30.12.2020 - 09:52 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Schauspielerin Julia Gruber : "2020 war für mich das beste Jahr überhaupt"

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In der ARD-Telenovela "Sturm der Liebe" ist Julia Gruber aus Teunz der Durchbruch als Schauspielerin gelungen. Trotz Corona: Für die 32-Jährige war 2020 voll positiver Überraschungen. Ein Gespräch über Küssen, reiten und Weihnachts-Grillen.

Julia Gruber als Amelie Limbach mit Florian Frowein als Tim Saalfeld bei "Sturm der Liebe"
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Im Januar kam die Zusage der ARD, nur vier Monate später stand Julia Gruber das erste mal in den Münchener Bavaria-Filmstudios vor der Kamera: Mit der Rolle als Pferdepflegerin Amelie Limbach in der Kult-Telenovela "Sturm der Liebe" ist für die 32-Jährige aus Teunz im Landkreis Schwandorf ein Traum in Erfüllung gegangen. Während viele Oberpfälzer mit dem zurückliegenden Jahr hauptsächlich die Corona-Katastrophe verbinden, sagt Gruber rückblickend: "2020 war für mich persönlich das beste Jahr überhaupt." In unserer Serie "Menschen des Jahres" verrät die junge Schauspielerin wie es ist, Arbeitskollegen zu küssen, Horrorfilme zu synchronisieren – und wie es nach dem Aus ihrer Rolle bei "Sturm der Liebe" beruflich weitergeht.

Ab April war Gruber Teil der ARD-Seifenoper, im November war dann nach acht Monaten plötzlich Schluss. Über die Hintergründe der Entscheidung darf die Schauspielerin nicht viel verraten: "Es gibt eine neue Staffel, dramaturgisch hat sich etwas geändert", sagt sie – und macht damit auch klar, dass es nicht an ihrer Leistung am Set gelegen hat. Missmutig ist die 32-Jährige deswegen aber nicht. "Ich liebe das Team von Sturm der Liebe, die Arbeit mit den Kollegen hat unglaublich viel Spaß gemacht." Natürlich wäre sie gerne dabei geblieben, aber: "So ist das im Schauspiel, Türen gehen auf und auch wieder zu. Aber die Zeit in der Telenovela war ein tolle Erfahrung."

Julia Gruber Rolle in "Sturm der Liebe" begeistert die junge Schauspielerin

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Telenovela-Dreh als "Fulltime-Job"

Vor ihrer Zeit im Fernsehen hat die Oberpfälzerin eine Ausbildung bei Radio Ramasuri zur Redakteurin gemacht hat. Nach dem Schauspielstudium geht es für die junge Frau zunächst auf die Theaterbühne, unter anderem nach Wien. Es folgen Verpflichtungen für Kurz- und Werbefilme und als Synchronsprecherin. 2019 ist sie für eine Folge bei den "Rosenheim Cops" im ZDF zu sehen, auch im Kinofilm "Wer Frieden sucht" spielt Gruber mit. Mit "Sturm der Liebe" hat die Wahl-Münchenerin dann 2020 nicht nur einen großen Karrieresprung gemacht, sondern auch einen "Fulltime-Job" mit wechselnden Arbeitszeiten ergattert, wie sie berichtet. "Es ist eine Daily-Soap, wir haben von Montag bis Freitag gedreht." Mal steht sie den ganzen Tag vor der Kamera – wie im September, als sie in ihrer Rolle als Pferdepflegerin Amelie Limbach ein Polo-Turnier bestreiten muss und dafür zuvor extra Reitstunden genommen hat. "An anderen Tagen war ich nur wenige Minuten gefragt, man hält sich aber trotzdem am Set bereit."

Wie soll es auch anders sein – weil sich in der Telenovela alles um Romanzen, Liebe und Freundschaft dreht, sind Kuss-Szenen fester Bestandteil des Repertoires. War der 32-Jährigen das Knutschen mit Kollegen unangenehm? "Nein, das Küssen kommt in der Schauspiel-Ausbildung schon früh vor. Für mich war es nicht neu." Allerdings lässt Gruber durchblicken, dass es Unterschiede gibt. "Natürlich hängt das auch ein bisschen vom Kollegen ab. Grundsätzlich ist man als Schauspieler professionell, der Zuschauer soll sich denken: 'Oh, ist das süß.' Aber in der Vergangenheit hatte ich auch schon Kollegen, die würde ich privat eher nicht küssen."

Knutsch-Szenen unter Corona-Bedingungen

Auch organisatorisch seien Liebesszenen, die von körperlicher Nähe leben, in Pandemiezeiten eine Herausforderung gewesen. So habe es laut Gruber im ersten Lockdown im Frühjahr eine Phase gegeben, wo Küssen nicht möglich war. "Es gab dann einfach keine Küsse oder man hat versucht, das mit Luftküsschen auszugleichen. Aber in einer Serie, in der in jeder Folge geknutscht wird, ist das schwierig, die Fans merken das schnell." Später im Sommer wurden die Auflagen angepasst. Die Schauspieler mussten in Quarantäne und wurden zwei Mal wöchentlich getestet – dafür durfte dann auch wieder stürmisch geliebt werden.

Die acht Monate im ARD-Nachmittagsprogramm haben Gruber, die aktuell Single ist, auch mehr Bekanntheit verschafft. Ob Senioren im Autohaus in Wackersdorf, Kleinkinder im Park oder Angestellte im Restaurant – die schlanke Blondine ist vielen inzwischen ein Begriff. So hätten sich viele alte Schulfreunde bei ihr gemeldet und zum Erfolg gratuliert. Die Bedienung eines Münchener Restaurants sei einmal sogar "ausgeflippt", als sie den bekannten Gast erkannt habe, berichtet die Teunzerin. "So etwas ist schon ungewohnt. Aber die Menschen freuen sich richtig, wenn sie mich erkennen und das freut mich dann auch."

Andererseits ist die TV-Schnulze nicht jedermanns Geschmack – auch das weiß Gruber aus eigener Erfahrung. Kritik, die kitschige Telenovela sei fernab jeder Realität, kontert die Teunzerin gelassen. "Sturm der Liebe ist halt ein bisschen wie ein großes Liebes-Märchen, fast zu vergleichen mit Hollywood. In jeder Staffel gibt es am Ende ein Traumpaar, die Heirat kommt zwangsläufig. Das ist zwar auch nicht ganz mein Konzept von Liebe, aber das gibt eben das Drehbuch vor."

Schauspielerin Julia Gruber hat ein Video für Senioren gedreht

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Hektisches Atmen im Horrorfilm

Fans und Kritiker könnte Gruber (beziehungsweise ihr berufliches Alter Ego Amelie Limbach) auch schon im Ausland haben. "Sturm der Liebe" wird der Schauspielerin zufolge in über 20 Ländern ausgestrahlt. "In Italien habe ich sogar eine eigene Synchronsprecherin bekommen", erzählt sie stolz. Die 32-Jährige sieht ihre Zeit in der Telenovela und die gesammelten Erfahrungen deshalb als Sprungbrett für die weitere Karriere. "Ich arbeite aktuell wieder als Freiberuflerin und hoffe natürlich, dass ich viele Anfragen bekomme." Dass Gruber vielfältig ist, beweist ihr jüngstes Projekt. Als Synchronsprecherin leiht sie einer Hauptdarstellerin in einem ausländischen Horrorfilm ihre deutsche Stimme. Titel und Handlung des Films, der 2021 in die Kinos kommen soll, dürfen nicht bekannt gegeben werden, doch mit romantischer Liebe hatte das kaum zu tun, berichtet die Freiberuflerin. "Ich musste sehr viel Atmen, ängstliches und hektisches Ein- und Ausschnaufen. Das kann ganz schön anstrengend sein."

Bei so viel Trubel hat sich Gruber über ein paar ruhige Tage bei der Familie in Teunz umso mehr gefreut. Gemeinsam mit ihren Eltern und ihrer großen Schwester verbrachte sie die Weihnachtstage in der Oberpfälzer Heimat – mit einer ganz speziellen Tradition an Heiligabend. "Bei uns wird am 24. Dezember immer gegrillt. Eine Feuerschale im Garten, Würstchen dazu mit Glühwein, gebrannten Mandeln und Advents-Musik. Das ist unsere eigene Gruber-Weihnachts-Tradition."

"In der Vergangenheit hatte ich auch schon Kollegen, die würde ich privat eher nicht küssen."

Schauspielerin Julia Gruber

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