24.01.2020 - 16:31 Uhr
NittenauOberpfalz

Perspektiven für Fachleute

Fachkräftemangel besteht vor allem in sozialen Berufen, der Gastronomie und im Maschinenbau. Am 1. März tritt das Fachkräfte-Einwanderungsgesetz in Kraft. Was es damit genau auf sich hat, wird bei einem Infoabend der SPD deutlich.

Eva Högl, die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, sprach über das neue Fachkräfte-Einwanderungsgesetz.
von Ingrid SchiederProfil

"Mehr Fachkräfte braucht das Land": Unter diesem Motto lud die SPD zu einer Info-Veranstaltung ein. Als Moderatorin des Abends fungierte Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder, die zahlreiche Besucher in der Hotelgaststätte Pirzer willkommen hieß. Eva Högl, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, machte zunächst deutlich, dass hierzulande ein erheblicher Fachkräftemangel bestehe. Der Bedarf liege laut Studien bei insgesamt 200 000 bis 400 000 Menschen netto. Netto bedeute Menschen, die sich längere Zeit oder dauerhaft hier ansiedeln.

Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz sei zuerst auf Unverständnis gestoßen. Lange sei daran gearbeitet worden, hob die Sprecherin hervor. Es eröffne neue Perspektiven für Fachleute aus Nicht-EU-Ländern, die hier Arbeit oder eine Ausbildung finden können. Klar und transparent sei dabei ein Regelpaket erarbeitet worden, unter welchen Voraussetzungen es gelingen könne, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Mehr als 20 Jahre lang habe die SPD-Bundestagsfraktion für dieses moderne Einwanderungsgesetz gegen Widerstände der Unionsparteien gekämpft. Das Gesetz beschränke sich nicht auf Hochschulabsolventen, sondern richte sich auch an alle Fachkräfte mit einer Berufsausbildung aus Drittländern. Künftig könnten Bewerber, die über die entsprechende Qualifikation verfügen, leichter in Deutschland einwandern. Die bisherige Vorrangprüfung, ob es bevorrechtigte Bewerber auf dem Arbeitsmarkt gebe - wie Deutsche oder EU-Bürger - falle weg.

Das neue Gesetz ermögliche es, dass die Einwanderer sechs Monate nach Deutschland kommen. In dieser Zeit sollen sie sich hier akklimatisieren und auf die Suche nach einem Ausbildungs- oder Arbeitsplatz machen. Während dieses halben Jahres müssen sie ihren Lebensunterhalt selber bestreiten. Durchlaufen müssen sie außerdem eine Sprachprüfung und die entsprechenden Qualifikationen mitbringen. "Die Anerkennung der ausländischen Berufsqualifikation ist ein Flaschenhals", so Högl. Und so soll diese Anerkennung im beschleunigten Verfahren erfolgen. Effizienter gestaltet werde die Erwerbszuwanderung dadurch, dass jedes Bundesland eine zentrale Ausländerbehörde einrichten soll.

Auch könnten Menschen, die auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind, nach Deutschland einwandern. Als Voraussetzung dafür müssen die Einwanderer die deutsche Sprache gut beherrschen und dürfen das 25. Lebensjahr nicht vollendet haben. Auch dürfe es zu keinem Lohndumping kommen. Bezahlung und Arbeitsbedingungen müssten mit denen inländischer Fachkräfte identisch sein. Und Fachleute, die über 45 Jahre alt seien, müssen eine angemessene Altersvorsorge nachweisen können, damit sie nach Eintritt ins Rentenalter nicht auf soziale Leistungen angewiesen sind. "Ich bin ein großer Fan davon, dass sie auch das Wahlrecht haben und sich in der Gesellschaft einbringen können", unterstrich die Rednerin abschließend.

Nach ihren Ausführungen bestand die Möglichkeit zur Diskussion. Deutlich wurde dabei auch die Diskrepanz, die zwischen Wunsch und Realität beziehungsweise der gängigen Praxis von Abschiebungen klaffe. Auch Bedenken bezüglich einer Veränderung der Gesellschaft wurden laut.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.