30.01.2019 - 15:21 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Nicht alles ist Gold, was glänzt

„Goldrausch – von Goldwäschern, Bergwerken und den sagenhaften Venedigern“ titelt das jüngste Quartalsheft „Bayerische Archäologie“. Oberviechtach, das „Goldstück Bayerns“ , hat es auf die Titelseite geschafft.

In der Langau bei Oberviechtach kann man sich bei geführten Wanderungen auf die Spuren des historischen Goldabbaus begeben und beim Goldwaschen sein Glück versuchen.
von Georg Köppl Kontakt Profil

„Die mittlere Oberpfalz rund um Oberviechtach ist einer der Hot Spots der bayerischen Goldgewinnung. Seit dem 14. Jahrhundert ist der Goldbergbau hier bezeugt“, schreibt Roland Gschlößl, der die Hefte in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Archäologie in Bayern viermal im Jahr herausgibt.

„Gold in Bayern“

In seinem Beitrag unter dem Titel „Gold in Bayern: Reich an armen Lagerstätten“ hat Dr. Gerhard Lehrberger die Goldvorkommen Bayerns vom Frankenwald bis zu den Alpen unter die Lupe genommen. Diplom-Geologe Dr. Gerhard Lehrberger ist Akademischer Direktor am Lehrstuhl für Ingenieurgeologie, Ingenieurfakultät Bau Geo Umwelt, an der Technischen Universität München. Zahlreiche Publikationen zum Goldbergbau in Bayern machen ihn zum führenden Experten auf diesem Gebiet.

Lehrberger ist auch in Oberviechtach längst kein Unbekannter mehr und gilt als Vater des „Goldfiebers“ in der Region. In den 1980er Jahren hatte er mit der Erforschung der Oberviechtacher Goldlagerstätten begonnen, als er zusammen mit einem Studententeam die geologischen Verhältnisse am Güttingloch und in den angrenzenden Abbaugebieten zwischen Plechhammer und Oberlangau detailliert erarbeitete. Demnach verpfändete im Jahre 1318 König Ludwig der Bayer dem Konrad Paulsdorfer von Tännesberg die Langau. 1571/1574 werden weitere Versuche beschrieben, Goldbergbau mitsamt Pochwerk und Schmelzhütte zu betreiben, die aber offenbar wenig erfolgreich waren. Mitte des 18. Jahrhunderts fing man erneut an, das Gold durch Goldwaschen mit Pochwerk abzubauen. Schon wenige Jahre später wurde dieses Unternehmen jedoch wieder aufgegeben, da der geringe Goldgehalt die Kosten nicht trug.

Den historischen Quellen und den Spuren im Gelände nach wurde bei Oberviechtach das Gold nicht nur gewaschen, sondern auch über und unter Tage abgebaut. Bergwerke befanden sich am Stangenberg, wo heute noch Stolleneingänge vermutet werden, vor allem aber am Gütting östlich von Unterlangau, wo sich auch das 1318 genannte Goldbergwerk befand. Dort sind auch noch zahlreiche Schürfgräben und Trichtergruben zu sehen, Das sagenumwobene Güttingloch ist ein Stolleneingang zu einem Bergwerk des 18. Jahrhunderts. Wer sich auf den Pfaden der alten Goldsucher bewegen möchte, kann auf dem ausgeschilderten Goldlehrpfad verschiedene Wanderungen in historische Goldabbaugebiete unternehmen. Ausgangspunkt ist die Info-Stelle am Gütting, südöstlich von Unterlangau.

Freizeitvergnügen

Nicht um der eigenen Armut zu entfliehen, wie es vor Jahrhunderten zahlreiche Menschen zum Gold hinzog, sondern zum Freizeitvergnügen brechen heutzutage ganze Familien zum Goldwaschen auf. Doch eine Garantie, dass man Gold findet, gibt es nicht. Beim Goldwaschen kommt es auf die richtige Technik an. Zunächst nimmt man mit einer Kunststoffpfanne Sand und Kies zusammen mit etwas Wasser vom Grund des Baches. Unter Anleitung übt man die drehenden, kreisenden und schüttelnden Bewegungen mit der Pfanne, so dass der leichte Sand hinausgewaschen werden kann.

In der Mitte der Goldpfanne bleiben dann die schweren Mineralien liegen. Das ist aber leider nicht nur Gold, sondern auch Granat oder Pyrit, das sogenannte Katzengold. Gemeinerweise glänzt das falsche Gold ebenso wie das echte und so bewahrheitet sich das bekannte Sprichwort: Es ist nicht alles Gold, was glänzt!

Ausgangspunkt für das Goldwaschen ist das Doktor-Eisenbarth- und Stadtmuseum, wo es auch einen nachgebauten Bergbaustollen gibt.
Dr. Gerhard Lehrberger (mit Karte bei einer Exkursion am Goldlehrpfad) hatte in den 1980er Jahren mit der Erforschung der Oberviechtacher Goldlagerstätten begonnen.
Ausflüge zu Goldenen Geotopen:

Im Jahre 1996 stellte der Ausstellungskatalog „Gold im Herzen Europas“ den damals aktuellen Stand zum Goldbergbau in Bayern und Böhmen in populärwissenschaftlicher Form dar. Vor kurzem hat nun das Bayerische Landesamt für Umwelt einen allein schon optisch prachtvollen Band zu „20 Goldenen Geotopen“ herausgegeben. Nach einer allgemeinen Einführung werden 20 verschiedene Orte vorgestellt, die für die Geschichte der Goldgewinnung besonders interessant sind. Wobei neben den bekannten Goldstätten wie Goldkronach oder Oberviechtach auch unbekannte Plätze wie z.B. Seifenhügel an kleinen Bächen aufgenommen wurden.

Bei jedem Geotop stehen die wichtigsten Daten zur Goldherkunft, zur geförderten Goldmenge und zur Bergbaugeschichte. Daneben gibt es Tipps zu Museen oder weiteren Sehenswürdigkeiten im Zusammenhang des Goldes. Auch Sagen oder spannende Geschichten werden präsentiert. Explizit ist das Buch als Führer für Ausflüge angelegt: Wanderwege zu den Geotopen sind genau beschrieben und in eine Karte eingetragen („20 Goldene Geotope“, 172 Seiten, ISBN 978-3-936385-96-0, Preis 19 Euro.

In Oberviechtach finden geführte Wanderungen mit Goldwaschen zwischen Mai und Oktober statt. Startpunkt ist das Doktor-Eisenbarth- und Stadtmuseum Oberviechtach mit Museumsbesichtigung. Anschließend fährt man mit dem Auto in die Langau und wandert zum Forellenbach. Nähere Auskünfte und Anmeldung in der Tourist-Information, Telefonnummer 09671/30716, oder unter tourismus[at]oberviechtach[dot]de. Ein besonderer Tipp: Goldwaschen zum Geburtstag. Gerne werden auch Gruppenführungen zum Wunschtermin vereinbart. (kö)

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