19.01.2020 - 11:47 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Bisamjäger sagen einen milden Winter voraus

Das Klima vor 90 Jahren: Für 1929/30 sagen Bisamjäger für die östliche Oberpfalz einen milden Winter voraus. Die "Grenz-Warte" informiert über die Löhne für Tagesarbeiter und einem Verbot für Schuttablagerungen am Dorfplatz in Pirk.

Der Dorfplatz im Ortsteil Pirk ist heute ein kleines Schmuckstück. Vor 90 Jahren musste der Ortsrat eingreifen und das Lagern von Schutt und Humuserde verbieten.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Beim Umzug der NT-Redaktion fand sich ein vergilbter Zeitungsausschnitt zwischen den Regalen. Nachfolgend ein Ausschnitt einiger Begebenheiten, über welche die "Grenz-Warte" im Dezember 1929 und Januar 1930 ihren Lesern berichtete. Milder Winter

Ein "Winter-Kuriosum" dürfte es sein, dass dieser Tage von einem Spaziergänger reife Preiselbeeren gefunden wurden. - Erfahrene Bisamjäger, die sich seit Jahren mit der rationellen Bekämpfung von Bisamratten befassen, wissen aufgrund ihrer Erfahrungen zu berichten, dass der Rest des Winters 1929/30 eine milde Gestalt annehme. Dies sei auf die äußerst seicht gelegenen Röhren und Baue der Bisamratten zurückzuführen. Während in einem strengen Winter die Röhren bis zu 70 Zentimeter unter der Erdoberfläche liegen, sind sie heuer nur spanntief unter der Erde. Anmerkung der Redaktion:Der Winter im Jahr davor (1928/1929) war in Deutschland der mit Abstand kälteste des 20. Jahrhunderts. Vielerorts sank das Thermometer im bitterkalten Februar 1929 auf minus 25 Grad, zum Teil sogar auf unter minus 30 Grad. - Bisamjäger werden in Bayern seit 2005 nicht mehr amtlich bestellt; in einigen Bundesländern gibt es die Profi-Fänger aber noch. Schuttablagerung in Pirk

Laut Beschluss des Ortsrates Pirk vom 12. Januar 1930 ist das Anfahren und Lagern von Schutt, Humus, Komposterde und desgleichen auf dem Ortsgemeindegrund (sogenannter Dorfanger) innerhalb der Ortschaft Pirk verboten. Es darf dort auch kein Komposthaufen angelegt werden. Ebenfalls ist das Aufgraben sowie das Abfahren von Humus auf den sämtlichen Ortsgemeindegründen verboten. Tageslohn festgelegt

Das Bayerische Oberversicherungsamt Regensburg hat mit Bekanntmachung vom 24.12.1929 die Ortslöhne (ortsübliche Tagesentgelte für gewöhnliche Tagesarbeiter) im hiesigen Bezirk (Ortsklasse IV) mit Wirkung vom 1. Januar 1930 für die Dauer von zwei Jahren wie folgt festgelegt: Männlich über 21 Jahre 3,30 Mark; 16 bis 21 Jahre 2,70 Mark; unter 16 Jahren 1,80 Mark pro Tag. Weiblich über 21 Jahre 2,40 Mark; 16 bis 21 Jahre 1,95 Mark; unter 16 Jahren 1,35 Mark pro Tag. Kirchenstuhlgeld

Die Katholische Kirchenverwaltung Oberviechtach bittet darum, dass die noch ausstehenden Gebühren für Kirchenstühle vom Jahre 1929 im Laufe der nächsten Wochen eingezahlt werden. Früher war es üblich, für Kirchensitzplätze Geld zu verlangen. An alten Gestühlen findet man vereinzelt noch Schilder oder aufgemalte Namen. Veranstaltungen

Zu der am 19. Januar nachmittags um drei Uhr im Gasthause zu Obermurach stattfindenden Christbaumfeier werden die Mitglieder mit ihren Angehörigen sowie Burgfreunde freundlichst eingeladen. - Pullenried.Der diesjährige Ball der Schützengesellschaft Pullenried findet am Samstag, 25. Januar, im Saale der Dobmeierischen Brauerei statt. - Schönsee.Der Gesang- und Orchesterverein Schönsee beehrt sich, die Einwohnerschaft von Schönsee und Umgebung zu dem am Sonntag, dem 19. Januar, im Saale der Brauerei Haberl stattfindenden Bunten Abend ergebenst einzuladen. Eintritt 80 Pfennig Neue Postvorschrift

Am 31. Dezember 1929 ist die Frist abgelaufen, in der die alten, nicht der Postvorschrift genügenden Briefumschläge aufgebraucht sein müssen. Die neuen Umschläge müssen den Vorschriften entsprechen: Aufdruck nur auf dem linken Drittel der Vorderseite, auf der Rückseite sind am oberen Rande zweieinhalb Zentimeter freizulassen. Nicht sehr bekannt sein dürfte auch, dass Postkarten nicht schwerer als acht Gramm sein dürfen. Die kleinste Postkarte muss 7 x 10 Zentimeter groß sein. Das amtliche Format ist 10,4 x 14,8 Zentimeter und für den Weltverkehr die äußerste Grenze nach oben.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.