"Für Fahrschüler wäre es optimal, im Herbst und Winter bei Eis und Schnee zu lernen, weil sie dann wichtige Erfahrungen machen. Aber a grad ab Oktober sind es weniger, und pünktlich mit den ersten Sonnenstrahlen im Februar wird's wieder mehr", plädiert Klaus Eiban, Lehrer bei der Fahrschule Barth, für die raue Zeit des Jahres zum Lernen, Üben und Erfahrungen sammeln.
Was gibt's zu lernen? "Innerorts ändert sich durch Herbst und Winter nicht so viel, Abstand zum Vordermann gilt ja immer, aber außerhalb geschlossener Ortschaften muss man weit vorausschauender fahren: Auf Nebel, Feuchtigkeit, Laub oder auch Erdeklumpen aus den Rillen der Traktorreifen auf der Fahrbahn achten. Das gilt vor allem in Kurven. Für Motorradfahrer kann eine zu hohe Geschwindigkeit schnell im Graben enden, denn wer in der Seitenlage in der Kurve abbremst ... Das war's dann."
Bewusstsein für Gefahren
Wer ist besonders gefährdet? "Vorsichtig fahren ist für alle das A und O, und ehrlich gesagt sehe ich allgemein ein Problem bei der Einhaltung von Verkehrsregeln, bei Fußgängern, Rad- und Autofahrern ... also bei allen. Aber gerade die 16- und 17-Jährigen überschätzen sich und ihr Fahrzeug schnell mal, das versuche ich ihnen mitzugeben. Weniger Druck, mehr Ruhe täte allen gut."
Bei bisher 1500 Fahrschülern seit 1982 sind manche dabei, die nach der Prüfung noch Fotos schicken, stolz posierend vor einer neuen Maschine, und bei jüngeren Geschwistern kommt zur Anmeldung die große Schwester oder der große Bruder mit ("kennst mich noch?"). Seit 2010 ist Eiban bei der Amberger Fahrschule Barth in der Sebastianpassage. "Bei uns im Haus ist auch die Verkehrswacht untergebracht. Die bieten ein- oder zweimal im Jahr Auffrischungskurse an, Theorie und Praxis. Ich sehe jeden Tag einige auf der Straße, denen ich das gern empfehlen würde."
Neue Regeln
Neue Regeln beim Kreisverkehr, beim Vorbeifahren an Bussen mit Warnblinkanlage: "Da werden meine Fahrschüler angehupt, weil sie korrekt Schrittgeschwindigkeit einhalten, ein Irrsinn. Und beim Grünpfeil-Schild an der roten Ampel muss man erst mal stehen bleiben, wie bei einem Stoppschild, und dann dem kreuzenden Verkehr Vorfahrt gewähren", wird der Lehrer leidenschaftlich.
Allgemein habe die Hektik zugenommen: "Die ist überall zu spüren. In der Stadt um 16 oder 17 Uhr versucht jeder, so schnell wie möglich nach Hause zu kommen, dann staut sich alles im Kreuzungsbereich und nichts geht mehr. Dabei müsste man dort selbst bei Grün vor der Haltelinie stehen bleiben. Da bauen sich die Aggressionen auf, dabei könnte man die viel besser im Boot-Camp oder am Boxsack rauslassen."
Raureif-Tipps
Welche speziellen Rauhreif-Tipps hat der versierte Autofahrer für die Leser der OWZ? "Also ganz praktisch: Jetzt schon das Wischwasser auffüllen und Frostschutz dazu geben, die Kühlflüssigkeit plus Frostschutzmittel in der Werkstatt überprüfen lassen, neue Scheibenwischer montieren, vielleicht auch die Garage frei räumen, damit das Auto darin Platz hat und morgens nicht eingeeist ist. Für das Auto, das bei mir draußen stehen muss, nutze ich persönlich Eisspray, das trägt man wie ein Fensterreinigungsmittel auf und verflüssigt das Eis, wenn die Schicht nicht zu dick ist. Ansonsten: Entspannt bleiben, vorausschauend fahren."
Gilt der alte Spruch "Winterreifen von O bis O, von Oktober bis Ostern" noch? "Ist alles etwas durcheinander geraten", erklärt Eiban lachend. "Generell sind Winterreifen bei dauerhaften Temperaturen unter 5 Grad Pflicht, dann haben sie den richtigen Grip. Und bitte nicht vergessen: Nicht nur die Scheiben müssen alle komplett frei von Eis und Schnee sein. Auch das Dach, Besen bereit stellen! Eine Sonnenbrille im Handschuhfach für Fahrten bei tiefstehender Sonne kann ich empfehlen, und eine Wärmedecke im Kofferraum, falls man mal liegen bleibt oder im Stau steht. Auch nicht verkehrt: Eine Tüte Streusalz für 1,50 Euro aus dem Baumarkt und ein kleiner Klappspaten, falls man mal in den Graben rutscht und sich frei schaufeln muss."
36 Jahre "zweiter Gang"
Spürt Eiban nach 36 Jahren noch Begeisterung für seinen Beruf? "Ich kenne jede Bordsteinkante in Amberg und könnte auch manche Inhalte auf Band aufnehmen und abspulen", und er spricht so sonor wie ein Navi: ",Kupplung, Schulterblick, zweiter Gang, ...', aber von den Situationen her ist jeder Tag neu und ich unterrichte gern, auch wenn die Generation jetzt ganz anders tickt." Wie tickt sie denn? "Manche machen ihren Schein mit 16, damit sie mit 17 begleitet fahren können. Und das Jahr zwischen 16 und 17, jetzt von der Reife her und zum Beispiel wenn es um kurzfristige Terminabsagen geht, das macht schon viel aus. Freunde fragen mich, wie ich mit Anfängern überhaupt losfahren kann - aber ich bin furchtlos, habe Vertrauen in meine Schülerinnen und Schüler, und weiß ja auch aus Erfahrung, was man machen muss, um Gefahren vorzubeugen."
Ein Beispiel? "Einem Motorradschüler habe ich mal Dampf gemacht, als er auf der Autobahn immer noch langsamer wurde. Weil das Stoppschild einer Baustellenausfahrt schief stand und für ihn so aussah, als würde es in unsere Richtung zeigen. Also, mitdenken und nur im Ausnahmefall Druck aufbauen", sagt Eiban schmunzelnd und wünscht den Oberpfälzern allzeit gute Fahrt. (mvs)















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