19.05.2021 - 18:17 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Goldgräber-Stimmung - schon lange vor Kalifornien und Alaska

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Das Gebiet um Oberviechtach macht sich im Mittelalter nicht nur wegen seines Eisens, sondern aufgrund seiner zahlreichen Goldvorkommen einen Namen. Der älteste Goldbergbau in der Oberpfalz wird im Jahre 1318 erstmals urkundlich erwähnt.

Die geführten Wanderungen mit dem Goldwäscher auf dem Gold-Lehrpfad in Oberviechtach garantieren Kindern ein Abenteuer.
von Adele SchützProfil

Um sich auf Goldsuche zu begeben, musste man sich als Oberpfälzer nicht auf den beschwerlichen Weg in das "gelobte Land", die USA, aufmachen, wo unter anderem 1849 in Kalifornien ein großer Goldfund einen Goldrausch auslöste. In Deutschland war der Oberpfälzer Wald seit dem Mittelalter für seine rege Bergbautätigkeit bekannt, wo die besonderen geologischen Verhältnisse die Grundlagen für die Gewinnung verschiedener Metall-Erze und Industrie-Minerale bildeten. Gelegentlich spricht man von der Oberpfalz auch als dem "Ruhrgebiet des Mittelalters". Vor allem Eisenerze förderten hier die Entwicklung des Wohlstandes in der damaligen Zeit.

Auf der Suche nach Gold

Das Gebiet um Oberviechtach machte sich allerdings nicht nur wegen seines Eisen-Vorkommens, sondern vielmehr wegen seiner zahlreichen Goldvorkommen einen Namen. In Gütting (heute ein Ortsteil der Stadt Oberviechtach) liegt nach bisherigem Kenntnisstand der älteste Goldbergbau in der Oberpfalz, der im Jahre 1318 erstmals urkundlich erwähnt wurde.

Oberviechtach blickt inzwischen auf "über 700 Jahre historischen Goldbergbau" zurück und steht bei der Suche nach Gold und edlen Metallen in Bayern mit an erster Stelle. Aus der Sicht von Fachleuten und Geowissenschaftlern ist dies auch verständlich.

Wissenschaftlich untersucht

Das Gebiet ist als Abbaugebiet bestens untersucht, nachdem 1982 die Preussag AG mit der TU München daran ging, dem Gold wieder auf die Spur zu kommen. Das Gebiet wurde wissenschaftlich weiter untersucht durch Mitarbeiter des Lehrstuhls für Angewandte Mineralogie und Geochemie der Technischen Universität München unter Leitung von Dr. Gerhard Lehrberger, dem es zu verdanken ist, dass in Oberviechtach das bestuntersuchteste Gebiet Bayerns liegt und wissenschaftlich belegt ist. Bei den wissenschaftlichen Untersuchungen stellte man fest, dass auf eine Tonne Abraum rund sieben Gramm Gold kommen und dies eines der reichsten Goldvorkommen von ganz Bayern ist.

Es besteht heute kein Zweifel mehr über die zeitliche Einordnung dieser frühen Goldgewinnung. Die im Gelände heute noch reichlich vorhandenen Bergbauspuren sind Reste mittelalterlicher Goldgräbertätigkeit. Davon sind im Gebiet von Oberviechtach noch 38 Abraumstellen bekannt. Das Bayerische Landesamt für Umwelt zählt das Oberviechtacher Goldabbaugebiet zu den außergewöhnlichsten "20 Goldenen Geotopen" Bayerns.

Die Geschichte Ostbayerns wurde stärker von Gold geprägt, als man es bisher angenommen hat. Der Böhmerwald, der Oberpfälzer Wald, der Bayerische Wald und das Fichtelgebirge waren seit dem frühen Mittelalter die damals vielbeachteten Zentren der Goldgewinnung. Es waren die Goldländer.

Dieses Wissen war über lange Zeit verloren. Durch fachkundige Untersuchungen der Bergbau-Archäologen, der Geologen und der Mineralogen - besonders durch Dr. Gerhard Lehrberger - wird seit Jahren deutlich: Die Geschichte Ostbayerns - vorrangig Oberviechtach - wurde vom Gold geprägt. Die noch zahlreich vorhandenen Seifenhügel beweisen es.

Die beschwerliche Suche nach diesem edelsten aller Metalle hat damals vielen Menschen Arbeit und Brot gegeben. Der Handel mit Gold verband Ostbayern mit Böhmen. Was die Goldgewinnung anbelangte, war Ostbayern damals zusammen mit Böhmen der Mittelpunkt der Welt.

Wer nach Oberviechtach kommt, sollte seine Wanderstiefel schnüren. Der erlebnisreiche Gold-Lehrpfad mit seinen drei Routen führt entlang der heute noch reichlich vorhandenen historischen Spuren des mittelalterlichen Goldabbaus mit unzähligen Bodendenkmalen wie Schürfgruben, Halden, Seifenhügeln und Pingen. Er verbindet herrliche Natur und Geschichte.

Auf historischen Spuren

Ausgangspunkt für Wanderungen durch die ehemaligen Goldabbauorte und zu goldführenden Bächen ist die Info-Stelle bei Gütting (südöstlich von Unterlangau, 8,5 Kilometer von Oberviechtach entfernt). Mit Schautafeln wird die Geschichte des Goldabbaus dargestellt. Etwas Besonderes sind die geführten Wanderungen mit Goldwaschen, die es erlauben, sich auf einen Streifzug durch die Goldgräbergeschichte Oberviechtachs zu begeben und das Goldgräberfieber zu erleben.

Durch Mischwälder geht es dabei mit dem Goldwäscher auf naturbelassenem Weg zu den historischen Goldabbaugebieten und entlang der Bäche. Unter Anleitung können die Teilnehmer im Bach mit der Goldwaschschüssel selbst aktiv werden. Hier waren schon im Mittelalter Goldgräber zugange. Jeder Teilnehmer erhält das "Oberviechtacher Goldwäscher-Diplom".

Erasmus Grasser, ein Meister aus Schmidmühlen

Schmidmühlen
Service:

Goldwaschen in Oberviechtach

  • Von Mai bis Oktober werden normalerweise geführte Wanderungen mit Goldwaschen angeboten. Sobald es die Corona-Situation zulässt, werden die Termine auf www. oberviechtach.de veröffentlicht oder können unter Telefon 09671/30716 erfragt werden.
  • Grundsätzlich bietet die Tourist-Info Oberviechtach Gruppenführungen ab acht Goldgräber für Familien, Feriengäste, Schulklassen und Vereine zum Wunschtermin – auch am Wochenende – an.
  • Gummistiefel oder festes Schuhwerk sind dabei erforderlich. Die Ausrüstung zum Goldwaschen wird zur Verfügung gestellt.
  • Weitere Informationen und Anmeldungen in der Tourist-Information Oberviechtach im Rathaus (Telefon 09671/30716, E-Mail tourismus[at]oberviechtach[dot]de).

 

 

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