08.03.2019 - 11:43 Uhr
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60 Jahre Barbie: Redakteure erinnern sich

Große Augen, lange Haare, perfekte Kurven: Die Barbie-Puppe ist wohl eines der umstrittensten Objekte im Kinderzimmer – früher wie heute. Drei Redakteurinnen und ein Redakteur erzählen ihre Geschichten zur hübschen Puppe.

Ganz in rot: Eine Barbie sitzt in einem Ferrari.
von ​Tina Sandmann Kontakt Profil

Friedrich Peterhans: Ferrari statt Beetle

Pädagogisch korrekte Zeitgenossen werden jetzt die Nase rümpfen, aber ich habe mich mächtig gefreut: Mein Patenkind wünscht sich einen Barbie-Beetle zu Weihnachten. Das Wichtige daran ist der Wunsch, denn dann muss ich mir als uralter Onkel nicht den Kopf zermartern, was man einem – wie alt war sie da? – sieben-, acht- oder neunjährigen Mädchen unter den Christbaum legt.

Ein VW-Käfer in rosafarbener Kinderzimmer-Vollausstattung also. Das sollte doch hinzukriegen sein. Denkste. Noch vor dem zweiten Advent war die Kiste nirgends zu kriegen, weder in den einschlägigen Spielwarenabteilungen in Weiden noch in Nürnberg. Onlinehandel war damals noch kein Thema. Ich nehme heute noch an, dass die Verkaufszahlen des Plastikbeetles in jenem Jahr die des Wolfsburger Vorbilds um Längen übertroffen haben. Was also tun? Der Autohersteller Mattel hatte nur noch einen Ladenhüter im Showroom stehen, einen knallroten Ferrari 328 GTS. Her damit. Dem Kind werde ich den Verzicht auf den Beetle schon klarmachen, indem man erklärt, dass Barbie mit dem Italo-Flitzer wesentlich mehr hermacht als in einem popeligen Käfer.

Gefreut hat sich das Mädel dann wirklich, obwohl es auch ihm aufgefallen ist, dass irgendwas nicht stimmt. Als Barbie hinter dem Ferrari-Steuer Platz nahm, wallten ihre Haare bis über den Kofferraum und gaben erst in Auspuffhöhe wieder Ruhe. Unwillkürlich schoss mir ein plumper Altmännerkalauer durch den Kopf: Eine kurvige, blonde Tusse in einem 270-PS-Boliden – hätten Jungs statt Mädchen die Wahl, keiner würde an den Beetle auch nur einen Gedanken verschwenden.

Heike Unger: High-Tech im Kinderzimmer

Meine Barbies. Ich war voll dabei. Ich hatte alles. Also fast. Von Badezimmer mit echter Schaumpumpe in der Wanne bis Camper-Van und Reitstall. Sogar einen Ken hatte ich – aber nur einen. Den fand ich immer schon schräg. Und man konnte ihn auch nicht frisieren. Der war mehr so als Deko dabei. Die Barbie-Kinder mussten ja auch irgendwo herkommen. Aber das hab ich nicht näher untersucht. Wobei mir schon klar war, dass der Mann nicht ganz komplett ist.

Aber ich war megastolz, als ich die Foto-Model-Barbie bekommen habe. Das war damals (ich bin Jahrgang 68) absolutes High-Tech. Und sauteuer. Ich glaub, das waren damals um die 45 Mark. Da musste man lange hinquengeln an die Eltern. Vor allem, weil es gefühlt Barbie Nummer 35 war. Natürlich nix digital, sondern ganz analog: Die Barbie wurde auf einem rosa Podest festgeklemmt, vom drehbaren Podest aus führte ein Draht zu einer Plastikkamera, und wenn man da am Objektiv gedreht hat, hat sich die Barbie mitgedreht und „gepost“. Vorne aus der Kamera kam ein Stück Pappe mit einem „Foto“ raus. Ich war soooooo stolz.

Melanie Korsche hat über 1500 Barbies

Neustadt an der Waldnaab

Maria Oberleitner: Barbie vs. Bauernhof

Ich hatte mir zwar nie eine Barbie gewünscht, aber eines Weihnachtens lag trotzdem eine verpackt unter dem Christbaum: Weißes Kleid, weiße Pumps, Schleier. Okay, dachte ich mir, die Barbie möchte wohl heiraten. Das bedeutete für mich, dass sie definitiv nicht kompatibel war mit meinem Lego-Bauernhof. Matsch und ein Hochzeitskleid? Eben. Also landete sie zielsicher im Schrank – ganz, ganz, ganz oben. Und da hätte sie auch besser bleiben sollen.

Einen Monat später kam mein Geburtstag – und die größte Enttäuschung überhaupt. Tada, ein Hochzeits-Ken im schwarzen Anzug. Mit einem Obstkorb hätte man mir da tatsächlich die größere Freude gemacht. Und, ganz offensichtlich musste jemand dafür bestraft werden. Jemand mit blonden, langen Haaren und einem Hochzeitskleid – der danach zwar noch ein Hochzeitskleid, aber keine blonden, langen Haare mehr hatte ...

Tina Sandmann: Drama um Barbie-Ken

Weihnachten 1997. Meine vierjährige Schwester und ich stehen vor dem leuchtenden Christbaum. Unsere Hände fummeln nervös an den hübschen Kleidern herum, die Zöpfe baumeln aufgeregt hin und her. Endlich: Bescherung. Viereckige, flache Pakete verraten vor dem Auspacken den Inhalt. Meine jüngere Schwester bekommt einen Ken. An mein Geschenk erinnere ich mich nicht mehr. Die Geschichte um Ken hat mich zu sehr geprägt.

Wir verziehen uns in ein Kinderzimmer. Unter dem Hochbett findet Ken sein neues Zuhause – und er wohnt dort nicht allein. Eine riesige Barbiestadt ist aufgebaut, mit Wohnungen, einem Haus, einem Wohnwagen, Pferdeställen, Autos. Kurz: Alles, was Mädchen und ihre Barbies zum Glücklichsein brauchen.

Am nächsten Tag nimmt das Drama unterm Hochbett seinen Lauf. Meine Schwester findet das Opfer am Tatort. Ken ist schwerverletzt. Er hat nur noch einen Arm. Vom zweiten fehlt jede Spur. Wie das passiert ist, weiß niemand mehr so recht. Ein Tatverdächtiger ist für meine Schwester sofort klar: Die große Schwester. Also ich. Sie redet sich bis heute ein, dass ich ihrem Ken absichtlich den Arm ausgerissen habe. Weil er so schön war. Und weil ich eifersüchtig war. Dabei bin ich unschuldig. An den genauen Tathergang habe ich keine Erinnerung. Aber ich weiß genau: es war ein Unfall. Sie will das nicht hören. Auch jetzt nicht. Kürzlich auf Ken angesprochen hat sie überlegt, ob sie mich nach all der Zeit noch anzeigen kann. Wegen Körperverletzung ihres geliebten Ken. Hätte ich das Thema nur weiter totgeschwiegen.

Eine Puppe geht mir der Zeit:

Die Barbie wird am Samstag, 9. März, 60 Jahre alt. Ruth Handler ist die Erfinderin. Die Anziehpuppen ihrer Tochter inspirierten sie. Auf den ersten Blick sieht man Barbara Millicent Roberts ihr Alter nicht an. Doch sie hat sich im Lauf der Jahre stark verändert. Als Mattel 1959 die erste Barbie auf der Spielwarenmesse in New York vorstellte, gab es die Puppe nur in blond oder brünett und mit auffallendem Make-Up. Das Gesicht wandelte sich stets. 1977 kam die „Superstar-Barbie“ auf den Markt: 20 Jahre lang sah Barbie so aus – und war bis 1991 grundsätzlich blond. In den 1990ern emanzipierte sie sich und war Feuerwehrfrau, Managerin und Astronautin. Heute gibt es sie mit vielen Haut- und Haarfarben sowie Körpergrößen. Barbie führt ein spannendes Leben. An ihrer Seite ist wieder ihr Freund Ken, von dem sie von 2004 bis 2011 getrennt war.

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