Wer für eine Feier auf der Suche nach einer passenden Örtlichkeit ist, hat es schwer. Wer solche Anfragen als Gastwirt entgegen nimmt, hat es nicht minder schwer. In allen Bereichen der Gastronomie und Hotellerie fehlt es an Personal. Nicht selten müssen deshalb Hochzeitsfeiern abgelehnt, Öffnungszeiten angepasst und zusätzliche Ruhetage eingeführt werden. Gerhard Riebel vom "Gasthof Pension Riebel" in Etzenricht spricht von einer "katastrophalen Lage", die sich zuletzt "dramatisch zugespitzt" habe. So sehr, dass der Gastwirt überlegt, sich nur noch auf Übernachtungsgäste als Kerngeschäft zu beschränken. Damit ist er nicht alleine. "Wenn man ehrlich ist, macht es keinen Spaß mehr", gibt er zu. Er rechnet damit, dass auch Vereine die Auswirkungen des Personalmangels zu spüren bekommen.
"Was man früher nebenbei laufen ließ – Stammtische, Vereinsveranstaltungen – geht in Zukunft nicht mehr", sagt der Gastwirt deutlich. Gleichzeitig weiß er den Wert solcher Gäste zu schätzen: "Wir sind damit groß geworden, dass die Leute vor Ort ihren Stammtisch oder Feiern gehalten haben." Den Etzenrichter Betrieb hat er vor 35 Jahren vom Vater übernommen. "Damals haben sich die Bedienungen gestritten, wer eine Hochzeit übernehmen darf, denn die brachte Arbeitszeit und Trinkgeld." Wenn er heute eine Hochzeit annehmen wolle, müsse er vor einer Zusage erst nachfragen, ob an besagtem Tag genug Servicepersonal da ist. In der Branche kursiere ein neuer Spruch, der die Lage verdeutlicht: "Lieber den Gast verärgern als die Bedienung." "Das kann es nicht sein", sagt der Etzenrichter Gastwirt.
"Malochen 50 bis 60 Stunden"
Zwei oder drei Hochzeiten mussten Riebel und seine Frau in diesem Jahr wegen des Personalmangels absagen. Eine Bedienung für 30 Gäste sei Standard in der Branche. Ist dieser Standard nicht zu halten, mache es keinen Sinn. "Wir haben ja auch einen Ruf." Wenn der Service schlecht ist, spreche sich das schnell herum.
Riebel beschäftigt drei Festangestellte und zwei Mitarbeiterinnen aus dem Ausland. Bis letztere eingesetzt werden können, müsse man jedoch einen langwierigen bürokratischen Akt über sich ergehen lassen. Dabei sei das Gastgewerbe auf diese Mitarbeiter angewiesen: "Ohne die ausländischen Kräfte hätten wir schon vor zehn Jahren zugesperrt." Unterstützend hinzu kommen Aushilfen. "Aber die arbeiten alle noch woanders und sind sehr eingeschränkt", fasst Riebl zusammen.
Die personellen Engpässe müssen die noch vorhandenen Mitarbeiter und Gastwirte auffangen. Sie reiben sich dabei nicht selten auf. "Andere Firmen diskutieren die Vier-Tage-Woche. Wir malochen 50 bis 60 Stunden die Woche. Da wäre bei uns ja am Mittwoch Schluss", rechnet Riebel vor. Er selbst geht auf die 60 zu. Riebels Tag beginnt unter der Woche um 6 Uhr, am Wochenende um 7. Bis 10 Uhr macht er Frühstücksservice, dann kommen Lieferungen, müssen Zimmer kontrolliert und Einkäufe erledigt werden. Das Abendgeschäft endet gegen 22.30 Uhr. "Sonntags haben wir ab 15 Uhr geschlossen, aber dann reisen schon neue Gäste an, die ihre Schlüssel haben und noch eine Kleinigkeit essen möchten." Riebel freut sich über sechseinhalb- bis siebentausend Übernachtungen mit Frühstück und Abendessen im Jahr. "Ich bin dankbar, dass das Geschäft läuft. Aber man ist auch Mensch."
"Sind massiv betroffen"
"Wir sind massiv vom Personalmangel betroffen", sagt auch Michael Lang, Inhaber der Zoiglstubn "Beim Brucksaler" in Neustadt/WN. Insbesondere Fachkräfte seien schwer zu bekommen. Der Bedarf an solchen Mitarbeitern ist groß. Erst im Frühjahr wurde beim "Brucksaler" ein neuer Eventstodl eröffnet, extra für geschlossene Gesellschaften wie Hochzeiten. Auch Lang kennt Gedanken an nötige Einschränkungen. Weil er zeitweise keinen Sous-Chef finden konnte, habe er darüber nachgedacht, den Sonntagmittag nicht mehr zu öffnen, erzählt er. Das sei aber zum Glück hinfällig.
Lang hat sieben Mitarbeiter im Hauptgewerbe, die voll- und teilzeit arbeiten, sowie 33 Aushilfen. "Wir versuchen, die personelle Unterdeckung mit Aushilfen abzufangen." Allerdings sei das nicht einfach. Bei den Aushilfen haben nämlich Familie, Studium oder Schule Vorrang. Den Pool an Minijobbern, Zweitjobbern, Quereinsteigern, Studierenden und Schülern will er trotzdem stark vergrößern, auch wenn diese Mitarbeiter kaum Erfahrung mitbringen. "Wenn ausreichend Qualifizierte zur Verfügung stünden, würden wir den massiven Ausbau von Aushilfen nicht so vorantreiben", sagt Lang klar. Aber große Feiern, die nachmittags starten und bis tief in die Nacht hinein gehen, sind wegen der gesetzlich festgesetzten Höchstgrenzen bei den Arbeitszeiten nur mit zwei Schichten zu stemmen. Und kleine Feiern rechneten sich auch wegen der Inflation heute nicht mehr.
"Es kommt nicht aufs Geld an"
Bei den Fachkräften schwirre die Pandemie noch in den Köpfen, sagt Lang. Nach den Lockdowns seien die Zweifel an der Sicherheit des Arbeitsplatzes noch immer hoch. Außerdem werde Wochenend- oder Nachtarbeit immer häufiger abgelehnt. "Es kommt nicht aufs Geld an, sondern auf die Arbeitszeiten", bestätigt auch Michael Kleber vom Wellness- und Sporthotel "Zur Post" in Tännesberg. Auch er hat seit der Pandemie große Schwierigkeiten, Personal zu bekommen. "Wir haben alles probiert. Wir finden auch für Vollzeit niemanden mehr, auch nicht aus Tschechien." Mit Aushilfen arbeiten in Tännesberg zwölf Mitarbeiter. Ein bis zwei Vollzeit-Servicekräfte, einen Mitarbeiter in der Küche und eine Kraft für die Reinigung der Zimmer würde Kleber gerne zusätzlich einstellen. Bevor er mehr dazu sagen kann, muss er das Gespräch mit Oberpfalz-Medien abbrechen. Gäste warten.
Zu schaffen machen den Gastwirten auch der ab Oktober höhere Mindestlohn und die Inflation. Wer gutes Personal haben wolle, müsse auch künftig über Mindestlohn zahlen, weiß Michael Lang. Er verdeutlicht zudem die Preisentwicklung. "Früher gab es ein Mal pro Jahr eine neue Einkaufspreisliste, jetzt monatlich, teils sogar täglich oder nur auf Nachfrage." Eigentlich müsste er die Preise wie ein Tankwart ständig aktualisieren. "Wir können nicht alle die Köpfe hängen lassen", betont er. Dafür seien aber Preisstabilität und Versorgungssicherheit – "keine Schließungen mehr" – vonnöten. Gefragt seien auch die Gäste. Der 53-Jährige appelliert an sie, die Leistung des Personals durch einen höheren Stellenwert des Trinkgelds mehr anzuerkennen. Seine Befürchtung: Steigende Preise bedeuten weniger Trinkgeld. "Aber Trinkgeld hat einen wichtigen Stellenwert, um gutes Personal zu bekommen."
Gastgewerbe hat überdurchschnittlich viele Beschäftigte verloren
- Laut einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) auf der Grundlage von Zahlen der Bundesagentur für Arbeit verloren Hotels und Gaststätten im Jahr 2020 rund 216.000 Beschäftigte – so viele wie kein anderer Berufsbereich.
- Unter den Abgängern waren zwischen Juni 2020 und Juni 2021 knapp 60.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Das entspricht einem Rückgang um 10,3 Prozent.
- Hinzu kommen Minijobber: Sie wurden nicht von Kurzarbeit in Lockdowns aufgefangen und mussten sich neue Stellen suchen.
- 35.000 aus dem Gastgewerbe abgewanderte Mitarbeiter wechselten in den Verkauf im Einzelhandel, zum Beispiel als Kassierer.
- 27000 Menschen wechselten von der Gastronomie ins Verkehrs- und Logistikgewerbe, zum Beispiel als Fahrer für Paketdienste.
- Ebenso viele heuerten im Bereich Unternehmensführung an, zum Beispiel im Sekretariat.
- Viele der abgewanderten Mitarbeiter kamen nicht mehr zurück, wohl auch wegen familienfreundlicherer Arbeitszeiten.
- Die Folge: verkürzte Öffnungszeiten, zusätzliche Ruhetage, weniger buchbare Zimmer oder sogar Schließungen.
Quelle: dpa















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