Altmannshof bei Poppenricht
11.09.2022 - 16:52 Uhr
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Personalmangel sorgt in Oberpfälzer Gastronomie für weniger Hochzeiten und mehr Ruhetage

Keine großen Feiern mehr, gekürzte Öffnungszeiten oder gleich das Aus: Der Personalmangel trifft die Gastronomie in der Oberpfalz. Andreas Kopf vom Gasthof Kopf in Altmannshof erklärt die Probleme, die er und so viele in der Branche haben.

Bekommt er eine bestimmte E-Mail-Anfrage, weiß Andreas Kopf, dass ihm die Antwort wehtun wird. Ob etwa ein junges Paar seine Hochzeit in Kopfs Gasthof feiern könne. Ob einer dort seinen 50. Geburtstag feiern könne. "Geht nicht mehr", schreibt der Gastronom aus Altmannshof (Landkreis Amberg-Sulzbach) dann zurück. "Ganz viele" solcher Anfragen erhält er noch – seit Monaten muss er die jedoch ablehnen. Auch der Partyservice sei eingestellt, ein zweiter Ruhetag in der Woche eingeführt worden. Kopf hat zu wenig Mitarbeiter und findet auch keine neuen.

Der 52-Jährige ist damit nicht allein. Der Personalmangel trifft sehr viele Wirtshäuser, Restaurants, Kneipen oder Cafés – auch in der Nordoberpfalz. Eine Auswahl:

  • Das Restaurant des Landgasthofs Kahrmühle in Pressath (Landkreis Neustadt/WN) ist seit Juli geschlossen. "Wegen Personalmangels" steht auf der Homepage.
  • In Nabburg konnte der Gasthof "Zum Stern" zu Beginn des Sommers seinen Biergarten nicht öffnen. Wegen Personalmangels.
  • "Aufgrund von Personalmangel schließen wir heute schon um 16 Uhr", steht seit Tagen auf einen Aushang an der Tür der Kochlöffel-Filiale in Schwandorf.
  • Die Burger-King-Filiale in Amberg hatte ihre Öffnungszeiten an manchen Abenden gekürzt, wegen Personalmangels, berichten Leser und so steht es in wütenden Internet-Bewertungen.

Auch andere Lokale in der Region sollen wegen Personalmangels zusätzliche Ruhetage eingeführt haben und weniger Feste annehmen, heißt es. Nicht alle reagierten aber auf Anfragen von Oberpfalz-Medien.

Bayernweit suchen knapp zwei Drittel aller Mitglieder des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Fachkräfte in Voll- und Teilzeit, sagt Andrea Kramer, die Oberpfälzer Verbands-Geschäftsführerin. Dreiviertel der Betriebe suchen Minijobber. "Im Schnitt sucht ein Betrieb nach drei Fachkräften und vier Minijobbern." Für die Oberpfalz gibt es dazu keine genauen Zahlen, sagt Kramer. "Die Betriebe im ländlichen Raum sind aber stärker betroffen als in den Städten", so ihr Gefühl. Auf dem Land fehlten die jungen Leute, die Studenten, die solche Jobs abdecken.

Mitarbeiter immer am Limit

Vor Corona hatte Andreas Kopf sechs Festangestellte und um die 30 Minijobber. "War auch schon schwierig", meint er, aber es ging noch. Die Pandemie verschärfte alles. Die Lockdowns, vor allem der zweite, sechs Monate andauernde. Einige seiner Leute hätten sich umorientiert, und nachgekommen sei auch nichts. "Das tut uns wahnsinnig weh", sagt Kopf, der für ein Gespräch in seinen leeren Festsaal im gleichnamigen Gasthof geladen hat.

Jetzt, nach den Lockdowns, hat er sechs Festangestellte und knapp 20 Minijobber, erzählt der Gastronom. Die mussten dann mehr leisten, für die anderen mitarbeiten, immer am Limit. "Irgendwann ist es denen dann halt auch bis dahin gestanden", sagt Kopf und hält die flache Hand ans obere Ende seiner Stirn. Der normale Betrieb, er war nicht mehr zu schaffen.

Die Konsequenzen: Kopf führte einen zweiten Ruhetag ein, strich den Partyservice und nimmt nicht mehr so viele Feiern an. Vor allem die großen Feste fallen weg, die Hochzeiten und Geburtstage mit 100 und mehr Gästen. Von der Größe her würde das sein Gasthof locker hergeben. Aber dann müsste er seinen Biergarten sperren, der ja auch offen hat und gerade in den warmen Monaten ein beliebtes Ziel für Radler und Hungrige in der Region ist.

Eine große Hochzeit sei ein großer Aufwand. "Da brauchst du fast schon ein Zwei-Schicht-System", sagt Kopf, "und wir sind gerade froh, wenn wir eine Schicht besetzen können." Früher konnten sich seine Leute abwechseln, ein Team am Samstag, eins am Sonntag arbeiten. "Aber diese Leute habe ich nicht mehr." Früher hatte er 25 Hochzeiten im Jahr, heuer werden es am Ende um die fünf sein. Für einen "einigermaßen normalen Betrieb" bräuchte Kopf "fünf bis acht" zusätzliche Aushilfen.

"Da bewirbt sich ja keiner"

Die liegen aber nicht einfach auf der Straße herum. Der Altmannshofer findet kein neues Personal, keine Aushilfen, keine Kochlehrlinge. "Da bewirbt sich ja keiner, auch wenn man ausschreibt", sagt Kopf. In diesem Jahr habe er nur einen neuen Mitarbeiter einstellen können.

Er könne leider nicht alle fest anstellen. Mal brauche er schließlich nur zwei Bedienungen an einem Tag, mal sechs. Kommt immer auch aufs Wetter an. An schönsten Tagen sei alles vollbesetzt: die Säle, die Terrasse, der Biergarten, 400 Plätze.

Das Problem des Personalmangels hat nicht nur die Oberpfälzer Gastronomie, es betrifft ganz Deutschland. Dort sind laut Statistischen Bundesamt fast ein Drittel der Beschäftigten in der Gastrobranche weg. Und wenn man bedenkt, dass auch anderswo – etwa in den Flughäfen oder der Pflege – eine Menge Leute fehlen, stellt sich die Frage: Wo sind die alle hin?

Nun ja, das ist offenbar nicht so leicht zu beantworten. Ein Teil sei an den Einzelhandel weggebrochen, sagt Rainer Reißfelder, Oberpfälzer Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Ein Teil sei in die Nahrungsmittelbranche abgewandert, in Milchwerke etwa. "Wo sich der Rest verstreut hat, kann ich leider nicht sagen", so Reißfelder.

Kritik an Wirten

Die wichtigere Frage ist für den Gewerkschafter ohnehin: Wie geht man mit seinen Leuten um, wie zahlt man, wie bildet man aus? "Mein Opa war Landwirt. Der sagte immer: Wenn ich im Frühjahr nichts säe, brauche ich mich im Herbst nicht wundern, dass nichts gewachsen ist." Aber viele Betriebe – nicht alle, betont Reißfelder – in der Gastrobranche seien da eben anders eingestellt. Und hinterher beschwerten sie sich. Viele hätten die Corona-Ausfallgelder lieber in die Renovierung der Gebäude und Ausstattung gesteckt, nicht in die Beschäftigten. "Gute Wirtshäuser haben einen Großteil ihrer Belegschaft halten können", meint Reißfelder.

Man müsse zwischen Festangestellten und Minijobbern unterscheiden, sagt die Oberpfälzer Dehoga-Chefin Andrea Kramer. Bei den "Festen" sei es zwar eng, aber eine "Massenabwanderung" habe es da nicht gegeben. Vor allem die Aushilfen seien weggebrochen. Der Verband, sagt Kramer, wolle die Arbeit in der Branche attraktiver machen, auch durch flexiblere Arbeitszeiten. Ein neuer Tarifabschluss, bessere Gehälter, eine neue Ausbildungsverordnung. "Die Wertschätzung der Mitarbeiter ist absolut präsent." Der Personalmangel sei trotzdem nur über Zuwanderung zu stemmen. Die ausländischen Mitarbeiter würden derzeit auch noch fehlen und nur zögerlich zurückkommen. Es sei immer ein bürokratischer Aufwand, die ins Land zu holen.

Auch Andreas Kopf glaubt, dass es in den kommenden Jahren nur mit Hilfe aus dem Ausland funktionieren wird. Für seine eigene Zukunft sieht der Altmannshofer aber nicht so schwarz. "Ich mache das ja saugern", sagt er, der schon als kleiner Bub im Wirtshaus mitgeholfen hat. "Es geht weiter, aber halt anders."

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