05.02.2020 - 19:22 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Stadtplatz Neustadt verändert Gesicht

Schräg gegenüber des Landratsamtes in Neustadt tut sich etwas: Nach heftigem Diskurs um das Trommer-Anwesen wird am oberen Stadtplatz ein neues Gebäude entstehen. Ein sehr markantes, zeigt der Siegerentwurf des Architektenwettbewerbs.

von Uwe Ibl Kontakt Profil

Der Siegerentwurf des Wettbewerbs für das Anwesen am oberen Ende des Stadtplatzes gegenüber des Schlosses stammt von den Schettler-Architekten aus Weimar. Das Preisgericht spricht von einem "überraschenden und dann doch überzeugenden Beitrag zum spannungsvollen Weitererzählen des Stadtplatzes wie zu einer zeitgemäßen architektonischen Antwort zu einem belebenden Neubau unserer Zeit an diesem für die Stadt so prägendem Ort".

Mit diesem Gebäude werde die Eingangssituation zum Stadtplatz wieder geschaffen, meinte Bürgermeister Rupert Troppmann. Es erinnere an die früher hier stehende Kommandantur. "Der fast kubistische Baukörper löst sich aus dem Alignement der Bürgerhäuser", formulieren die Experten. Der preisgekrönte Entwurf reiche am weitesten in den Straßenverlauf hinein und komme damit der früheren Straßenführung nahe, indem es die Flucht der übrigen Häuser am Stadtplatz verlässt und den Gehweg durch die Arkaden führt, übersetzt Trottmann diese Aussage. "Dann öffnet sich der Platz."

Zur Vorgeschichte: Diskussion um Zukunft des Trommer-Anwesens

Neustadt an der Waldnaab

An dieser Stelle sei im Lauf der Jahrhunderte immer ein Solitärgebäude gestanden, eines das als etwas architektonisch besonderes gelte. Allerdings erscheine das Gebäude noch etwas zu hoch. Aber: "Wir sind im Jahr 2020 und wollen keine historisierende Fassade, aber auch nicht zu futuristisch sein", beschriebt der Bürgermeister ein Anliegen bei der Entscheidung. "Schau her: eine Kleinstadt in der Oberpfalz traut sich etwas zu bauen, das etwas Besonderes, ein Extra, ist und trotzdem dazu passt", ergänzt der Stadtchef.

Dieses Extra nehme mit kronenartig angeordneten drei Giebeln auf jeder der vier Gebäudeseiten den Rhythmus der Stadthäuser auf. und vermittle "räumlich spannend vom linearen Stadtplatz zum asymmetrisch positionierten Stadtschloss", so das Protokoll der Besprechung des zehnköpfigen Preisgerichts mit Architekten sowie neben dem Bürgermeister noch den Stadträten Josef Arnold (CSU), Achim Neupert (SPD) und Gerhard Steiner (FW). Die Entscheidung für den ersten mit 15 000 Euro dotierten Preis und die nächsten zwei Ränge fiel mit einer Gegenstimme.

Der Stadtplatz und sein Pflaster

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Dazu beigetragen hat auch, die Anordnung des Treppenhauses und der Wohnungen, der Fahrradabstellplätze, des Lifts statt einer Einfahrtsrampe für Autos zu den Duplexgaragen ins Untergeschoss sowie die Platzierung der Stadtgalerie und die Anbindung des Brauerei-Stadels. Der bekommt beim Siegerentwurf den Brauereipart in Richtung Westen und am Hang über der Waldnaab eine Terrasse.

Unter den nicht berücksichtigten Entwürfen gebe es einen, den Troppmann als Jodlerhotel und einen, den er als Riesenbunker bezeichnet. Beide passen nach Meinung des Preisgerichts nicht in die Stadt. "Am wichtigsten ist mir ein Abschluss des Stadtplatzes." Der wäre auch bei einigen anderen Ideen gegeben gewesen. Dort aber fanden die Fachrichter bei der ganztägigen Sitzung des Preisgerichtes Mängel wie Tiefgaragen, bei denen die Zufahrt zu beengt erschien, fehlende Funktionsräume für Müllbehälter oder zu geringe Raumhöhen. "Die haben mit einem Lineal auf den Plänen nachgemessen", staunte Troppmann. Bei einem Entwurf waren die Gewerberäume zur Straße hin zweigeschossig also maisonetteartig mit innenliegender Treppe gestaltet, bei einem anderen beeindruckte der erste Stock als Beletage mit erhöhten Räumen.

Nächster Schritt nach dem Wettbewerb sind nun Verhandlungen mit dem Architekten des Siegerentwurfs, dann geht es um Förderungen, die Detailplanung und Kosten. "Wenn wir bis Jahresende eine genehmigte Bauplanung haben, sind wir sehr schnell", sagt Bürgermeister Troppmann zur Zeitschiene für das Projekt, dass er seinem Nachfolger weiterreicht.

"Schau her: eine Kleinstadt in der Oberpfalz traut sich etwas zu bauen, das etwas besonderes, ein Extra, ist und trotzdem dazu passt."

Bürgermeister Rupert Troppmann

Ausstellung:

Die zehn Vorschläge zum Trommer-Anwesen

Alle zehn eingereichten Arbeiten des Architektenwettbewerbs sind bis Dienstag, 11. Februar, im Pfarrheim St. Georg ausgestellt. Die Entwürfe sind täglich auch am Wochenende von 13 bis 17 Uhr für die Öffentlichkeit zugänglich.

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