16.06.2021 - 17:02 Uhr
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Ultras, Manager, Chiller, Meckerer: Die vier Außengastro-Typen

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Mit der Außengastronomie sind wir nach der langen Corona-Pause wieder ins normalere Leben eingestiegen. Und irgendwie begegnen einem in den Biergärten und Außenbereichen der Bars immer die gleichen vier Gäste-Typen - eine Beobachtung.

Dank der Außengastronomie zu einem neuen Lebensgefühl: Die Menschen strömen in die Biergärten.
von Sebastian Böhm Kontakt Profil

Die Außengastro-Ultras

Sie sind die Treuesten der Treuen, egal ob bei Sonnenschein oder in stürmischen Zeiten, die Außengastro-Ultras unterstützen ihre Lieblings-Gastronomie, ganz nach dem Motto: Nach dem Drink ist vor dem Drink! Typische Ultras kommen auch an Montagen und würden am liebsten erst am Dienstag wieder gehen. Sie sitzen früh und zahlen spät - eigentlich vertreiben sie nur zwei Dinge von ihrem Tisch: die gefürchtete letzte Runde oder der Corona-Zapfenstreich der Regierung. Ohne Diskussionen gehts am Ende aber meistens nicht. Wir alle wissen: Ultras sind nunmal emotional, das ein oder andere Bierchen könnte auch zu viel geflossen sein und wer will schon vorschnell beenden, was man sich über Stunden erarbeitet hat. Aber wir wissen auch: Die Ultras sind die Seele der jeweiligen Bar, auf sie können sich die Wirte immer verlassen. Kaum hat die Lieblingsgastro beispielsweise die Speisekarte und die neuen Öffnungszeiten auf Facebook gepostet, geht das große Teilen und Posten los. Sie tun das nicht für sich. Sie wollen nur helfen. Denn sie kennen die Karte ja sowieso schon längst auswendig. Man muss sie einfach lieben, diese treuen Gäste. Und jetzt alle: "Wer bei Regen nicht draussen sitzt, ist kein Außengastro-Ultra, hey hey".

Die Außengastro-Manager

Vorbereitung ist alles und in Corona-Zeiten sowieso, denn hier isst und trinkt man gegen die Uhr. Klar: Der Zeitraum des Verbleibs für die Gäste wird nun immer größer. Doch zu Beginn der Außengastro-Wiedereröffnungen musste um kurz vor 22 Uhr gezahlt werden und aktuell ist um 24 Uhr Schluss. Die Manager wissen das und überlassen nichts dem Zufall. Sie sind organisiert, top vorbereitet und haben alle Bewertungen im Internet gelesen. Wie man sie erkennt? Zum Beispiel an Sätzen wie "Also die Pizzen sollen hier nicht so gut sein, aber die Pasta wird von allen gefeiert, immer al dente und geschmacklich wie im Urlaub". Sie haben alle aktuellen Corona-Regelungen sofort parat, wissen, wer im Freundeskreis genesen, doppelt geimpft ist, erst eine von zwei Impfdosen intus hat oder einmal mit Johnson & Johnson geimpft wurde und deswegen nicht mehr zählt. Eines ist aber sicher: Der Freundeskreis wird am schönsten Tisch der jeweiligen Außengastronomie sitzen. Denn der oder die Außengastro-Manager/-in hat beim Reservieren genügend Nachfragen gestellt, um letztendlich die beste Wahl getroffen zu haben. Deswegen werden diese Organisations-Talente von den Servicekräften zumeist auch mit einem halbfreundlichen "Ach, Sie sind das" begrüßt, nachdem von ihnen die Frage nach dem Familiennamen beantwortet wurde.

Die Außengastro-Chiller

Sie gab es schon immer. Nur wundern sie sich jetzt, dass um sie herum aktuell noch mehr los ist, als die Sommer zuvor: die Außengastro-Chiller. Zugegebenermaßen handelt es sich hier meistens um ältere Herren, die zwar genauso häufig die Lieblingsgastro besuchen wie die Ultras, jedoch die wilden Jahre hinter sich haben. Sie müssen nicht bestellen. Die Bedienungen wissen genau, was sie wollen und in welcher Reihenfolge. Erst einen doppelten Espresso, dann ein Viertel Rotwein, halbtrocken, zum Abschluss noch einen einfachen Espresso. Auch sie sitzen schon früh, natürlich immer am selben Platz, die ersten Stunden lesen sie. Zumeist liegen drei Zeitungen auf ihrem Tisch - lokal, überregional, Wirtschaft, der Außengastro-Chiller ist top informiert. Je später der Abend, desto mehr dienen die Zeitungen aber der Tarnung. Denn die Chiller hören zu. Sie lauschen den Gesprächen am Nebentisch. Und wenn ihnen das Thema gefällt, zack, sprechen sie mit, aus dem Nichts. Die nächsten Minuten werden jetzt entscheidend für den Nebentisch. Können Sie den Chiller freundlich verbal abschütteln oder nicht. Wenn nicht, bleibt nur zu hoffen, dass die Regierung den Zapfenstreich wieder nach unten korrigiert hat oder die Servicekraft aus Mitleid den einfachen Abschluss-Espresso früher bringt.

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Die Außengastro-Meckerer

Es gibt sie, diese Menschen, die auch im Sommer lieber drinnen sitzen wollen. Doch in den letzten Wochen ging das aus bekannten Gründen nicht. Die frische Luft und Gastro, das ist einfach nichts für die Meckerer. Gründe dafür gibt es viele. Sie führen beispielsweise des Öfteren unangekündigte, völlig unkoordinierte Tänze auf. Jetzt stellen sich drei Fragen. Die erste Frage nach dem Wieso ist schnell beantwortet: Wespen. "Warum kommen die immer zu mir?", fragen die Meckerer zudem zumeist lauthals. Aber jetzt wollen vor allem die anderen Gäste wissen: Haben die Meckerer es auch geschafft, die FFP2-Maske aufzuziehen, bevor sie gefährlich nahe an den Nachbartischen "vorbeitänzelten"? Wahrscheinlich nicht. Nur Scherereien hast du mit dieser Außengastro! Abends sind die Wespen weg, aber die Kälte kommt und die Mücken bleiben sowieso. In diesem Fall können die Meckerer nur hoffen, dass ein Außengastro-Manager bei ihnen mit am Start ist. Denn dann wurde selbstverständlich der Tisch neben dem größten Heizpilz ausgewählt und das Mückenspray ist auch eingepackt. Das alles hilft aber nichts, wenn am Nebentisch auch noch Kette geraucht wird und der Wind, natürlich, zu den Meckerern zieht. Der einzige Vorteil daran: Dann sind die Mücken auch ganz ohne Spray verschwunden.

Info:

Diese Gastro-Regeln gelten aktuell in Bayern

Seit Montag, 7. Juni, gelten die neuen Corona-Regeln im Freistaat. Damit gingen auch für die Gastronomie einige Lockerungen einher – solange die Inzidenz in der jeweiligen Stadt oder dem jeweiligen Landkreis unter 100 liegt.

Die Gastronomie darf dann in Bayern außen und innen von 5 bis 24 Uhr öffnen.

In den Gastronomie-Betrieben herrscht für Kunden eine FFP2-Maskenpflicht bis zum Tisch. Beim Personal gibt es ebenfalls eine Maskenpflicht, die Gastro-Angestellten müssen aber keine FFP2-Maske tragen.

Bei Inzidenzen unter dem Wert 50 brauchen Gäste keinen Corona-Test mehr. Aber Achtung: Liegt die Inzidenz höher als 50 und sitzen Personen aus mehreren Haushalten an einem Tisch, brauchen alle einen Test – außer Genesene und vollständig Geimpfte.

Der Betreiber muss zudem ein Hygienekonzept erarbeiten.

 

 

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