25.05.2020 - 15:53 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Der reiche künstlerische Nachlass von Lorenz Lehner

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Der Maler Lorenz Lehner schuf mit seiner ausgeprägten Liebe zur Heimat eine beeindruckende Vielfalt an Motiven. Ab 1945 malte er auch für die US-Armee.

Lorenz Lehner 1953 in seinem Atelier in der Karfreitagsgasse. An der Staffelei entwarf er Embleme für den neu gegründeten Verein der Fotofreunde.
von Georg LangProfil

Im Oberviechtacher Schützenheim befinden sich die meisten Arbeiten vom Künstler Lorenz Lehner. Dort sind die Wände voll bedeckt mit runden Schützenscheiben, und viele tragen den Schriftzug "Lehner". Im April jährte sich sein Todestag zum 35. Mal. Geboren wurde er am 24. Juli 1898 als fünftes von elf Kindern in der Karfreitagsgasse, wo sich bis zu seinem Tod auch sein Atelier befand. Dort war er bis ins hohe Alter als volkstümlicher Maler aktiv. "Das war sein Lebensmittelpunkt", erinnert sich sein Enkel Paul Bauer.

Erinnerungen im Schützenheim

Die Scheiben im Graf-Du-Moulin-Eckart-Schützenheim sind nur eine Variante seines reichen künstlerischen Schaffens, das sich nach Schätzungen auf rund 2000 Arbeiten erstreckt. Eines seiner Hauptmotive war sein Geburtsort vom Galgenberg aus gesehen. Ölgemälde mit diesem Blickwinkel auf Oberviechtach schätzt man noch heute in manchen Familien. Der "Lehner Lenz", wie er auch genannt wurde, schuf aber auch andere Landschaftsbilder aus der Oberviechtacher Region sowie Motive von außerhalb, wenn es die Auftraggeber wünschten. Er fertigte zum Beispiel Kopien bekannter Gemälde an, manchmal mit kreativen Variationen zum Original.

Religiöse Themen gehörten ebenso zu seinem Werk wie Blumenmotive und Porträts. Im Schützenheim hängt beispielsweise ein großes Porträtgemälde des Namensgebers Graf Du Moulin-Eckart und auch manche Schützenscheibe zeigt das Konterfei des Stifters, wobei aber auch der jeweilige Gewinner dieser Trophäe in einem säuberlichen Schriftzug festgehalten ist. Einen Boom erlebte der Künstler Lorenz Lehner in der unmittelbaren Nachkriegszeit, als die Soldaten der amerikanischen Besatzungsmacht auf ihn aufmerksam geworden waren. Viele ließen sich porträtieren und schickten voller Stolz das originale Ölgemälde nach Hause in die USA. Dabei war die erste Kontaktaufnahme zwischen Maler und Besatzer gar nicht erquicklich, wie Hildegard Bauer, die 2016 verstorbene Tochter des Malers, einst erzählte.

Als der Kriegsheimkehrer Lorenz Lehner einmal noch nachts in seinem Atelier arbeitete, ließ der Lichtschein bei der patrouillierenden Militärpolizei den Verdacht einer Konspiration aufkommen und sie stürmte kurzerhand mit Maschinenpistolen im Anschlag die Künstlerwerkstatt. Dies war aber der Beginn ausgeprägt guter Kontakte, die dazu führten, dass auf dem US-Dienstweg Künstlermaterial wie Farben, Leinwand und Keilrahmen beschafft wurden. Im Hause Lehner gingen von da an auch die begehrten Zigaretten "Lucky Strike" und "Chesterfield" nicht mehr aus. Die Kontakte zu einigen amerikanischen Offizieren wurden auch später noch bei deren Besuchen in der Eisenbarth-Stadt gepflegt. "This is the house of the artist", (Das ist das Haus des Künstlers) hieß es da beim Rundgang durch Oberviechtach.

Verkäufe bis nach Südafrika

Zu den großen religiösen Kunstwerken zählt eine Kopie des Nepomuk-Altarbildes von der Johannisbergkirche, das seit einigen Jahren wieder im Kirchenraum präsentiert wird. "Zwei Riesenaltarbilder gingen nach Südafrika", weiß Paul Bauer zu berichten, der seinen Großvater "als seelenguten, verständnisvollen Menschen" erlebt habe. Der tägliche Gang ins Atelier wurde mit einem "Stamperl Kümmel" eingeleitet. Auch der Mittagsschlaf des Malers erfolgte im Atelier, das ein Gemälde der "Schlafenden" - wohl einem sinnenfreudigen Tizian-Bild nachempfunden - zierte. Als einmal Prälat Simon Sindersberger überraschend für einen Besuch im Atelier zur Familie Lehner kam, lief die Oma voraus und verhängte die unbekleidete "Schlafende" eiligst mit einer Decke, erinnert sich Paul Bauer.

Hintergrund:

Lorenz Lehner war dem gesellschaftlichen Leben in Oberviechtach eng verbunden und Mitglied vieler Vereine. Dazu zählten beispielsweise die Schützengesellschaft, die Soldaten- und Kriegerkameradschaft, aber auch der 1953 gegründete Club der "Fotofreunde", für die er das Vereinsemblem kreierte. Der Dämmerschoppen im Bürgerlokal der "Ottn-Mina" oder im Gasthof Gillitzer gehörten zu seinem Tagesablauf. Neben dem Gesellschaftlichen auf örtlicher Ebene schaute er aber auch über den Tellerrand seiner Heimat hinaus und begab sich bereits in den fünfziger Jahren auf eine Mittelmeer-Kreuzfahrt. Auch später ließ er sich bei Reisen immer wieder für seine künstlerische Arbeit inspirieren. (lg)

Die kleinen Kunstwerke von Lorenz Lehner

Oberviechtach

2013 feierte Lehners Tochter Hildegard Bauer ihren 90. Geburtstag

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.