Ein Ort von historischer Tragweite

Seit der Abholzung des Burgumfelds sind die Reste der mittelalterlichen Festung „Haus Murach“ von allen Seiten einsehbar. Die Geschichte dieses Herrschaftssitzes spiegelt auch ein Stück bayerische Landesgeschichte wider.

In einem wildromantischen Zustand präsentiert sich die Burgruine vor 100 Jahren.
von Georg LangProfil

Beim sommerlichen Burgfest der Feuerwehr Obermurach rückt Anfang August alljährlich „Haus Murach“ in den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Geschehens. Die Burgruine lässt heute noch die strategische Bedeutung dieses einstigen Herrschaftssitzes im Oberviechtacher Land erkennen. Wie die Burg Flossenbürg so zählte im Mittelalter auch Murach zu den Eigengütern der Sulzbacher, in deren Zusammenhang der Name Murach erstmals belegt ist.

„Gerunch de Mourach“ begleitete Graf Berengar I. von Sulzbach 1110 auf einem Italienfeldzug. Die frühen Muracher waren Dienstmannen der Sulzbacher, die von dieser Festung aus den Landausbau nach Osten betrieben, die Gebiete verwalteten und die Verkehrswege sicherten. Mit dem Tod des Grafen Gebhard von Sulzbach erlosch 1188 das Geschlecht der Sulzbacher in der männlichen Linie. Gebhards reiches Erbe fiel an seine drei Töchter, von denen Elisabeth von Sulzbach mit Graf Rapoto I. von Ortenburg verheiratet war. Damit begann auf Murach und dem benachbarten Warberg die Herrschaft der Ortenburger, die zu den einflussreichsten Dynastien Bayerns zählten. Nach Erbstreitigkeiten der Ortenburger kam ihr Besitz im 13. Jahrhundert an den Wittelsbacher Herzog Ludwig II. von Oberbayern, der die Burg Murach mit seinen Dienstleuten besetzte.

In dem in der bayerischen Geschichte bedeutenden Hausvertrag von Pavia (1329) der Wittelsbacher fiel Murach zusammen mit dem Großteil der Besitzungen auf dem Nordgau an die Pfälzische Linie der Wittelsbacher. Die Verbindung zur Rheinpfalz mit dem Herrschaftszentrum Heidelberg bedeutete die Abspaltung der neuen „oberen Pfalz“ vom übrigen Bayern. Hauptstadt dieses Territoriums war Amberg mit dem Sitz der kurfürstlichen Verwaltung. Seit dem 13. Jahrhundert taucht für Murach in den Quellen immer wieder die Benennung „Haus“ auf, die sich im Volksmund bis heute als Bezeichnung für die unterhalb der Burg gelegene Ortschaft Obermurach erhalten hat. Bezogen auf die Burg verrät dieser Begriff die Nutzung der Festung als Wohnburg oder Schloss, wie es auch im Merian-Stich von 1644 ausgewiesen ist.

Seit einigen Jahren ist das Umfeld der Burg abgeholzt. Der dadurch entstandene freie Blick sowie bildliche Rekonstruktionsversuche lassen erahnen, welch gewaltige Festung die Burg Murach einst gewesen ist. Der Aufbau weist alle typischen Merkmale einer mittelalterlichen Burganlage auf, wobei der Bergfried – wohl nicht vor 1250 erbaut – der heute am besten erhaltene Teil der einstigen Festung ist. Von der Aussichtsplattform auf dem etwa 20 Meter hohen Turm hat der Betrachter einen herrlichen Rundblick in alle Richtungen des Oberviechtacher Lands. Das Staatliche Bauamt Amberg-Sulzbach, das behördlicherseits das im Besitz des Freistaats Bayern befindliche Denkmal betreut, hat in den zurückliegenden Jahren wertvolle Bestandserhaltung betrieben. Die Reste der äußeren Ringmauer und die Mauern des inneren Burghofs mit seinem strategisch engen und hoch gelegenen Zugang wurden restauriert. Palas, Kapelle, Getreidespeicher und Wirtschaftsgebäude sind nur noch in den Grundmauern erkennbar.

Heute ist die von Grund auf restaurierte Burgruine kein Ort im Dornröschenschlaf. Die Anlage wird für vielfältige gesellschaftliche und kulturelle Veranstaltungen genutzt, so beispielsweise auch für das traditionelle „Hauserner Burgfest“, das alljährlich als Besuchermagnet wirkt.

Info:

Zeugnisse der Verwaltung

Der Pfleger auf „Haus Murach“ übte im Auftrag des Landesherrn alle Militär-, Verwaltungs- und Richterfunktionen im Pflegamtsbezirk aus. Reiche Aktenbestände im Hauptstaatsarchiv München und im Staatsarchiv Amberg, die seit mehr als 20 Jahren von Max Zinnbauer nach wissenschaftlichen Kriterien für die Stadt Oberviechtach publiziert werden, liefern ein beredtes Zeugnis dieser administrativen Aktivitäten von Pflegamt und kurfürstlicher Herrschaft. Die Auflösung des Amts- und Pfleggerichts auf Haus Murach im Jahr 1803 und die Angliederung an Neunburg vorm Wald stellten einen gravierenden Einschnitt auf der untersten Verwaltungsebene dar. Im Zuge der Dezentralisierung bekam aber Oberviechtach 1840 wieder ein eigenes Landgericht und 1900 ein eigenes Bezirksamt, wie ab 1862 die unterste staatliche Verwaltungsbehörde genannt wurde, der heute das Landratsamt entspricht. Wer die Burganlage besichtigen will, erhält den Schlüssel bei Burgwart Manfred Senft, Obermurach 58, Telefon 09671-91234. (lg)

Eine stattliche Anlage auf einem Bergkegel, so erscheint die Ruine nach der Restaurierung und der Abholzung des Burgumfelds.
Der schmale Zugang zum inneren Burghof mit dem Bergfried im Hintergrund hatte einst eine strategische Bedeutung.
Konzerte wie das der Band „Voice & Chords“ anlässlich des „Hauserner Burgfests“ vor einem Jahr bringen Leben in das altehrwürdige Gemäuer.
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