20.08.2019 - 15:39 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Seltener Wiedehopf schaut in Neustadt vorbei

Der Wiedehopf ist ein seltener Vogel. Nur noch zehn Paare sollen laut LBV in Bayern brüten. Umso mehr freut sich Robert Wilfert aus Neustadt/WN, als er den farbenprächtigen Vogel auf seinem Grundstück entdeckt.

Einen seltenen Wiedehopf bekam Robert Wilfert aus Neustadt/WN vor die Fotolinse.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Es war einer jener Momente, die das Herz eines Naturliebhabers höher schlagen lassen. "Ich habe mich riesig gefreut, mit knapp 61 Jahren zum ersten Mal einen Wiedehopf in freier Natur sehen zu können. Ich bin mir sicher, das wird mir kein zweites Mal passieren", sagt Robert Wilfert gegenüber Oberpfalz-Medien. Der Neustädter war am Freitag auf dem Weg zum Weihergrundstück seines Sohnes in der Gramau, als er aus dem Auto heraus den Vogel auf dem Weg entdeckte.

"Er war eifrig mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt, kurze Zeit später flog er in unser Grundstück und hat sich überhaupt nicht scheu gezeigt", berichtet Wilfert. Ausgerechnet an diesem Tag hat der passionierte Hobbyfotograf keine Kamera dabei. Er dreht schnell um und holt sie schnell von zu Hause. "Ich musste mit dem Auto im Abstand von nur drei Metern an dem Vogel vorbei. Zu meiner Überraschung blieb er sitzen."

Als Wilfert zurückkommt war der Wiedehopf verschwunden, tauchte aber nach einer Viertelstunde wieder auf. Der Neustädter zückt seine Kamera. "Gut 20 Minuten konnte ich ihn filmen und fotografieren", freut sich Wilfert. Einen Tag später, am Samstag, war der Vogel nicht mehr da. "Es ist die Zeit des Rückflugs nach Afrika", vermutet der Tierfreund. "Ich denke, er kam von Norden und hat sich hier noch einmal gestärkt."

Wiedehopf in Neustadt/WN gesichtet

In Bayern war der Wiedehopf früher weit verbreitet. Aktuell sind nur noch wenige Paare übrig. Der Landesbund für Vogelschutz geht von acht bis zehn Brutpaaren aus. Deutschlandweit schwankt die Anzahl zwischen 380 bis 460 Paaren. Gesichtet wird der farbenprächtige, spechtgroße Vogel mit dem markanten Federkamm und dem langen Schnabel aber immer wieder mal. der LBV weiß von Sichtungen in Marktredwitz, Nabburg oder Sulzbach-Rosenberg. "Auch in Etzenricht schaut er fast jedes Jahr vorbei", berichtet Adolf Küblböck aus Weiherhammer. Der LBV-Ehrenvorsitzende hat sogar extra einen Brutkasten aufgehängt (40 mal 40 Zentimeter groß, einen halben Meter über dem Boden an einem Baum befestigt), doch der Vogel wurde nicht sesshaft. Dass der seltene Wiedehopf nun in Neustadt auftauchte, freue ihn sehr. Der Vogel stehe mittlerweile auf der Roten Liste bedrohter Tierarten.

"Als Höhlenbrüter bevorzugt der Wiedehopf lockere Waldflächen, Streuobstwiesen und Weide-, Garten- und Ackerlandschaften mit wenig intensiver Bodennutzung", weiß Küblböck. Steinhaufen, Erdspalten oder Baumhöhlen in Totholz bieten ihm ideale Brutplätze. Er ernährt sich vor allem von Großinsekten wie Heuschrecken. Auch Schmetterlinge, Käfer, Spinnen und Ameisen stehen auf seinem Speiseplan. Das Insektensterben und die intensive Landwirtschaft würden den Vogel in seinem Lebensraum zunehmend bedrängen, bedauert der LBV-Experte.

Für Küblböck ist der Wiedehopf ein "königliches Tier", ähnelt der Federkranz auf dem Kopf doch ein Krone. Und die hat eine besondere Funktion: "Fühlt er sich bedroht, dann stellt er seine Federhaube auf. So gewinnt er an Körpergröße und beeindruckt seine Gegner ebenso wie die Weibchen beim Balztanz."

Adolf Küblböck wird die Augen weiter offen halten und freut sich über jede Sichtung. Die dürfen Tierfreunde auch gerne dem LBV melden. So kann dieser die Kartierungen der Tierbestände aktuell halten. Robert Wilfert hat seinen Teil bereits dazu beigetragen.

Ein Wiedehopf bei Neustadt/WN.

Infos zum Wiedehopf beim Landesbund für Vogelschutz (LBV)

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