28.04.2020 - 18:42 Uhr
Oberpfalz

Die nukleare Teilhabe Deutschlands ist bald eine Illusion

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Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg betont, dass die Allianz an der gemeinsamen atomaren Abschreckung festhält. Doch diese Gemeinsamkeit zerbröckelt, wegen Deutschland und wegen der USA.Ein Kommentar von Alexander Pausch.

Eine Bundeswehr-Kampfflugzeug vom Typ Tornado rollt auf der Startbahn des Fliegerhorsts Büchel (Kreis Cochem-Zell) in der Eifel. Auf dem Gelände des Bundeswehr-Flugplatzes sollen US-Atombomben lagern.
von Alexander Pausch Kontakt Profil
Kommentar

Deutschland ist zwar keine Atommacht, aber die Bundeswehr wäre im Falle eines Krieges sehr wohl in der Lage Atombomben abzuwerfen. Die dafür vorgesehenen Sprengsätze gehören zwar den US-Streitkräften und sind unter deren Kontrolle. Aber sie lagern auf dem deutschen Fliegerhorst Büchel in der in Rheinland-Pfalz. Von dort würden sie durch die deutschen Tornado-Kampfflugzeuge über Feindesland abgeworfen.

Das Konzept stammt aus dem Kalten Krieg und soll sicherstellen, dass Nicht-Nuklear-Mächte wie Belgien, Italien, Niederlande und Deutschland in die Planung und den Einsatz von Atomwaffen einbezogen werden. Die Sorge war immer, dass die USA wahlweise im Falle eines Angriffs mit Atomwaffen durch die Sowjetunion in Europa die Europäer im Stich lassen oder die Europäer bei einem Atomwaffeneinsatz übergehen.

In der Sprache der Abschreckungsstrategen, Militärs und Sicherheitspolitik firmiert dieses Konzept als nukleare Teilhabe.

Vonseiten Deutschlands wackelt diese Teilhabe jetzt aus technischen Gründen. Die Bundesrepublik hat der Nato für den Atomkrieg 46 nuklearfähige Trägerflugzeuge zugesagt, den Tornado. Doch der betagte Kampfjet muss ersetzt werden. Dafür will das Verteidigungsministerium amerikanische F-18 von Boeing kaufen. Prinzipiell scheint das Flugzeug dafür geeignet, doch die anderen Staaten setzten auf das neuere US-Modell F-35. Über kurz oder lang werden sich alle taktischen Pläne und Übungen an der F-35 orientieren. Die Luftwaffe mit der F-18 fällt hinten runter.

Auf er anderen Seite machen sich die US-Streitkräfte von den Europäern unabhängig. Im Februar ist das erste strategische US-Atomunterseeboot mit neuartigen Atomwaffen in See gestochen. Die Interkontinentalraketen tragen atomare Sprengköpfe mit reduzierter Sprengkraft für gezielte, chirurgische Angriffe, wie dies im Militärjargon heißt. Für deren Einsatz brauchen die USA keine Zustimmung der Europäer. Das stellt die nukleare Teilhabe infrage. Zumal die US-Raketen auch als Antwort auf die Stationierung von Mittelstreckenraketen durch Russland gelten.

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