11.09.2019 - 15:32 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

"Wasserstoffregion" Neustadt/WN: Landrat Andreas Meier begeistert

Wasserstoffgewinnung aus kommunalem Biomüll oder mit dem "Wasserstoff-Baxi" durch den Landkreis? Landrat Andreas Meier freut sich über die Aufnahme in das Förderprogramm "Wasserstoffregion". Er sieht Raum für viele "spinnerte" Ideen.

Wasserstofftankstellen gibt es noch viel zu wenige. Das Netz muss ausgebaut werden.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Der Landrat und das Team der Wirtschaftsförderung im Landratsamt sind „begeistert von dem Erfolg“, heißt es in einer ersten Reaktion in einer Pressemitteilung. „Das Thema Wasserstoff soll künftig einen weiteren Schwerpunkt in der Nachhaltigkeitsstrategie des Landkreises bilden.“

Der Landkreis Neustadt/WN wurde, wie berichtet, vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur als eine von neun „Wasserstoffregionen“ für das Programm „Hyland“ ausgewählt. Gefördert werden Konzepte zu den Themen Wasserstoff und Brennstoffzellen auf der Basis erneuerbarer Energien im Verkehr, aber auch in den Bereichen Wärme, Strom und Speicher. Insgesamt hatten 138 Regionen Interesse bekundet. Meier ist überzeugt, „dass gerade der ÖPNV und die individuelle Mobilität in einem Flächenlandkreis wie dem unseren allein durch klassische E-Mobilität nicht abgedeckt werden können“. „Zur Wasserstoffgewinnung könnte ich mir sehr gut ein Modellprojekt gemeinsam mit der Stadt Weiden, dem Landkreis Tirschenreuth und der OTH Amberg-Weiden vorstellen, bei dem wir den kommunalen Biomüll aus der braunen Tonne als Grundstoff verwenden.“ Seiner Meinung nach sei das eine nachhaltige Form der Entsorgung, „anstelle den Müll quer durch die Republik zu karren“. Gespräche hätten aber noch keine stattgefunden.

Landrat: "Eines der wichtigsten Energiethemen"

Der Landkreis hatte sich im Frühjahr online für „HyLand“ beworben und anschließend durch ein Grobkonzept ergänzt, wie Pressesprecherin Claudia Prößl auf Nachfrage mitteilt. An der Ausarbeitung waren neben dem Landrat auch Stefan Härtl und Barbara Mädl von der Wirtschaftsförderung des Landkreises sowie die OTH Amberg-Weiden mit Professor Markus Brautsch beteiligt.

„Jetzt warten wir auf den Förderbescheid und die inhaltlichen Details“, sagt Prößl. Dann erst könnten die nächsten Schritte besprochen werden. Der Förderzeitraum soll rund zwei Jahre umfassen. Neben dem Thema E-Mobilität (hier gibt es bereits erste Konzepte) sieht der Landkreis den Wasserstoff als eines der wichtigsten Energiethemen der nächsten Jahrzehnte. „Daher setzen wir unsere personellen Ressourcen entsprechend zielgerichtet ein“, sagt die Sprecherin.

Noch zu wenig Wasserstofftankstellen

Beim Wasserstoffmotor basiert das Grundprinzip auf der Verbrennung von Wasserstoff (H2) mit Sauerstoff (O2) zu Wasser. Viele kennen es als „Knallgas-Reaktion“ aus dem Chemie-Unterricht. Ausgangsrohstoff ist Erdgas. In einem Auto mit Brennstoffzelle läuft die Reaktion aber kontrolliert ab, die erzeugte Energie treibt den Elektromotor an. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) will lieber "heute als morgen klimafreundlich unterwegs sein". Die Zahl der Wasserstofftankstellen soll sich in Deutschland bis 2020 von aktuell rund 65 auf 100 Stück erhöhen. Zum Vergleich: herkömmliche Tankstellen gibt es 14 000, außerdem bundesweit 10 000 Ladestationen für E-Autos.

Ausgewählt wurden für das Programm außerdem die Regionen Rügen-Stralsund, Lausitz, Reutlingen, Kiel, Weimar und Marburg, sowie Allgäu und Landkreis Schaumburg.

Info:

Förderprogramm "HyLand"

Die Zukunft der Mobilität soll emissionsfrei sein.Vor diesem Hintergrund hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) die Regionenförderung "HyLand" ins Leben gerufen. HyLand ist Teil des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff und Brennstoffzellentechnologie (NIP) und soll dazu beitragen, Wasserstoff als Energieträger im Verkehrssektor durch die Nutzung regionaler Synergien wettbewerbsfähig zu machen.

Da keine Region in Deutschland ist wie die andere, startet HyLand mit einem auf die Bedürfnisse der Regionen zugeschnittenen dreistufigen Ansatz:

HyStarter: In einer ersten Stufe werden Regionen durch individuelle Beratung befähigt, die Potenziale von Wasserstoff in regionalen Wertschöpfungsketten - von der Wasserstofferzeugung über die Speicherung, die Logistik bis hin zu Wasserstoffanwendungen mit dem Hauptaugenmerk auf den Verkehrsbereich - zu identifizieren.

HyExperts: In der zweiten Stufe erhalten Regionen, die bereits über Grobkonzepte verfügen, eine Förderung maßgeschneiderter Beratungsleistungen zur Planung von umsetzungsfähigen Wasserstofffeinkonzepten.

HyPerformer: In der dritten Stufe wird die konkrete Umsetzung von Wasserstoffkonzepten unterstützt: Mittels Investitionszuschüssen - also einer Beschaffungsförderung - sollen regionale, integrierte Wertschöpfungsketten mit einem Fokus auf der Mobilität etabliert werden.

Die besten Energiekonzepte der letzten beiden Stufen sollen einmal realisiert werden. (Quelle: BMVI)

Wasserstoff hat Zukunft

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