20.05.2018 - 10:20 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Psychisch Kranke zurück in Beruf bringen

Immer mehr Menschen werden psychisch krank, weil sie den Belastungen am Arbeitsplatz nicht gewachsen sind. Helfen soll die Kooperation zwischen Arbeitsverwaltung und Bezirksklinikum Wöllershof. Sie wird jetzt mit einem Preis gewürdigt.

Bewährte Kooperationspartner: (von links) Dr. Markus Wittmann, Bezirkstagspräsident Franz Löffler, Psychiatriekoordinatorin Anna Magin, Thomas Würdinger, Christian Hofmann und der Leiter der Bezirkssozialverwaltung, Benedikt Schreiner. Bild: Bühner
von Siegfried BühnerProfil

(sbü) Bereits ein Jahr nach Abschluss der Kooperationsvereinbarung zwischen den Dienststellen der Arbeitsverwaltung in der nördlichen Oberpfalz und den Medizinischen Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz (medbo) gab es im Bezirksklinikum Wöllershof Anlass zum Feiern. "Ich freue mich mitteilen zu können, dass unsere Kooperation von der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit einen Preis für herausragende Leistungen in der Kategorie Vernetzung erhalten hat", sagte Bezirkstagspräsident Franz Löffler. Begründet wurde die Preisverleihung "mit dem innovativen Charakter, der Nachhaltigkeit und dem Vorbildcharakter der Idee".

Ausgangspunkt für die Zusammenarbeit ist laut Löffler, dass "oftmals die Kunden der Arbeitsverwaltung unsere Patienten sind und umgekehrt". 50 Prozent des Neuzugangs an psychisch Kranken kämen aus dem ersten Arbeitsmarkt. Viele von ihnen müssten "den harten Weg in eine Werkstatt gehen". Dies zu verhindern und den Weg zurück in den ersten Arbeitsmarkt zu ebnen, darum bemühten sich die Kooperationspartner. Wichtig sei dabei vor allem, den Betroffenen wieder zu Vertrauen in ihre Fähigkeiten zu verhelfen. Löffler verwies auf das neue Teilhabegesetz, das die Möglichkeit eröffne, Leistungsdefizite durch Lohnzuschüsse und andere Hilfestellungen für den Arbeitgeber auszugleichen.

Auch Arbeitsagentur-Chef Thomas Würdinger lobte die Arbeit in der Kooperation. Schon vor drei Jahren habe das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung festgestellt, dass es keine Zusammenarbeit zwischen Jobcentern und der Psychiatrie gebe. Oft fehle es bei Menschen mit psychischen Problemen nicht an der Qualifikation", stellte Würdinger fest. Doch psychische Erkrankungen seien für Vermittler schwer zu erkennen. Dass psychisch Kranke nicht ihre intellektuellen Fähigkeiten verlieren würden, betonte Dr. Markus Wittmann, Ärztlicher Direktor des Bezirksklinikums Wöllershof. Primär seien es nicht die "Schwachen", sondern ehemalige "Top-Leistungsträger", die zu Patienten werden. Notwendig sei ein langsamer Wiederheranführen an das Arbeitsleben.

Wie die Kooperation abläuft, schilderte Christian Hofmann, Teamleiter bei der Arbeitsagentur Weiden. "Wir wollen den Kunden dort abholen, wo er steht", sagte er. Regelmäßig treffe sich eine gemeinsame Arbeitsgruppe, um durch Absprachen die Arbeitsabläufe an den Schnittstellen beider Einrichtungen zu optimieren. Es gibt Beratungstage der Arbeitsagentur im Klinikum mit vorheriger Übermittlung der Beratungswünsche. Dazu sei ein Datenaustausch über die meist "multiplen Problemlagen" erforderlich. Auch der gegenseitige Wissenstransfer über die jeweiligen Arbeitsrahmen und die Abläufe gehört zum Programm. In Supervisionsmaßnahmen und Hospitationen in der Arbeitstherapie des Suchtbereichs lernen Vermittler den richtigen Umgang mit psychisch Erkrankten - einschließlich der dabei erforderlichen deeskalierenden Gesprächstechniken.


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