11.07.2018 - 19:37 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Warten auf eine Genehmigung

Landratsamt zögert mit Einsatz von Nachtzieltechnik gegen die Afrikanische Schweinepest: Jäger beklagen die "Hinhaltetaktik".

Wildschweine bei Nacht.
von Martin Staffe Kontakt Profil

(ms) Ist das Neustädter Landratsamt bei der Erteilung der Genehmigung des Einsatzes von Nachtzieltechnik für die Schwarzwildbejagung zu zögerlich? Die Behörde sagt Nein, aus der Jägerschaft wird dagegen scharf gegen das Amt geschossen.

Paul Haberkorn aus Kirchenlaibach, der fünf Kilometer von der Landkreisgrenze entfernt wohnt und unter anderem im Bereich Grafenwöhr auf die Jagd geht, stellte bereits am 21. Januar 2018 Antrag auf Erteilung einer Erlaubnis zur Verwendung von "Dual use"-Nachtzielvorsatzgeräten in Verbindung mit dem Infrarot-Strahler zur Bejagung der Wildschweine. Nahezu zeitgleich reichte er das Gesuch auch beim Landratsamt Bayreuth ein. Die Oberfranken gaben schon am 20. März grünes Licht, Neustadt bis heute noch nicht.

In der Folgezeit entwickelte sich mit der Unteren Jagdbehörde im Lobkowitzerschloss ein reger Schriftwechsel. Haberkorn spricht von einem "Drama" und verweist auf ein Schreiben vom 24. Januar. Darin fordere die Behörde ausdrücklich die stärkere Bejagung des Schwarzwilds und begründet dies mit der drohenden Afrikanischen Schweinepest (ASP). Gleichzeitig habe die bayerische Landesregierung eine Abschussprämie beschlossen. "Für mich stellt ihre Forderung, den Antrag mit entstandenen Wildunfällen und Wildschäden zusätzlich zu begründen, einen Widerspruch dar", entgegnete Haberkorn dem Amt auf dessen Anforderungen.

Für den Jäger ist es unverständlich, wenn ein Landkreis, der an Tschechien angrenze, bei der Erteilung eines Hilfsmittels zur Schwarzwildbekämpfung dermaßen hohe Hürden aufstelle. Dies sei in anderen Kreisen wesentlich einfacher, zielorientiert und vor allem schneller. Diese Regionen seien zudem weiter von Tschechien entfernt, wo die ASP schon ausgebrochen sei. "Sollten Sie weiter an ihrer ablehnenden Haltung festhalten, senden Sie mir bitte einen klagefähigen Bescheid zu. Diesen werde ich anwaltschaftlich prüfen lassen und auch an den Bauernverband weitergeben", teilte der Waidmann dem Amt mit.

Der Kirchenlaibacher verweist auf einen Besuch von Umweltminister Marcel Huber am 22. Mai in Bayreuth. Dieser sieht in der Verminderung des Schwarzwildbestands die einzige Schutzmöglichkeit vor der ASP.

Seit Dezember 2017 dürfen die Jäger verstärkt Nachtzieltechnik verwenden. Das Landratsamt Bayreuth habe den Einsatz von 15 künstlichen Lichtquellen, von 35 Nachtsichtvorsatzgeräten und von 72 Kombinationen von Nachtsichtvorsatzgeräten und künstlichen Lichtquellen für die Wildschweinjagd genehmigt, verriet bei dieser Gelegenheit Tina Tolksdorf von der Unteren Jagdbehörde des Landratsamts Bayreuth. Hartmut Wunderatsch, oberfränkischer Bezirksvorsitzender des Bayerischen Jagdverbandes, fügte hinzu, dass auch im Bereich Hof, Wunsiedel, Kronach und Bayreuth der Einsatz dieser Geräte sehr stark genehmigt worden sei.

Für das Landratsamt Neustadt stellt sich das Verfahren mit Paul Haberkorn allerdings etwas anders dar. "Als Herr Haberkorn seinen Antrag ursprünglich gestellt hatte, haben wir noch überhaupt keine Nachtzielgeräte genehmigt. Außerdem fehlten auch wichtige Angaben", erklärt Pressesprecherin Claudia Prößl. Haberkorn wollte auch mit Verweis auf das Verfahren in Bayreuth nicht mehr Angaben machen und stattdessen Rechtsmittel einlegen, sobald er einen förmlichen Ablehnungsbescheid erhalten hätte.

Dazu sei es dann aber nicht mehr gekommen, da das Landratsamt wegen der Verbreitung der ASP den Einsatz von Nachtzielgeräten bei der Wildschweinjagd nicht mehr grundsätzlich ablehne, so Prößl weiter. Natürlich würden solche Gesuche aber immer einzelfallbezogen und nur im gesetzlich eingeräumten Umfang genehmigt. "Wir haben als besondere Serviceleistung alle, die bis dahin konkret angefragt hatten, speziell angeschrieben und das von uns erstellte Antragsformular unmittelbar zugesandt, auch Herrn Haberkorn."

Der Kirchenlaibacher habe daraufhin angefragt, ob er das Formular verwenden müsse, weil er ja schon einen Antrag gestellt habe. Das sei bejaht worden, da ein einheitliches Verfahren notwendig sei, ergänzt Prößl. Außerdem sei es erforderlich, weil es wichtige Bestandteile beinhalte, wie zum Beispiel den Hinweis, dass Antragsteller keine Schadenersatzforderungen dem Amt gegenüber geltend machen könnten. Wenn Haberkorn plausibel begründe, dass es viele Wildschweine in seinem Revier gebe und diese mit den legalen Methoden nicht ausreichend bejagt werden könnten, stehe aus jetziger Sicht einer Genehmigung nichts im Wege. Diesen Antrag habe er noch nicht gestellt, erklärt die Sprecherin.

Haberkorn bestätigte, dass er den Antrag vergangenen Freitag gestellt und auch den vom Amt geforderten Nachweis einer Jagdhaftpflichtversicherung, die auch das Nachtzielgerät beinhaltet, nachgereicht habe.

Zum Artikel "Nachtzielgeräte gegen Wildsauen":

Neustadt an der Waldnaab
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp