11.01.2019 - 16:09 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Als der Postbote noch Pferde fütterte

Vor 175 Jahren wird am Marktplatz in Oberviechtach die erste Poststelle eingerichtet. Beim Blick ins Archiv erschließt sich eine wechselvolle Geschichte mit etlichen Umzügen.

Im Gasthof „Zur Post“ am Marktplatz war ab Mai 1844 die erste Poststelle in Oberviechtach untergebracht. 1904 erfolgte der Umzug in die Schönseer Straße und in den 1920er Jahren in das markante Postgebäude „Zum Bahnhof“. Auf der Ansichtskarte, welche im Stadtarchiv aufbewahrt wird, ist hinter dem Brunnen ein Pferdewagen für die sogenannten Karriolfahrten (Beförderung der Briefe und Pakete) zu sehen.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

(ptr) Als es noch kein Internet und Telefon gab, war der Austausch von Nachrichten eine gefährliche und schwierige Sache. Boten waren nicht immer vertrauenswürdig und lange unterwegs. Heute gelten E-Mails als die neue Briefkultur und die Nachrichtenübermittlung ist in Sekundenschnelle bis ans andere Ende der Welt gefahrlos möglich. Zum Jubiläum "175 Jahre Post in Oberviechtach" machte sich die Redaktion von Oberpfalz-Medien zur Spurensuche ins Stadtarchiv auf,

Eine Quittung aus dem Jahr 1899.

Nabburg oder Neunburg

Der Raum Oberviechtach wurde verhältnismäßig spät erschlossen: Erst am 1. Mai 1844 wurde am Marktplatz die erste Postanstalt eingerichtet. Wie Karl Wolfrum in seinem Beitrag im Buch "Landkreis Oberviechtach" schreibt, sei dies darauf zurückzuführen, "dass weder die große Heer- und Handelsstraße Nürnberg-Wernberg-Prag noch die früher sehr wichtige Straße Amberg-Schwarzenfeld-Neunburg vom Wald das Gebiet berührten". Außerdem hatte die überwiegend in der Landwirtschaft tätige Bevölkerung nur geringe postalische Bedürfnisse. Nachrichten übermittelte man meist durch Viehhändler und Behörden hatten ihre eigenen Boten. So wie das Landgericht Oberviechtach, welches 1841 einen Boten names Sebastian Böhm (Sallerwastl) beschäftigte, der wöchentlich einmal nach Neunburg ging, wo bereits seit dem Jahr 1800 eine Postanstalt bestand. Von dort brachte er auch private Briefe mit, welche er am Sonntag nach dem Gottesdienst verteilte.

Ein Gesuch dieses Sebastian Böhm vom Jahr 1842 an die Regierung der Oberpfalz "um Ausmittlung eines Gehalts" war dann laut Wolfrum wohl der eigentliche Anstoß zur Errichtung einer Postanstalt in Oberviechtach. Das Oberpostamt Regensburg wollte aus Spargründen eine Anbindung an Neunburg (5 Stunden). Das "Ministerium des kgl. Hauses und des Äußeren" favorisierte aber Nabburg (6 Stunden), da hier die "mehrfache Gelegenheit zur Versendung von Fahrpoststücken und der Verkehr mit den nördlich gelegenen Orten und Ländern" als Vorteil gesehen wurde. Die Brief- und Fahrpost-Expedition mit Poststallhaltung nahm am 1. Mai 1844 ihren Betrieb auf. Gleichzeitig wurde eine wöchentlich viermalige Karriolpost zwischen Oberviechtach und Nabburg eingerichtet. Diese wurde meist einspännig mit Wagen leichter Bauart gefahren; auf dem Bocksitz konnten auch bis zu zwei Reisende befördert werden. Nach und nach wurden weitere Karriolpostverbindungen geschaffen und am 1. April 1852 in Schönsee und am 1. November 1853 in Winklarn je eine Postexpedition errichtet. Oberviechtach entwickelte sich bald zu einem Knotenpunkt für die Karriolpost. 1858 gab es folgende Linien: Oberviechtach-Nabburg; Oberviechtach-Winklarn-Rötz; Oberviechtach-Schönsee; Oberviechtach-Pullenried-Moosbach. Später folgte Neunburg-Schwarzhofen-Denglarn-Oberviechtach. Die auf diesen Strecken liegenden Orte erhielten erst verhältnismäßig spät eigene Postanstalten: 1867 Schwarzach und Weiding; 1891 Teunz; 1897 Dietersdorf und Stadlern; 1902 Pullenried und Pirkhof.

Zur Personenbeförderung wurden die Karriolposten sehr stark in Anspruch genommen und deshalb bald weitgehend durch Postomnibusse (Kutschen) abgelöst. Der viersitzige "Omnibus" wurde mit einem Pferd bespannt; das sechssitzige Gefährt mit zwei Pferden. Archivpflegerin Christa Zapf zeigt einen Antrag vom 26. März 1889 vor. Die Gemeindevertretung des Marktes Oberviechtach hatte ein "ehrerbietigstes Gesuch" an das Kgl. Oberpostamt Regensburg geschickt und gebeten, eine Postomnibusverbindung nach Neunburg vorm Wald einzurichten.

Der handgeschriebene Zusatz "schleunigst ins Werk zu setzen" half anscheinend. Denn schon am 20. Juli 1889 wurde die Linie genehmigt. 1904 wurden dem Markt zweimal tägliche Karriolpostfahrten nach Teunz und Winklarn übertragen. Der "Treibstoff" ist nicht erst seit Einführung der Elektro-Postautos ein Thema. Denn schon damals führten steigende Futtermittelpreise (Hafer für Pferde) im Oktober 1915 dazu, dass die Linie nach Teunz nur noch einmal täglich verkehrte (10.30 ab und 11.10 Uhr an; Rückfahrt 14.05 Uhr). Die Poststelle mit dem Expediteur Schwarz (Vater des großzügigen Stifters Dr. Max Schwarz) war seit der Gründung im Jahr 1844 am Marktplatz 10 untergebracht. Für das Jahr 1902 finden sich im Archiv die Dienststunden des Postschalters mit Telegrafendienst von 8 bis 12 Uhr und von 14 bis 19 Uhr; auch Sonntags war geöffnet. Am 29. September 1904 wurde das neue Postlokal in der Schönseer Straße (Anwesen Ott, Hausnummer 27) bezogen. Die Postfuhrwerke hatten ihr Standquartier aber weiterhin im Gasthof "Zur Post" am Marktplatz. Das Bedürfnis für einen weiteren Postkasten wurde allerdings nicht gesehen, denn ein Antrag des Marktes im Jahr 1905 wurde vom Kgl. Oberpostamt mit der Begründung abgelehnt: "Ein Briefkasten am Poststallanwesen reicht für Oberviechtach." Ein Schriftwechsel zeigt auf, dass 1914 der Posthalter Johann Elsner verstorben ist und das Amt seiner Witwe Franziska übergeben wurde. Als diese 1917 verstarb, übernahm Sohn Christoph den Posten. Nach der Eröffnung der Lokalbahnstrecke 1904 wurde die Postbeförderung zwischen Nabburg und Oberviechtach auf die Schiene verlegt. Ab 1913 war dies auch bis nach Schönsee möglich.

Die Postfiliale befindet sich seit 15 Jahren im Laden von Maria Biebl (Zweite von rechts). Die Pakete stapeln sich zwischen Spielwaren und Schuhen, während die Kunden die langen Öffnungszeiten sehr begrüßen.

Umzug in Ladengeschäft

Ab 1965 wurde die Postbeförderung komplett auf die Straße genommen und Oberviechtach lancierte zum bedeutenden Umschlagplatz für zehn Postanstalten. Aktuell gibt es in der Eisenbarthstadt einen Zustellstützpunkt für 18 Bezirke im Industriegebiet West. In den 1920er-Jahren erfolgte der Umzug in das neue Postgebäude in der Straße "Zum Bahnhof". Wegen Rationalisierungsmaßnahmen wurde Oberviechtach 1960 dem Postamt Nabburg unterstellt. Sparmaßnahmen und Umstrukturierungen prägten auch die jüngere Geschichte. Seit der Postschalter zwischen Spielzeug und Schuhen im Laden in der Bezirksamtstraße 2 untergebracht ist, bedeutet dies für das markante Postgebäude aktuell "Leerstand". Maria Biebl dagegen freut sich über die Laufkundschaft und über die Urkunde, welche sie im August 2018 für "15 Jahre Filialpartner der Deutschen Post" erhalten hat.

Auf dieser historischen Ansichtskarte von Oberviechtach aus dem Jahr 1904 ist die Postkutsche der Hingucker.
Der Poststempel der königlichen Postexpedition Oberviechtach.
Dokument aus dem Stadtarchiv zur Postgeschichte.
Dokument aus dem Stadtarchiv zur Postgeschichte.
Postgeschichte:

Postgeschichte

Die Anfänge der Post in Süddeutschland sind untrennbar mit der Regensburger Familie Thurn und Taxis verbunden. 1808 wurde der Fürst abgefunden, die Post zu einer Staatsanstalt erklärt und in die eigene Verwaltung genommen. Zunächst bestanden Ober-Postämter in München, Augsburg, Nürnberg und Innsbruck. Während es in Neunburg vorm Wald schon im Jahr 1800 eine Postexpedition gab, wurde diese in Oberviechtach erst am 1. Mai 1844, also vor 175 Jahren, am Marktplatz eingerichtet. Für Briefe und Fahrpostsendungen verkehrte zunächst wöchentlich viermal eine Karriolpost zwischen Nabburg und Oberviechtach. Die Briefmarke wurde in Bayern im Februar 1849 eingeführt. Postleitzahlen gab es erst ab dem Jahr 1962.

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