle befand sich direkt hinter dem Kirchturm zur Verbindung mit dem Dachstuhl. Mit einer zweiten Drehleiter eilte die Feuerwehr Schönsee aus dem Nachbarlandkreis Schwandorf zu Hilfe. Die Feuerwehrleute versuchten auch, die Dachhaut mit Motorsägen zu öffnen, um an den direkten Brandherd vorzudringen.

Über das Baugerüst, das zwar den Einsatz der Drehleiter behinderte, gleichzeitig aber den Aufstieg weiterer Atemschutztrupps über die Gerüstleitern ermöglichte und eine Absturzsicherung bot, waren mehrere Trupps von außen im Einsatz, entfernten die Blechabdeckung des Verbindungsdachs und löschten das Feuer in der darunter liegenden Schalung. Glücklicherweise, auch dank der absoluten Windstille, griff der Brand nicht auf den Dachstuhl des Kirchenschiffs über. Die am Dach eingesetzten Feuerwehrmänner hatten mit den schwierigen Gegebenheiten in rund 30 Metern Höhe zu kämpfen.

Immer wieder stieg dichter Qualm aus dem Kirchenschiffdach. Pfarrer Josef Most musste mit ansehen, wie der Rauch aus der neu eingedeckten Kirche emporstieg. Eine für den Nachmittag angesetzte Beerdigung wurde in die nahegelegene Wieskirche verlegt.

Laut Polizeiinspektion Vohenstrauß hatten nur das umsichtige Handeln und die eingeleiteten Erstmaßnahmen des Bauarbeiters sowie die sofortige Alarmierung der Feuerwehren ein größeres Ausmaß des Schwelbrandes verhindert. Architekt Gerfried Mühlbauer, der das umfangreiche Sanierungskonzept in St. Peter und Paul begleitete, konnte sich in seiner über drei Jahrzehnte langen Erfahrung an keinen ähnlichen Schadensfall an einem Gotteshaus erinnern. Der Schaden belief sich auf 30000 Euro.

Den Turm der Michaelskirche baute der Parksteiner Josef Hauer als Modell nach.

Brand in Moosbacher Kirche

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