09.09.2020 - 14:21 Uhr
NittenauOberpfalz

Grünes Licht für Amazon-Ansiedlung

Der Versandhandels-Riese Amazon will in Nittenau ein Verteilzentrum bauen. Der Stadtrat stellt in seiner Sitzung die Weichen für das Vorhaben. Doch es gibt auch kritische Stimmen.

Auf diesem Areal soll das Verteilzentrum entstehen. Die dort stehenden Hallen müssten abgerissen werden.
von Ingrid SchiederProfil

Die geplante Ansiedlung des Internet-Giganten Amazon bewegt: Das bewies die große Zuhörerzahl bei der Stadtratssitzung in der Regentalhalle. Dabei stellten der geschäftsführende Gesellschafter der "TIH Real Estate GmbH", Christoph Thelen und Bauleiterin Nicole Scheuer aus Essen sowie Projekt-Manager David Lovric von Amazon die geplante Maßnahme vor.

Was veranlasst Amazon dazu, in Nittenau ein Verteilzentrum zu errichten? Projekt-Manager David Lovric nannte die hohe Bestellquote in dieser Region. Amazon Logistics verfüge mittlerweile über 80 Verteilzentren in Europa. Das Ziel sei es, noch besseren und schnelleren Service zu schaffen, betonte der Redner.

Amazon will Logistikzentrum in Nittenau bauen

Nittenau

Die "TIH Real Estate GmbH" stellte deshalb den Bauantrag zur Errichtung eines Logistikzentrums. Das Grundstück liegt im Bereich des Bebauungsplans "Schlingmann-Areal III" und ist voll erschlossen. Das Verteilzentrum wird in Kombination mit einem Bürotrakt und 126 Stellplätzen errichtet. Dabei handelt es sich laut Planung um eine Fläche von 7300 Quadratmetern für Halle und Bürotrakt. Als Mieter fungiert Amazon.

Das Unternehmen wird den Sonderbau für zunächst zehn Jahre anmieten. In der Regel folgen dann weitere Mietverträge mit einer Lauflänge von jeweils fünf Jahren.

Arbeit im Drei-Schicht-Betrieb

Wie Lovric weiter ausführte, werden die Pakete im Drei-Schicht-Betrieb über 24 Stunden an sechs Tagen in der Woche sortiert und verladen. Die rund 130 Mitarbeiter benötigen keine formale Ausbildung. Die Logistikmitarbeiter verdienen laut Lovric zu Beginn ihrer Tätigkeit 11,91 Euro pro Stunde. Sie erhalten nach 24 Monaten einen Bruttoverdienst in Höhe von 2500 Euro.

Die Anlieferung der Pakete erfolge nachts von 22 bis 8 Uhr. Dabei handelt es sich um 20 Lastwagen. In Spitzenzeiten - zum Beispiel in der Weihnachtszeit - können es bis zu 25 Lkw werden. Die Auslieferung an die Haushalte erfolgt von 9 bis 14 Uhr, Expresslieferungen bis 15 Uhr.

Bis zu 420 Fahrten

Dabei kooperiert das Unternehmen laut Lovric mit Kurierdienstpartnern, deren Fahrer dort direkt beschäftigt sein müssen. Hier rechne man mit 230 Fahrten pro Tag. In der Vorweihnachtszeit prognostizierte der Redner eine Steigerung auf 420 Fahrten. Hinzu kämen noch 30 Expressfahrten.

Das Zustellgebiet erstreckt sich im Norden bis nach Eslarn, im Osten bis an die tschechische Grenze, im Süden bis Deggendorf und im Westen bis Parsberg.

Auch befristete Verträge

Bürgermeister Benjamin Boml erkundigte sich nach dem Vortrag, wie das Unternehmen bei der Ausschreibung von Arbeitsplätzen vorgehe. Lovric antwortete, dass man zunächst an die Stadt herantreten wolle und mit dem lokalen Jobcenter kooperiere. Man habe auch Erfahrungen mit Langzeitarbeitslosen und Flüchtlingen. Anteilig starte man mit befristeten Arbeitsverträgen. Es sei unterschiedlich, wann diese in unbefristete Arbeitsverhältnisse münden. Mit Zeitarbeitsfirmen gebe es auch Kooperationen, er könne aber nicht sagen, wie viel das sei, so der Sprecher.

Zum befürchteten Verkehrskollaps meinte er, dass bei der Routenplanung Engpässe - wie beispielsweise die Regenbrücke - berücksichtigt werden. Bei Problemen werde der Fahrer abgemahnt, es gebe Sanktionen bis hin zur Kündigung. Es werde einen Standortleiter geben, an den man sich wenden könne, versprach Lovric. Dem Unternehmen sei an einem guten Miteinander gelegen. Es bringe sich daher auch ein - beispielsweise bei Projekten wie Aufforstung, Schaffung von Blühwiesen und der Unterstützung von Veranstaltungen.

Christoph König fragte, ob das Gebäude nach zehn Jahren leer stehe. Christoph Thelen antwortete, dass man die Planung für weitere Nutzungsmöglichkeiten übernehme, wenn absehbar sei, dass Amazon das Gebäude nicht mehr nutzen werde.

Widerspruch von den Grünen

Elisabeth Bauer (Bündnis90/Die Grünen) kündigte an, dass die Grünen dem Vorhaben nicht zustimmen werden. Sie sei zwar für eine Ansiedlung von Gewerbetreibenden, aber gegen den Ausverkauf des Gewerbegebietes an einen Großkonzern. Ursprünglich sei ein Gewerbegebiet für mittelständische Betriebe entwickelt worden. Diese würden Steuern zahlen, attraktive Arbeitsplätze schaffen und nachhaltige Kaufkraft sichern.

Es sei nicht damit zu rechnen, dass Umsatz- und Gewerbesteuer an die Kommune gezahlt werden, fuhr die Sprecherin fort. Bauer sprach auch die problematische Verkehrssituation, die zusätzliche Verkehrsbelastung und den Lärmpegel an. Langfristig würden durch die Ansiedlung von Amazon doppelt so viele Arbeitsplätze verloren gehen, befürchtete sie.

Zwei Gegenstimmen

Mit den zwei Gegenstimmen der Grünen - Elisabeth Bauer und Christoph König - stimmte der Stadtrat der Änderung des Areals im Flächennutzungsplans in ein Industriegebiet zu. Bisher war es als Sondergebiet Geflügel, beziehungsweise als Fläche für Wald ausgewiesen.

Der nächste Punkt betraf dann direkt den Bauantrag zur Errichtung dieses Logistikzentrums. Hier ging es um Befreiungen und Abweichungen vom Bebauungsplan. Hier fiel vor allem die Höhe der Lärmschutzwand auf: Diese werde auf einer Länge von etwa 60 Metern von 2,50 auf 6,50 Meter ansteigen. Anschließend wird sie einen Meter kleiner und dann wieder auf 2,50 Meter reduziert. Mit den Gegenstimmen von Elisabeth Bauer, Christoph König und Roland Gebhard stellte der Stadtrat das gemeindliche Einvernehmen her und akzeptierte die Abweichungen vom Bebauungsplan. Das gleiche Abstimmungsergebnis gab es beim Bauantrag der TIH Real Estate GmbH zur Errichtung einer Stellplatzfläche für 169 Lieferfahrzeuge.

Amazon-Pläne lösten Freude und Skepsis aus

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