11.05.2019 - 00:11 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Steiner will es nochmal wissen

Die Freien Wähler legen nach. Am Freitagabend gab Gerhard Steiner in der Jahreshauptversammlung der Freien Wähler seine Bereitschaft bekannt, noch einmal für den Bürgermeisterposten zu kandidieren.

Gerhard Steiner geht als dritter Kandidat in das Rennen um das Bürgermeisteramt in der Kreisstadt.
von Uwe Ibl Kontakt Profil

Bereits im Herbst hatten bei der CSU Armin Aichinger und bei der SPD Sebastian Dippold ihre Kandidatur für das Amt bekanntgegeben. Nachdem Rupert Troppmann nach zwei Perioden an der Stadtspitze nicht mehr antritt, stehen nun schon drei potentielle Nachfolger in der Warteschleife.

Steiner hatte Troppmann bei seiner ersten Kandidatur 2008 überraschend in die Stichwahl gezwungen. Bei deren Auszählung war lange nicht klar, dass am Ende Troppmann die Hände in die Höhe recken durfte. Nach dem Ausscheiden von Gerd Werner war damals die Situation ähnlich wie jetzt: Kein Kandidat hat einen Amtsbonus.

Steiner hatte sich für diesmal Bedenkzeit ausbedungen. Seine Parteifreunde ermunterten ihn bei der Klausur im Januar, noch einmal anzutreten. Jetzt in der Jahreshauptversammlung sei der richtige Moment, die Entscheidung öffentlich zu machen, sagte der derzeitige Fraktionssprecher der Freien Wähler.

Eigentlich ist der gebürtige Neustädter mit seinem Beruf als Rektor der Grund- und Mittelschule Floß und Flossenbürg zufrieden. Doch angesichts von zwei Seiteneinsteigern als Konkurrenten und seiner 24-jährigen Zeit als Stadtrat mit der entsprechenden Erfahrung in der Lokalpolitik sagte er zu, um das Amt zu kämpfen. "Wir sind als Freie Wähler schon so lange im Stadtrat, da müssen wir einen Bürgermeisterkandidaten stellen. Das sind wir den Bürgern schuldig." Die Vorstellung der Bewerber von CSU und SPD habe ihn innerlich motiviert, sich zur Wahl zu stellen, bekennt Steiner.

Zugleich lobt er die bisherige parteiübergreifende Zusammenarbeit im Stadtrat. "Was hier in den vergangenen Jahren an Gemeinsamkeit gewachsen ist, möchte ich weiter fördern." Der 60-Jährige, den seine Freunde nur "Ge" nennen, glaubt, dass er trotz seines Alters aufgeschlossen und tolerant sei mit einer gewissen Portion positiver Gelassenheit. "Das ist mir als Schulleiter ebenso immer wieder bestätigt worden, wie zuhören und andere Meinung akzeptieren zu können."

Die generationengerechte Stadt mit einem Schwerpunkt für Senioren, die stärkere Würdigung des Ehrenamts auch schon für junge Leute und den Artenschutz stellte der Vater von fünf erwachsenen Kindern als seine Hauptthemen vor. Daneben will er die von Troppmann initiierte Idee eines Kommunbrauhauses weiterverfolgen und auch bei der Altlastenproblematik weiter anschieben. "Diese wertvollen Flächen müssen wir für die Freizeitgestaltung nutzen und in das Naturkonzept einbinden."

Der Einsatz für den Artenschutz ist derzeit durch das Bienen-Volksbegehren wieder in aller Munde. "Ich war vor acht Jahren als Lehrer an der Mittelschule Neustadt mit der Umgestaltung des Schulgeländes befasst, das damals schon unter dem Motto 'Rettet die Bienen' stand", sieht Steiner hier eine Kontinuität, auf die er aufbauen möchte. Schließlich gebe Ministerpräsident Markus Söder das jetzt als Aufgabe an Kommunen und Gemeinden. "Wir wollen städtische Flächen blühfreundlich umgestalten und mit Bürgern Ideen entwickeln. Ein weiteres Anliegen der Freien Wähler sei die Bekämpfung der Lichtverschmutzung durch intelligente Lampen.

Als allerwichtigstes Thema nannte Steiner aber die Entwicklung von Konzepten für altersgerechtes Wohnen. "Um das umzusetzen gibt es Anregungen aus anderen auch kleinen Gemeinden und braucht es eine Person, die kräftig anschiebt." Es gehe um mehr als ein Haus mit altersgerechten Wohnungen, wie Albrecht Walther aus Bad Neustadt bei einem Vortrag in der Kreisstadt bereits aufgezeigt habe.

Schließlich sprach Steiner noch vom kleinen Traum einer Städtepartnerschaft, den er habe, seit er im Stadtrat sitze. Ein mögliches Pflänzchen mit der 20 000-Einwohner-Stadt Kirkintilloch bei Glasgow in Schottland wachse aus der Jugendbegegnung von Operation Friendship (OF). Viel laufe mit der Arbeitsgemeinschaft Neustadt in Europa. "Das heißt nicht, bei Partnerschaften noch mehr zu tun."

Als gebürtiger Neustädter sei er sehr mit der Stadt verwachsen, bekennt Steiner. Er habe durch seinen Berufsweg aber auch andere Blickwinkel kennengelernt. "Ich möchte in und für die Stadt etwas bewegen, verbessern und fortführen."

Kommentar:

Das Orakel ist überfordert

An eine Vorhersage, wer auf Rupert Troppmann im Rathaus folgt, hätte sich wohl nicht einmal das Orakel in Delphi gewagt. Mindestens drei Kandidaten werden am Wahlabend am 15. März 2020 für Spannung sorgen. Zwei davon sind Neulinge im Sitzungssaal, einer ein erfahrener Stadtrat, der schon zweimal antrat und davon einmal in der Stichwahl quasi auf der Schwelle zum Dienstzimmer des Bürgermeisters stand. Alles andere als ein erneuter Urnengang zwei Wochen später, wäre eine riesen Überraschung. Für deren Ausgang werden die Wettquoten noch einmal ähnlich eng beieinanderliegen. Bleibt zu hoffen, dass die Kandidaten Armin Aichinger (CSU), Sebastian Dippold (SPD) und Gerhard Steiner (Freie Wähler) mit einem interessanten und inhaltsvollen Wahlkampf um Stimmen werben werden.

Uwe Ibl

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